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VW-Abgas-Skandal:"Für uns sind das gängige Software-Bestandteile"

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Porsche bekommt seine Dieselmotoren von Audi geliefert. Nun aber könnte die Sportwagen-Marke dennoch Schaden nehmen.

(Foto: Uwe Zucchi/dpa)
  • Der Volkswagen-Konzern sieht sich mit neuen Betrugsvorwürfen aus den USA konfrontiert.
  • Diesmal geht es um das Abgasverhalten mehrerer VW-, Audi- und Porsche-Modelle mit 3,0-Liter-V6-Dieselmotor.
  • Wieder sollen die Techniker bei der Software getrickst haben. VW räumt zwar kleine Fehler ein, ist aber über die Schwere der Kritik entsetzt.

Manchmal wird selbst die hochoffizielle Kommunikation zwischen Behörden und Großkonzernen emotional: "Sehr enttäuscht" sei man, schreibt Annette Hebert, Abteilungsleiterin der kalifornischen Umweltschutzbehörde Carb da in ihrem Brief vom 2. November an VW. Sehr enttäuscht über die neuesten Entwicklungen bei Volkswagen. Jetzt habe man schon wieder, zum zweiten Mal, Schummeleien beim Abgasverhalten von Dieselautos feststellen müssen - obwohl man doch Offenheit bei dem Thema gefordert habe. Doch stattdessen seien jetzt noch mehr VWs betroffen - und auch Audi und Porsche, Autos mit 3-Liter-Dieselmotoren. Very disappointing.

VW möge, schreibt Hebert, bei ihr anrufen, zwecks Vereinbarung eines Gesprächstermins. Das war am Montagabend deutscher Zeit. Da war schon klar, dass es viel zu bereden geben würde. 24 Stunden später hat sich die Tagesordnung verlängert. Diesmal teilt Volkswagen selbst mit, dass noch mehr schiefgelaufen ist: Bei 800 000 Autos sei es "bei der Bestimmung des CO₂-Wertes für die Typ-Zulassung von Fahrzeugen zu Unregelmäßigkeiten gekommen". Die Wagen könnten mit zu niedrigen CO₂- und damit auch zu niedrigen Sprit-Verbrauchsangaben verkauft worden sein. Die wirtschaftlichen Risiken beziffert der Konzern für den Moment auf zwei Milliarden Euro. Für den Dieselskandal sind bisher 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt. Es wird immer teurer, immer ausufernder. Es geht nicht mehr nur um zu viel Nox, sondern nun auch um zu viel CO₂. Und es geht nicht mehr nur um Diesel, sondern diesmal offenbar auch um Benzinmotoren. Die schonungslose Aufklärung sei "ein schmerzhafter Prozess", sagte Volkswagen-Vorstandschef Matthias Müller zu diesen ganz neuen Problemen - aber die Aufklärung sei für Volkswagen "ohne Alternative": Nur die Wahrheit zähle. Das sei die Voraussetzung für die grundlegende Neuausrichtung, die der Konzern brauche. Die Aufsichtsräte teilten mit, sie hätten diese neuen Informationen "mit Sorge" zur Kenntnis genommen. Bereits am Montagabend, nach den neuen US-Vorwürfen, hatten sie sich zusammentelefoniert. "Tiefes Entsetzen" habe da geherrscht, berichtet einer der Teilnehmer. Wobei die VW-Leute auch verwundert klingen: Die Vorwürfe, die ohne erkennbare Vorwarnung von der Carb und der im Gleichschritt arbeitenden US-Umweltschutzbehörde EPA kamen, seien "vage, aber hart".

Die Gegenrede aus der Konzernzentrale in Wolfsburg war dann ebenfalls hart, nur wenige Stunden nach der Beschwerde aus den USA: "Die Volkswagen AG betont, dass keine Software bei den 3-Liter V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern." So etwas versendet ein Konzern nicht leichtfertig, denn müsste er zurückrudern, wäre das Image noch lädierter.

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Also stellt sich bei den US-Vorwürfen die Frage: Was stimmt denn nun? Irren die Behörden diesmal? Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben die Motorenentwickler einen Aspekt nicht korrekt beschrieben bei der Zulassung des Motors und gestehen das auch ein. Es geht um das Emissionsverhalten in der Warmlaufphase: Der Katalysator muss erst warm werden, um optimal zu arbeiten und das Abgas weitgehend frei zu bekommen von Stickoxiden.

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