bedeckt München 25°

Bayernkurier greift Bayerischen Rundfunk an:Nicht mehr auf CSU-Linie

Doch die Parteiführung ist dennoch wenig erbaut vom Rundumschlag des Parteiblatts. "Unser Stil ist es, die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zu suchen und nicht mit den Medien", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt der SZ. Er werde die "Redaktion zu einem Gespräch bitten", so Dobrindt. Davon, dass dieses sonderlich gemütlich wird, dürfte nicht auszugehen sein. Denn anders als früher ist die Partei um Mäßigung beim Umgang mit Medien bemüht. Auch Parteichef Horst Seehofer soll über die Attacken nicht begeistert sein. Nach Informationen aus Parteikreisen rief der Ministerpräsident selbst bei BR-Intendant Ulrich Wilhelm an und distanzierte sich von den Angriffen.

Wilhelm selbst wollte sich gestern nur kurz zum Frontalangriff im Bayernkurier äußern: Pauschale Vorwürfe oder gar Medienschelte seien nie angemessen oder gerechtfertigt, sagte er zur SZ. Kritik an einzelnen Beiträgen gehe man hingegen nach. Im Sender legt man Wert darauf, frei von parteilichen Interessen zu agieren, so wie das auch in seinem Wertekodex festgelegt sei, den der Rundfunkrat 2010 verabschiedet habe.

Auch Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann von der LMU kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Der Aufbruch der SPD in Bayern habe nun einmal Nachrichtenwert. Dass die Partei stärker thematisiert werde als vorher, könne man deshalb niemandem vorwerfen. "Von einer Fehlleistung der Medien kann keine Rede sein", so Reinemann. Dass der Bayerische Rundfunk nun "nicht mehr ganz so stramm" auf CSU-Linie sei, mache ihn eher ausgewogener als vorher. Ein abschließendes Urteil darüber könne aber nur eine ausgeklügelte Inhaltsanalyse leisten. Dafür müsste erfasst werden, welche Partei wie oft und in welchem Licht präsentiert wird - ein schwieriges Unterfangen.

Entsprechend leidenschaftlich wird auch im Rundfunkrat über die Berichterstattung im BR gestritten, wie die Protokolle des Gremiums zeigen. Dort monierte zuletzt CSU-Vertreter Thomas Goppel die Berichterstattung über Fukushima und den Papstbesuch als zu einseitig.

Auch Kabarettist Wolfgang Krebs, 45, las die Tirade der CSU im Bayernkurier. Als Mitglied bekommt er ihn in den Briefkasten. Doch Krebs zählt zu jenen Leuten in der CSU, die sich bei der Lektüre des Parteiorgans eine andere Meinung vorbehalten. "Ich habe im Bayernkurier schon Intelligenteres gelesen", sagt er, "über diesen Beitrag war ich entsetzt".

Dass der Bayerische Rundfunk politisch gefärbt sein soll, diesen Eindruck könne er weder als Hörer noch als freier Mitarbeiter bestätigen. Das sei früher, zu Straußens Zeiten, anders gewesen. Nur weil der BR "nicht willfährig ist, sondern neutral, darf man ihn nicht in eine Ecke stellen". Der Sender solle sich von der "deplatzierten Attacke" und der "gnadenlos eingefärbten Parteisicht" nicht irritieren lassen. Gerade als früherer Mitarbeiter eines privaten Fernsehsenders schätzt Krebs den Wert einer öffentlich-rechtlichen Anstalt: Unter dem neuen Intendanten sei der BR auf einem sehr guten Weg.