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Augsburg:Textile Träume unterm Hakenkreuz

Die Ausstellung "Glanz und Grauen - Mode im ,Dritten Reich'" zeigt, wie sich Menschen während der Nazi-Herrschaft kleideten und wie das Regime den Zeitgeist für seine Zwecke missbrauchte

Das sogenannte Dritte Reich flimmert im Geschichtsunterricht meist schwarz-weiß über den Bildschirm. Fürchterliche Aufnahmen aus den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten sind in Dokumentarfilmen zu sehen, der Qualm von Geschützen auf dem Schlachtfeld oder Menschenmassen, die ihrem "Führer" zujubeln. Zweifellos war die Zeit der Nazi-Herrschaft in Deutschland grauenvoll, doch es gab auch den bunten Alltag der Menschen, die ihre Kinder großzogen, arbeiteten, in den Urlaub fuhren. Diesen Alltag macht auf besondere Weise eine Sonderausstellung im Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg anschaulich. Die Schau mit dem Titel "Glanz und Grauen - Mode im ,Dritten Reich'" zeigt noch bis zum 22. Oktober, wie sich die Menschen kleideten und inwieweit der Staat die Mode für seine Zwecke missbrauchte.

Auf 1000 Quadratmetern sind mehr als 100 Originalkostüme, Fotos, Modegrafiken und Zeitschriften zu sehen. Im Mittelpunkt stehen die Kleidungsstücke der damaligen Zeit, Uniformen genauso wie elegante Kostüme für die Frau. Auch im Nationalsozialismus unterlag die Mode internationalen Einflüssen, und nicht anders als heute prägten Filmstars mit ihren Outfits den Geschmack der Massen. Lange Kleider, edle Stoffe und aufwendige Schnitte - das waren die textilen Träume unterm Hakenkreuz. Allerdings waren Rohstoffe knapp und Textilien von guter Qualität Mangelware. Weil die hochwertigeren Materialien für die Ausstattung der Wehrmacht verwendet wurden und die edlen Stoffe den Maßschneidern der Offiziere vorbehalten waren, verordneten die Nationalsozialisten dem Volk Spinnstoffsammlungen und Kleiderkarten. Die Kleider, Jacken, Mäntel und Hosen für die einfachen Leute wurden schließlich nur noch in minderer Qualität produziert. Die Aufzeichnungen eines Textilhändler zeigen, wie er seine fadenscheinige Ware mit blumigen Worten einem Kunden anpries.

Natürlich musste Kleidung in den Dreißiger- und Vierzigerjahren ideologische Zwecke erfüllen. Ausdruck dessen waren die Uniformen für Parteiorganisationen, den "Bund deutscher Mädel" und die "Hitlerjugend". Daneben wurden aus Textilien Zeichen zur rassistischen, brutalen Ausgrenzung gefertigt: der "Judenstern". Weil Materialknappheit vorherrschte, wurden die jüdischen Textilhändler von 1933 an mit dem Gesetz über die Einziehung "volks- und staatsfeindlichen Vermögens" enteignet. Betroffen davon war als prominentes Opfer auch die Kaufhauskette Hermann Tiez (Hertie).

Trachten sind ein weiteres Thema der Ausstellung, die in Kooperation des LVR-Industriemuseums Textilfabrik Cromford

in Ratingen mit dem Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Philipps-Universität Marburg entstand. Menschen, die Lederhosen oder Dirndl trugen, waren den Nazis suspekt. Der individuelle, eigenständige Charakter dieser Kleidung fügte sich nicht ins braune Bild der "Volksgemeinschaft". Gerade junge Leute, die das Hitler-Regime ablehnten, nutzten Tracht deshalb als Ausdruck des Widerstandes. Andere, die "Swings" genannt wurden, begeisterten sich für die englische Herrenmode und kleideten sich entsprechend elegant. Die Geheime Staatspolizei sah dies als "zersetzende Gefahr" an und verfolgte die "Swings". Auf die Gestapo geht die Ausstellung noch an anderer Stelle ein: Die Männer, die für die staatliche Terrororganisation arbeiteten, trugen keine schwarzen Ledermäntel. Dies hätten US-Filme suggeriert, was nicht den Tatsachen entspreche, so die Ausstellungsmacher. Etwas gruselig wirkt auf Besucher ein blaues, schlichtes Kleid in einem der Schaukästen. Es gehörte Eva Braun, der Geliebten von Adolf Hitler.

Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg, Provinostraße 46, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 9 bis 18 Uhr, Telefon 0821/81001-50, www.timbayern.de