Augsburger Polizistenmord Gutachter zweifelt an Täterschaft von Raimund M.

Tagelang suchten Polizisten Ende Oktober 2011 am Tatort in Augsburg nach Spuren.

Wegen seiner Parkinson-Erkrankung wurde der Prozess gegen einen der mutmaßlichen Täter im Augsburger Polizistenmord bereits ausgesetzt. Nun könnte der Fall erneut eine Wende nehmen: Ein Gutachter bezweifelt, dass Raimund M. bei der Tat anwesend war.

Von Hans Holzhaider

Vier Wochen, nachdem das Landgericht Augsburg das Verfahren gegen den mutmaßlichen Polizistenmörder Raimund M. wegen dessen schlechtem Gesundheitszustand ausgesetzt hat, sind Zweifel daran aufgekommen, ob der 60-Jährige überhaupt in der bisher unterstellten Weise an der Tat beteiligt gewesen sein kann. Der Sachverständige Ralph-Michael Schulte, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, erklärte am Donnerstag, nach den ärztlichen Aufzeichnungen, die über Raimund M. vorlägen, sei auszuschließen, dass dieser im Oktober 2011 in der von einer Zeugin beschriebenen Weise ein Motorrad gefahren oder auch nur als Sozius mitgefahren sei.

Es ist eine unvorhergesehene Wendung, die der schon jetzt von schweren Pannen gekennzeichnete Prozess damit nehmen könnte. Raimund M. und sein Bruder Rudi R., 58, werden beschuldigt, in der Nacht des 28. Oktober 2011 in einem Wald bei Augsburg den 41-jährigen Polizeibeamten Mathias Vieth erschossen zu haben.

Vieth und dessen junge Kollegin Diana K. hatten auf einem Parkplatz am Kuhsee zwei Männer mit einem Motorrad beobachtet, die sich über eine große Stofftasche beugten. Als sie die Männer kontrollieren wollten, sprangen diese auf das Motorrad und flüchteten. Nach einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd über die Mauer eines Lechstauwehrs kamen die Flüchtenden auf einem Waldweg zu Fall. Als Vieth seine Dienstwaffe zog und die Männer aufforderte, sich auf den Boden zu legen, eröffneten diese das Feuer. Vieth wurde von mehreren Kugeln tödlich getroffen.

Der Prozess gegen die Brüder begann im Februar 2013; beide machten vor Gericht keinerlei Angaben. Sie werden aber durch Indizien schwer belastet. In einer Kiste im Anwesen von Raimund M. wurden Waffen gefunden, die jedenfalls in Zusammenhang mit der Tat stehen. Auf einem Seesack in M.s Besitz fanden die Sachverständigen Blutspuren mit der DNA des ermordeten Polizisten.

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Ist Raimund M. als Täter auszuschließen?

Raimund M. ist schon seit Jahren an Parkinson erkrankt. In der strengen Einzelhaft, der die beiden Angeklagten unterworfen waren, haben sich die Symptome dieser Krankheit so verschlimmert, dass der Gerichtspsychiater Schulte im November die Verhandlungsunfähigkeit feststellte. Daraufhin wurde das Verfahren gegen M. abgetrennt. Am Donnerstag wurde die Verhandlung erstmals mit nur einem Angeklagten fortgesetzt.

Die Aussagen, die der Psychiater Schulte an diesem Verhandlungstag macht, kann das Gericht nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schulte erklärte, nach dem durch zwei Fachärzte sehr gut dokumentierten Krankheitsverlauf bei Raimund M. könne er definitiv ausschließen, dass dieser am Tattag als Fahrer oder Beifahrer auf dem Fluchtfahrzeug gesessen habe.

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