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Affären in Miesbach:Freie Wähler fordern "klaren Schnitt" von Färber

Gerade hat Arnfried Färber als amtierender Landrat die Geschäfte in Miesbach übernommen, doch auch seine Geburtstagsparty wurde von der Sparkasse bezahlt. Nun fordern die Freien Wähler von ihrem Parteikollegen, dass er alle Ämter niederlegt. Gleichzeitig werden weitere Vorwürfe laut.

Nach dem Rückzug des Miesbacher Affären-Landrats Jakob Kreidl (CSU) ist im Oberland heftiger Streit um den amtierenden Landrat Arnfried Färber (Freie Wähler) entbrannt. Führende Freie Wähler in der Region forderten Färber erneut auf, "einen klaren Schnitt zu machen" und alle Ämter niederzulegen. Für den Fall seiner Wiederwahl in den Kreistag am 16. März solle Färber jetzt erklären, das Mandat nicht anzunehmen und aus der Lokalpolitik auszuscheiden, verlangte der dritte Bürgermeister der Stadt Miesbach, Michael Lechner, der auch FW-Chef in der Kreisstadt ist. Färber lässt bisher nur sein Amt im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee ruhen.

Was Färbers Zukunft anbelangt, ist unter den Freien Wählern die Spaltung zwischen Getreuen und Kritikern offenbar ähnlich tief, wie sie in der CSU wegen Kreidl ist. Der amtierende Landrat und frühere Haushamer Bürgermeister steht ebenfalls heftig unter Beschuss, seit bekannt geworden ist, dass die Sparkasse 55 000 Euro für das Fest zu seinem 70. Geburtstag bezahlt hat. Schon in der vergangenen Woche wurde Färber zum Rücktritt aufgefordert, unter anderem von FW-Chef Hubert Aiwanger. Die Miesbacher FW verlangten, Färber solle sich wenigstens für das Fest und die Kostenübernahme der Sparkasse öffentlich entschuldigen. Sie waren ebenso erfolglos wie zuvor Aiwanger.

Am Wochenende rief nun der Miesbacher FW-Chef und Landratskandidat Norbert Kerkel zu einem neuerlichen Treffen, auf dem man über die Causa Färber beraten wollte. Auf der Versammlung, auf der es angeblich hoch hergegangen ist, setzten sich abermals Färber und seine Unterstützer durch. Zwar erklärte sich Färber bereit, seinen Sitz im Sparkassen-Verwaltungsrat niederzulegen. Aber sein Amt als Vize-Landrat wird Arnfried Färber weiter ausüben. Damit solle "die Funktionsfähigkeit des Landratsamtes sichergestellt werden", hieß es in einer Erklärung und: "Die Freien Wähler begrüßen diesen Entschluss und zollen ihm für sein Pflichtbewusstsein hohen Respekt."

Färber selbst legt "großen Wert auf die Feststellung, dass bei seiner Geburtstagsfeier (. . .) für Speisen und Getränke ein Betrag in Höhe von 10 393 Euro angefallen ist und der Großteil der Gesamtkosten für die Renovierung und Ausstattung des Saals aufgewendet wurde", in dem die Feier stattfand. Das ist insofern richtig, als dass eine Kostenaufstellung der Kreissparkasse für das Geburtstagsfest neben den Kosten für Speis und Trank für 150 Gäste einen Betrag von 15 233 Euro für die "Dekoration" aufweist. Aber diese Kostenaufstellung bezieht sich eindeutig nur auf Färbers Geburtstagsfest und nicht auch noch auf eine etwaige Renovierung des Saals.

Im Landkreis erzählen sie sich derweil, dass für die Feier eigens ein teurer Teppichboden in Teilen des Saals verlegt worden sei. Schon kurz nach dem Fest soll er aber wieder herausgerissen worden sein.

Es werden auch noch weitere Vorwürfe gegen Färber laut. Demnach hat Färber intensiv Ferienwohnungen in einem Fünf-Sterne-Hotel im Stubaital genutzt, welche die Sparkasse eigentlich dafür angemietet hatte, dass dort Pensionisten und Mitarbeiter ihre Urlaube verbringen können. Bei dem Haus handelt es sich um den Jagdhof in Neustift, der im Internet unter anderem mit seinem weitläufigen Beauty- und Spabereich, seinen großzügigen Doppelzimmern und Appartements, seiner gehobenen Küche und seinem Weinkeller mit mehr als 20 000 Flaschen Wein wirbt.

Färber selbst bestätigte die Nutzung. Unklar blieb, zu welchen Konditionen er dort freie Tage oder Urlaube verbrachte. Der Vize-Landrat wollte sie nicht nennen und verwies auf die Sparkasse. Der FW-Landratskandidat Kerkel war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Er schreibt aber in seiner Erklärung zu der Aussprache mit dem Vize-Landrat: "Ich persönlich weiß (. . .) sehr zu würdigen, wie viel Arnfried Färber in den vergangenen 30 Jahren in seinen vielfältigen Funktionen für die Gemeinschaft geleistet hat".