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Bahnstreik:"Frech und unverschämt"

BOB- und Meridian-Streik

Die Bahnsteige blieben nicht nur in Bad Tölz fast leer. Die meisten Züge der Oberlandbahn fielen aus.

(Foto: Manfred Neubauer)

Aktion der Gewerkschaften im Oberland führt zu Zugausfällen und ärgert Fahrgäste

Ein kurzfristig angekündigter Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat es am Dienstagmorgen zahlreichen oberbayerischen Bahnpendlern schwer bis unmöglich gemacht, pünktlich zur Arbeit oder in die Schule zu kommen. Die Beschäftigten des Meridian zwischen Salzburg, Kufstein, Rosenheim und München sowie der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) zwischen Bayrischzell, Tegernsee, Lenggries, Holzkirchen und München legten in ihrer Frühschicht zwischen zwei und neun Uhr die Arbeit nieder, um in den laufenden Tarif-Verhandlungen mit der Betreibergesellschaft BOB Druck zu machen. Bis auf einzelne Züge für Schüler fielen alle Fahrten im gesamten Liniennetz der BOB aus, die folgenden Verzögerungen im Schienensystem zogen sich teils bis in den Nachmittag.

Diejenigen Pendler, die am Montag erst gegen Abend auf dem Heimweg waren, erfuhren von dem erst um 17 Uhr angekündigten Warnstreik noch über Durchsagen in den Zügen; andere erreichte die Nachricht über Zeitungen, Radios oder soziale Medien. Gleichwohl standen am Dienstag zahlreiche Fahrgäste vergeblich an den Bahnsteigen. Bei Meridian und BOB hielten sich die Beschwerden nach Unternehmensangaben in Grenzen. Allerdings wählte die "Aktion Münchner Fahrgäste", die für die Anliegen von Eisenbahn-Mitarbeitern in aller Regel viel Verständnis aufbringt, diesmal deutliche Worte: Sprecher Andreas Nagel nannte den Warnstreik wegen der kurzen Vorwarnzeit bei frostigen Temperaturen "frech und unverschämt".

EVG-Verhandlungsführer Isidorio Peronace will den Vorwurf nicht akzeptieren und verweist darauf, dass die Gewerkschaft ihren Warnstreik nach dem Zeitpunkt und Stand der Tarifverhandlungen richten müsse und weniger nach dem Wetter. Er selbst sei am Bahnhof in Holzkirchen im Streik-Einsatz gewesen und dort auch bei den Fahrgästen überwiegend auf großes Verständnis gestoßen. An dem siebenstündigen Ausstand haben sich laut Peronace 92 Prozent der Mitarbeiter im Fahrdienst beteiligt, was der Gewerkschafter als klares Signal an die BOB interpretiert.

Strittig ist unter den beiden Tarifparteien einzig die Frage, ob es als halbe oder als volle Arbeitszeit gelten soll, wenn das Zugpersonal zu anderen als den angestammten Standorten fahren muss, um dort einen Zug zu übernehmen. Die BOB bot bisher eine volle Anrechnung erst ab 2017 an, während die EVG fordert, dass für diese internen Dienstfahrten sofort ein voller Freizeit-Ausgleich gewährt wird. In anderen Tochter-Gesellschaften des Verkehrskonzerns Transdev sei dies längst umgesetzt. Beide Seiten zeigten sich am Dienstag zuversichtlich für die weiteren Verhandlungen. Die sollen nach Angaben von BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch am Donnerstag weitergehen.

© SZ vom 20.01.2016

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