Abspeck-Programm aus Bayern Und dann kommt der Jo-Jo-Effekt?

"In der dritten Phase, der Erhaltungsphase, darf man auch wieder andere Lebensmittel testen", sagt Funfack, der die weiteren Grundregeln wohl auch im Tiefschlaf aufsagen kann: "Drei Mahlzeiten am Tag mit mindestens fünf Stunden Pause, keine Zwischenmahlzeiten, nicht nach 21 Uhr essen. Die Mahlzeiten dürfen jeweils nur eine Sorte Eiweiß enthalten."

Den Erfolg der Diät präsentiert Marketingchefin Benigna Daubenmerkl anhand von Fotos, auf denen der Abgebildete einmal bildfüllend im Vordergrund, einmal schlank im Hintergrund steht.

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Andere Ernährungswissenschaftler, die sich angesichts des großen Erfolgs des kleinen Mediziners aus Isen sein Programm genau angesehen haben, sprechen von Humbug. Funfack betreibe Geheimniskrämerei mit den Laborwerten - wie der Ernährungsplan zustande kommt, sei nicht nachvollziehbar. Dem Körper sei egal, welche Sorte Eiweiß er aufnehme, und wegen der starren Vorgaben sei die Diät im Alltag sowieso kaum umzusetzen, lautet die Kritik.

Ein Jo-Jo-Effekt sei programmiert, denn die Ernährung werde nicht, wie versprochen, individuell und personenbezogen an den Patienten angepasst, kritisieren Alexandra Kreissl und Kurt Widhalm von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien. Vielmehr würden den Patienten neue Lebensmittel vorgeschrieben. Insgesamt, so Kreissl und Widhalm, baue Metabolic Balance auf Grundlagen auf, die ernährungsmedizinischen Empfehlungen weitgehend widersprächen.

Der Metabolic-Balance-Erfinder, ein angegrauter und recht fröhlicher Herr, der in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag feiern wird, reagiert darauf entspannt. Er verweist auf die sichtbaren Erfolge seiner Kunden, auch langfristige, sowie eine für ihn äußerst positive Studie des Hochrhein-Institutes am Reha-Klinikum in Bad Säckingen. Das Institut ist allerdings gleichzeitig ein Auftragnehmer der Firma: Derzeit entwickelt sie im Auftrag der Metabolic Balance GmbH ein Qualitätssicherungsprogramm.

Der gebürtige Erlanger Funfack hatte sich schon in seiner Doktorarbeit Anfang der siebziger Jahre mit "Adipositas im Säuglings- und Kleinkindesalter" beschäftigt, also mit Fettleibigkeit, zehn Jahre arbeitete er im Krankenhaus Moabit in Berlin, wo er feststellte: "Die Kinder, die zu uns kamen, wurden immer dicker." 1983 verschlug ihn der Zufall in Form einer Praxisanzeige nach Isen, wo er seinen schwergewichtigen Patienten bald mit eigens zugeschnittenen Ernährungstipps eher so nebenbei zu Leibe rückte. Funfack suchte die Lösung in den Blutwerten, die Pläne schrieb er per Hand, die Mund-zu-Mund-Propaganda lief auf Hochtouren. "Als ich dann irgendwann drei bis vier Pläne pro Tag schreiben musste, habe ich begonnen, professionell mit einer Softwarefirma zusammenzuarbeiten", so Funfack.

Inzwischen leitet seine Frau die Firma, es gibt unzählige Bücher von Metabolic Balance für Einsteiger, Berufstätige, Diabetiker bis zum Mental- und Stoffwechselnachschlagewerk. 3500 Berater wurden in seiner Isen-Akademie in den vergangenen Jahren ausgebildet, 2000 sind momentan weltweit aktiv. Die Kurse sind stets voll, obwohl die 17-tägige Ausbildung zum Ernährungsberater etwa 2500 Euro kostet, Zusatzkurse extra.

Das Büro des Landarztes, der hinter den sieben Hügeln des Isentals so erfolgreich wurde, ist sehenswert. Da steht einerseits ein milchig-grauer Bergkristall auf dem Schreibtisch ("Er tut mir gut"), der Blick aus dem Bullaugen-Fenster des geomantischen Hauses auf schneckenförmige Muster im Garten, das sogenannte Sanktuarium, soll den Chef erden. Doch auf der Kommode gegenüber lockt ein kleiner Wimpel, eine amerikanische Flagge der Chamber of Commerce von Kalifornien. "Die habe ich geschenkt bekommen, weil ich in der Handelskammer dort nun auch Mitglied bin", sagt Doktor Funfack.

Firmenableger europaweit und von Südafrika, China bis Russland gibt es schon länger. Seit einem Jahr aber ist das Unternehmen aus dem Landkreis Erding groß in San Diego eingestiegen. "Amerika ist ein großer Markt für uns, die Leute dort haben es wirklich nötig", sagt Funfack. Und dann kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen.