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Allersberg:Freie Bahn für Logistikzentrum

Bürger wollen mehrheitlich ein großes Gewerbegebiet

Von Uwe Ritzer, Allersberg

Formal ging es allein darum, ob und, wenn ja, in welchem Umfang Grünland an der A 9 bei Allersberg für Gewerbeansiedlungen erschlossen werden soll. In letzter Konsequenz aber gaben die Bürgerinnen und Bürger der Marktgemeinde unweit von Nürnberg am Sonntag auch ein Signal, ob Amazon willkommen wäre oder nicht. Eine Mehrheit der Allersberger scheint sich mit dem Gedanken anfreunden zu können, dass der Online-Versandriese dort ein Sortierzentrum errichtet.

Zumindest erteilte eine Mehrheit von 2368 Stimmen beim coronabedingt per Briefwahl abgehaltenen Bürgerentscheid dem bisherigen Kurs von Bürgermeister Daniel Horndasch (FW) seine Zustimmung. Das heißt, dass auf einen Schlag 33 Hektar Gewerbeflächen unweit der Autobahnausfahrt erschlossen werden und nicht nur nach und nach eine deutlich kleinere Fläche, wie die Gegner der Pläne erreichen wollten. Sie konnten 1610 Stimmen verbuchen. Der Gemeinderat wird in den kommenden Monaten auf dieser Basis unter anderem entscheiden, wer die Flächen erhalten soll. Interessent für ein 19 Hektar großes Teilstück ist Amazon, auch wenn alle Beteiligten dies seit Monaten offiziell weder bestätigen noch dementieren wollen. Die Absicht des US-Konzerns sickerte allerdings durch eine Panne durch, als die Kommune versehentlich Planungsunterlagen mit dem Namen "Amazon" im Internet veröffentlichte (die SZ berichtete).

Zudem sind in Allersberg seit Monaten Quartiermeister von Amazon am Werk, nämlich die P3 Logistik Parcs, ein Spezialentwickler für Logistik-Immobilien. Die Tochterfirma des Staatsfonds von Singapur hat schon öfter Logistikhallen errichtet und an Amazon vermietet. In Allersberg hat P3 nach eigenen Angaben bereits knapp eine Million Euro in die Erschließungsplanungen investiert, auf eigenes Risiko, heißt es. Auch Bürgermeister Horndasch versichert, es gebe weder geheime Absprachen noch einen Zuschlag für P3 und/oder Amazon.

Der Bürgermeister reagierte am Montag erleichtert auf den Ausgang des Entscheids. "Es war für den ganzen Ort wichtig, dass nun ein eindeutiges Statement unseres Souveräns, der Bürgerschaft vorliegt. Dieses Ergebnis zeigt, welche Prioritäten unsere Bürger setzen, welche Ziele ihnen wichtiger sind und sie geben damit den Rahmen für die Arbeit des neuen Gemeinderats vor", so Horndasch. Allersberg ist hoch verschuldet und erhofft sich von dem Gewerbegebiet Mittel für Investitionen. Umgekehrt warnten Naturschützer vor ökologischen Folgen und Verkehrsbelastung. Auch der Rother Landrat Herbert Eckstein (SPD) hatte sich für die sanftere Variante ausgesprochen.

Über all dies wurde in den vergangenen Monaten in Allersberg nicht immer zimperlich gestritten. Um die Spaltung der Gemeinde zu überwinden, sei es nun vor allem wichtig, "diese Entscheidung der Bürgerschaft jetzt als gegeben anzuerkennen und auf dieses Basis konstruktiv im Gemeinderat und über Parteigrenzen hinweg zusammen zu arbeiten", so Horndasch. "Zum Wohle des Ortes."

© SZ vom 19.05.2020
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