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Verkehrsopfer:Der Gurt ist Lebensretter Nummer 1

So überholt es klingen mag, aber nach wie vor ist der Sicherheitsgurt Lebensretter Nummer eins. In der EU wird zu 89Prozent auf den Vorder- und zu 72 Prozent auf den Rücksitzen der Gurt angelegt. Würden sich 99 Prozent aller Fahrzeuginsassen angurten, könnten pro Jahr etwa 2500 Menschen mehr bei Unfällen überleben. Eine solche Gurtquote könnte nach Meinung des ETSC erreicht werden, wenn alle Autos mit sogenannten Seat Belt Reminders, Gurtwarnern, auf allen Sitzen ausgestattet wären.

Warum manche Länder erfolgreicher in der Verkehrssicherheitsarbeit sind als andere, liegt nach Meinung von Townsend aber letztlich am unterschiedlichen nationalen Interesse: "Der politische Wille muss bis in die höchsten Ebenen vorhanden sein." So würde etwa in Frankreich, für Townsend ein "sehr gutes Beispiel", nicht nur der Verkehrsminister in seinem Ressort nach Lösungen und Ideen suchen lassen.

"Die Zusammenarbeit mehrerer Ministerien ist intensiv und die Ergebnisse werden bis zur obersten Regierungsebene durchgereicht", weiß die Britin. Eine Folge: Die Motivation sei groß genug, um das nötige Geld bereitzustellen. Ein weiterer Grund für Frankreichs Erfolgsbilanz: "Dort geht man offensiv in die Öffentlichkeit und informiert die Bevölkerung." So sei es üblich, dass die Polizei in den Medien über verstärkte Kontrollen ausführlich informiere. Zudem würden Umfragen durchgeführt, was die Bürger von den Maßnahmen hielten und ob sie sie als erfolgreich erachten. Auch in dieser Hinsicht komme Frankreich eine "Vorbildrolle" zu.

Dass Deutschland lediglich auf Platz sieben der EU-Liste rangiert, scheint auf den ersten Blick kein gutes Ergebnis zu sein, schließlich hat die Verkehrssicherheitsarbeit hierzulande eine lange Tradition. Doch Staaten mit bereits kontinuierlich rückläufigen Getötetenzahlen, wie auch die Niederlande und Schweden, können naturgemäß nicht mehr so stark reduzieren wie andere, die auf einem deutlich schlechteren Niveau eingestiegen waren. Dennoch schneidet Deutschland mit minus 36Prozent noch immer deutlich besser ab als der EU-Durchschnitt mit minus 28 Prozent.

Obwohl die EU ihr Ziel nicht erreicht, geht der Blick nach vorne. Im Juli soll das neue Verkehrssicherheitsprogramm bis 2020 vorgestellt werden. Man wird die Reduzierung der Verkehrstotenzahl um 40Prozent beschließen. Das wirkt, als wolle man unbedingt einen neuen Misserfolg vermeiden. Doch Townsend sieht das anders: "Das Ziel ist sehr ambitioniert, sonst würden sich viele auf dem bisher Unternommenen ausruhen. Das reicht aber nicht."