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Alois Glück zum 70. Geburtstag:Hausphilosoph der CSU

Eigentlich haben es die Stillen in einer Partei wie der CSU besonders schwer: Nicht so jedoch Alois Glück. Der raffinierte und ehrgeizige Oberbayer ist zum wichtigsten Vordenker seiner Partei geworden.

In jeder Partei gibt es, grob gesagt, vier Typen von Politikern: Die machtbewussten, ego-getriebenen Alpha-Tiere, die ganz nach oben wollen und dies auch schaffen, außer, es steht ihnen ein anderes, gleichstarkes Alpha-Tier im Wege. Die windschnittigen Karrieristen, von denen auch die eigenen Kollegen hoffen, dass sie es nie nach ganz oben schaffen. Die große Masse der Hinterbänkler, für die schon ein Staatssekretärs-Posten die Erfüllung aller Karriereträume bedeutet. Und die leisen Nachdenklichen, die zuweilen damit kokettieren, ganz nach oben zu kommen, denen aber meist die nötige Härte dafür fehlt.

Alois Glück - Vordenker der CSU.

(Foto: Foto: ddp)

In der CSU, die eher eine hemdsärmelige Partei ist, haben es die Stillen noch ein Stück schwerer als anderswo. Einer hat es aber geschafft, nach ziemlich weit oben zu kommen und seine Partei damit ziemlich stark zu prägen: Alois Glück, der an diesem Sonntag 70 Jahre alt wird.

Eine Rede hat seinen Ruf als "Vordenker" der CSU begründet, der ihn seither begleitet. Das war 1986, als er nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor der Flucht in einfache Auswege warnte und zugleich die CSU vom Stigma der sturen Kernkraftbefürworter befreite.

Er sei der "Hausphilosoph" der CSU, hat die FAZ einmal über Glück geschrieben. Stets hat sich Glück, von solidem katholischem Fundament aus, Gedanken über die Veränderungsprozesse der Welt gemacht. Auch für seine Parteifreunde war das nicht immer leicht verdauliche Kost, ein Bierzelt-Einpeitscher war Glück nie.

Immer wieder waren im komplizierten Beziehungsgeflecht der CSU Glücks Talente als Vermittler und Entschärfer gefragt. Mit Edmund Stoiber, dem Ministerpräsidenten bildete Alois Glück, der Fraktionschef, ein hochkomplexes Gespann zweier völlig unterschiedlicher Männer. Hier der leicht entflammbare, hyperaktive Stoiber, dort der schwerblütige, nachdenkliche Glück.

Wenn Stoiber "Hurra" geschrien hat, hat Glück meist "Obacht" dazwischen gerufen. Natürlich wäre er selbst auch gerne ganz nach oben gekommen, zugetraut hätte er sich den Job als Ministerpräsident allemal. An Ehrgeiz hat es ihm nicht gemangelt, auch nicht an Raffinesse.

Bei Alois Glück wusste man nie so genau, mit wie vielen Bällen in der Luft er gerade jonglierte. Aber der letzte Schuss Brutalität, wenn es hart auf hart ging, hat ihm dann doch gefehlt. Er sei "manchmal wohl etwas zu zögerlich", hat Glück einmal über sich gesagt.

Eigentlich wollte er es nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag im Herbst 2008 ruhiger angehen lassen. Doch daraus wird nichts. Glück ist seit zwei Monaten neuer Präsident des Zentralkommitees der Katholiken, ein Amt, nach dem er sich nicht gedrängt hat. Weil die Gemengelage zwischen den Bischöfen und ihrer Laienorganisation nicht weniger kompliziert ist als in der CSU, wird er seine Fähigkeit zum Ausgleichen auch weiterhin gut brauchen können.