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Bad Kohlgrub in Oberbayern:Ministrantinnen? Gott bewahre!

Fronleichnam in München, 2010

Ministranten bei einem Fronleichnams-Gottesdienst in München.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Mädchen möchte Messdienerin werden - eigentlich normal im Jahr 2015. Nur nicht im oberbayerischen Bad Kohlgrub. Dort wehren sich 14 Ministranten gegen die weibliche Kollegin.

Von Heiner Effern

"Wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht." Mancher mag diese Weisheit banal finden, geradezu abgedroschen, aber eines muss man doch feststellen: Sie ist nicht zu widerlegen. Man kann also dem Pfarrgemeinderat von Bad Kohlgrub im Ammertal eigentlich keinen Vorwurf machen, wenn er mögliche Missstände beim Fronleichnamsfest oder dem Patrozinium in der Filialkirche Altenau damit rechtfertigt. Seit Eva in den Apfel gebissen hat, ziehen sich die Fehler der Menschen durch die christliche Geschichte.

Gleich unter der pauschalen Entschuldigung berichtet der Pfarrgemeinderat von einem Gespräch mit den Ministranten. Der Vorsitzende war dabei, der Pfarrer und auch der Pastoralreferent. Das Thema war eines der großen der katholischen Kirche: die Rolle der Frau in der Gemeinschaft.

Die Dreifaltigkeit beugt sich dem Druck

Im konkreten Fall wollte ein Mädchen aus Altenau gerne Ministrantin werden. Klingt im Bayern des Jahres 2015 nicht direkt nach einer verrückten Idee, selbst in den anderen Kirchen des Pfarrverbands Bad Kohlgrub stehen längst Mädchen vor dem Altar. Ihre künftigen Kollegen, ausschließlich männlichen Geschlechts, sahen aber offenbar bereits den Teufel unter der Türritze der Sakristei hindurchkriechen. 14 von 23 Ministranten drohten damit, umgehend den Dienst aufzugeben, falls das Mädchen aufgenommen würde.

Wer nun meint, die 14 renitenten Lausbuben wären von den Eltern oder ihrer Pfarrgemeinde schnell zurechtgestutzt worden, der täuscht sich. Die Dreifaltigkeit aus Pfarrgemeinderatsvorsitzendem, Pfarrer und Pastoralreferent gab dem Druck der Ministranten nach. Im Pfarrbrief steht dick unterstrichen, sie hätten dies sogar "entgegen ihrer eigenen Überzeugung" getan.

Das Mädchen ministriert mittlerweile in der Nachbarkirche. Da weder die Pfarrgemeinde noch die Eltern den Sprösslingen Einhalt geboten, hier ein Vorschlag von außen: Die Ministranten könnten bei den nächsten Exerzitien so lange ein Gebet sprechen, bis sie in der Jetztzeit angekommen sind. Und nein, liebe Buben, gemeint ist nicht das Vaterunser. Sondern das mit dieser Ave äh, Dings, na ja, Frau. Maria soll die heißen. Ohne die hätte es den männlichen Erlöser nie gegeben. Fragt mal eure Mütter.

© SZ vom 15.07.2015/infu

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