Fall Rebecca "Er fuhr hin, um sie zu töten"

Der Angeklagte soll seine hochschwangere Geliebte ermordet haben.

(Foto: dpa)

Zum Spaziergang mit seiner schwangeren Geliebten nahm der Angeklagte Klebeband und Kabelbinder mit: In seinem Plädoyer im Fall Rebecca spricht der Staatsanwalt von einer akribisch geplanten Tat.

Von Katja Auer, Aschaffenburg

An der Tat zweifelt niemand, nun geht es darum, wie lang der 32-jährige Mann auf der Anklagebank ins Gefängnis muss. Lebenslange Haft fordert der Oberstaatsanwalt, dazu möge das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellen. Das bedeutet, dass die Strafe nicht nach 15 Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden kann.

Es war ein Fall, der die Menschen im ganzen Land erschütterte: Vor einem Jahr soll der Lastwagenfahrer die 24-jährige Rebecca umgebracht haben, erdrosselt, weil sie sein Kind zur Welt bringen wollte. Die beiden kannten sich seit ein paar Jahren, gelegentlich hatten sie Sex miteinander. Heimlich allerdings, da der 32-Jährige verheiratet war und seine Ehe nicht gefährden wollte. 2012 war sein Sohn zur Welt gekommen.

Zwei Wochen nach der Tat hätte ihre Tochter zur Welt kommen sollen

Als Rebecca ihm erzählte, dass sie von ihm schwanger ist, forderte er sie auf, das Kind auf seine Kosten abtreiben zu lassen. Sie wollte nicht. Er erwürgte sie und versteckte ihre Leiche in einer Garage. Als sie ihren dreijährigen Sohn nicht vom Kindergarten abholte, begann eine aufwendige Suche. Tagelang. Zwei Wochen nach ihrem Tod hätte die kleine Lea zur Welt kommen sollen.

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Sie musste vermutlich sterben, weil ihr Geliebter seine Ehe schützen wollte. Zum Prozessauftakt spricht der 32-Jährige von einem "Blackout".   Von Katja Auer

Der Mann hatte ein Geständnis abgelegt und erklärt, er habe die junge Frau im Affekt getötet. Es klang larmoyant, was er seinen Verteidiger zum Prozessauftakt verlesen ließ, Rebecca habe ihn geradezu zum Sex gedrängt, Macht über ihn ausgeübt. Am Tag der Tat habe er an einem neutralen Ort mit ihr sprechen wollen, nur so, deswegen fuhren die beiden in den Wald. Da habe sie eine Quickie gefordert, dann seien sie gestolpert, sie habe geschrien, er sei ausgetickt. Am Ende war Rebecca tot.

Das allerdings sieht Oberstaatsanwalt Helmut Hasenstab ganz anders. "Ich glaube nicht, dass er nur reden wollte", sagt Hasenstab in seinem Plädoyer am Mittwoch. "Er fuhr hin, um sie zu töten." Selbst hatte der Angeklagte in den bisherigen elf Verhandlungstagen nichts gesagt, aber Zeugen und Gutachter konkretisierten das Bild von ihm. "Wir haben gehört von einer schwierigen Kindheit", sagt Hasenstab, "die geprägt war durch ein Elternhaus, das man sicherlich nicht als ideal bezeichnen kann."