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Elektroautos:So funktioniert die Umweltprämie

Höhere Kaufprämie für Elektroautos in Kraft

Immer höhere Zuschüsse sollen der Elektromobilität in Deutschland endlich zum Durchbruch verhelfen.

(Foto: dpa)

Käufer von umweltfreundlichen Autos erhalten ab sofort einen höheren Zuschuss.Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Umweltbonus.

Damit endlich mehr elektrische Autos auf die Straße kommen, verteilen Bundesregierung und Autohersteller großzügig Geldgeschenke. So wurden höhere Zuschüsse für E-Auto-Käufer schon im Klimapaket im November beschlossen, doch die formale Umsetzung der neuen Umweltprämie zog sich zuletzt monatelang hin. Jetzt ist es endlich soweit: Seit Mittwoch bekommen Autokäufer offiziell höhere Prämien, wenn sie sich für besonders umweltfreundliche Modelle entscheiden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Umweltbonus.

Für welche Autos bekommt man die Umweltprämie?

Gefördert werden reine Elektrofahrzeuge, Wasserstoffautos und bestimmte Plug-in-Hybride. Wie hoch der Bonus ausfällt, hängt vom Netto-Listenpreis des Fahrzeugs ab. Käufer von Elektro- oder Wasserstoffautos mit einem Netto-Listenpreis unter 40 000 Euro (Preis des Basismodells ohne Sonderausstattung und ohne 19 Prozent Umsatzsteuer) bekommen jeweils 3000 Euro vom Staat und 3000 Euro vom Hersteller. Kostet das gewünschte Auto zwischen 40 000 und 65 000 Euro, zahlen Staat und Hersteller jeweils einen Bonus von 2500 Euro. Bei Plug-in-Hybriden fallen die Zuschüsse etwas geringer aus: Bei Autos bis 40 000 Euro gibt es insgesamt 4500 Euro, für teurere Wagen bis 65 000 Euro bekommt man nur noch 3750 Euro extra. Auch hier teilen sich die Hersteller und der Staat die Kosten.

Wie erhält man die Umweltprämie für sein Fahrzeug?

Der Herstelleranteil wird direkt beim Kauf des Fahrzeugs als Nachlass verrechnet. Manche Konzerne bieten sogar noch höhere Prämien an als die garantierten 3000 Euro. Ob ein Modell überhaupt gefördert wird, kann man auf einer ständig aktualisierten Liste des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) überprüfen. Bei Plug-in-Hybriden kommt es zum Beispiel darauf an, wie hoch ihre rein elektrische Reichweite ist und dass sie nicht mehr als 50 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstoßen. Den staatlichen Teil der Prämie kann man erst nach der Zulassung beantragen. Dabei muss der Antragssteller auch der Fahrzeughalter sein. Anträge gibt es online beim Bafa. Dort wird der Antrag geprüft und bei einem positiven Bescheid der zweite Teil der Umweltprämie überwiesen.

Gilt die höhere Förderung auch rückwirkend?

Da die Aufstockung der Umweltprämie mehrere Monate in der Warteschleife hing, hielten sich viele E-Auto-Interessenten in den vergangenen Wochen mit einem Kauf zurück. Für alle, die dennoch ein Batterieauto gekauft haben, gibt es trotzdem die Möglichkeit, vom höheren Bonus zu profitieren. Für den Maximalbetrag müssen Hersteller oder Händler aber gegebenenfalls den Eigenanteil erhöhen. Weist etwa der Hersteller für ein im Dezember gekauftes Fahrzeug eine Umweltprämie von 2000 Euro aus, dann kann der Käufer auch vom Staat nur 2000 Euro erhalten. Der Hersteller hat jedoch die Möglichkeit, seinen Anteil nachträglich zu erhöhen. Wenn er das durch eine Gutschrift mit dem Zweck "Nachzahlung Umweltbonus" dokumentiert, kann man den Betrag mit diesem Nachweis beim Bafa geltend machen. Hat der Kunde jedoch bereits vom Hersteller im Voraus eine höhere Prämie von 3000 Euro bekommen, kann er diesen Betrag auch nachträglich vom Staat einfordern. Natürlich nur, wenn das Auto auch die entsprechenden Kriterien erfüllt - es in diesem Fall also einen Netto-Listenpreis von unter 40 000 Euro hat.

Gibt es auch eine Förderung für Gebrauchtwagen?

Bislang kamen nur Neuwagen für die Umweltprämie infrage. Ab sofort sind auch so genannte "Junge Gebrauchte" förderfähig. Darunter fallen Gebrauchtwagen, deren Erstzulassung höchstens zwölf Monate zurückliegt und die nicht mehr als 15 000 Kilometer gefahren sind. Allerdings gilt: Für jedes Auto gibt es die Prämie nur einmal.

Wie wird die Umweltprämie bisher angenommen?

Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gingen bis Ende Januar 2020 insgesamt 173 841 Anträge für die Umweltprämie ein. Davon entfielen 114 738 auf elektrische Fahrzeuge und 58 991 auf Plug-in-Hybride. Für Wasserstoffautos wurde nur in 112 Fällen der Umweltbonus beantragt.

Welche Hersteller profitieren bislang am meisten von der Prämie?

Die meisten Umweltbonus-Anträge gingen beim Bafa bislang für BMW-Modelle ein (26 664). Dahinter folgen Renault (21 998) und Volkswagen (21 158). Der US-Elektroautobauer Tesla liegt dagegen nur auf Platz acht (11 056 Anträge).

Gibt es noch zusätzliche Boni vom Staat?

Man bekommt einen kleinen Zuschuss für Autos, die mit einer akustischen Warnanlage ausgestattet werden. Damit macht das Elektroauto bei niedrigen Geschwindigkeiten Geräusche, um zum Beispiel blinde oder sehbehinderte Menschen zu warnen. Ein derartiges System ist für Modelle, die nach dem 1. Juli 2019 neu auf den Markt kamen, gesetzlich vorgeschrieben. Doch viele Elektroautos sind schon länger erhältlich und haben serienmäßig kein künstliches Fahrgeräusch an Bord. Wer sich nun die Warnanlage beim Kauf vom Hersteller oder einer Werkstatt nachrüsten lässt, bekommt dafür hundert Euro vom Staat dazu.

© SZ vom 20.02.2020/cku
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Im November wurde ein höherer Bonus für Elektroautos angekündigt. Passiert ist seitdem: nichts. Warum es rentabler sein könnte, mit dem Kauf eines umweltfreundlichen Fahrzeugs zu warten.   Von Markus Balser, Berlin, Björn Finke, Brüssel, und Christina Kunkel

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