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Triobike Boxter im Test:Seekrank auf dem Cargobike

Konzipiert für den Einsatz in der Stadt und auf festem Untergrund: das Triobike Boxter.

(Foto: Triobike)

Lastenfahrräder wie das Triobike Boxter sind besonders bei Familien beliebt und gelten wegen ihrer drei Räder als besonders fahrstabil. Doch das ist ein Trugschluss.

Von Felix Reek

Die ersten Meter auf dem Triobike Boxter fühlen sich an, als wäre das Rad samt Fahrer seekrank. Es schwankt nach links und rechts, jede Unebenheit auf der Straße reißt am Lenker, bei höherem Tempo wird es noch schlimmer. Mehr als 50 Kilometer in der Stunde soll der letzte Fahrer laut Tacho mit dem Triobike gefahren sein. Unvorstellbar. Bordsteine sind eine Herausforderung, ein kurzes Stück auf dem Feldweg und eine tiefe Rille von einem Traktor führen dazu, dass man abspringen muss, um nicht umzukippen. Der Grund findet sich in der Beschreibung: "Das Triobike ist nur für den Straßengebrauch vorgesehen. Nutzen Sie das Fahrrad nicht offroad oder in unwegsamen Gelände."

Das Boxter ist also ein reines Stadtrad. Vorne befindet sich eine große Kiste mit zwei Rädern und der Möglichkeit bis zu vier Kinder zu transportieren, hinten ein Rad und der Sattel für den Fahrer. Das Triobike ist eigentlich ein Dreirad. Das erweckt den Eindruck, es sei besonders stabil und mache es im Gegensatz zu den Longjohns mit ihren zwei Rädern unmöglich umzukippen - einer der Gründe, warum dieser Aufbau gerade bei Familien so beliebt ist. Das ist aber ein Trugschluss: In einer Kurve bewegt sich die komplette Kiste in die jeweilige Richtung, was dazu führt, dass die Geschwindigkeit besser nicht zu hoch sein sollte, weil im schlimmsten Fall die Kiste samt Fahrrad umkippen kann. Es hat durchaus einen Grund, warum sich dreirädrige Konzepte bei Autos nie durchgesetzt haben.

Der dänische Hersteller Triobike hat sich deshalb etwas überlegt, um diesem Effekt entgegenzuwirken. Die Vorderräder sind nicht gerade, sondern neigen sich leicht nach innen und der Rahmen lehnt sich ein paar Grad mit in die Kurve. Was den Seekrank-Effekt erklärt. Nur wie damit jetzt fahren? Nach dem Kombi-Bike Yuba Mundo und dem Longjohn Urban Arrow Family in der SZ-Testreihe, die einspurig sind und sich mehr oder weniger wie normale Fahrräder fahren, ist das Triobike eine erhebliche Umstellung. Anderthalb Stunden dauert die Fahrt vom Händler in München bis zum Wohnort und die gestaltet sich ziemlich wackelig. Die Lenkung ist so direkt, dass jede kleinste Bewegung das Boxter zur Seite schießen lässt. Hinzu kommt, dass ein Dreirad nicht wie ein Zweirad durch Gleichgewichtsverlagerung die Straßenneigung ausgleichen kann. Ist die Fahrbahn schief, rollt auch das Triobike samt Fahrer schräg.

Die Lenkbewegungen mit dem Körper ausgleichen

Besser wird es erst, als eine junge Mutter mit einem ähnlichen Lastenrad auf den Radweg abbiegt. Sie gleicht die Bewegungen der Kiste mit dem Körper aus und lehnt sich jeweils in die entgegengesetzte Richtung. Dadurch stabilisiert sich das Cargobike. Gar nicht so leicht für eine typisch steife mitteleuropäische Hüfte, aber ab da geht es besser. Triobike übrigens empfiehlt, sich mit dem Boxter in die Kurve zu legen - doch das führt im Test mit unbeladener Box dazu, dass mitunter das äußere Rad abhebt. Motorradfahrer kennen das Phänomen von einem Beiwagen. Und: Mit Kindern oder Gütern im Frontlader des Triobike fährt das Lastenrad deutlich stabiler und ruhiger.

So oder so: Der Respekt vor dem Triobike bleibt. Das Boxter zu fahren erfordert deutlich mehr Eingewöhnungszeit und Konzentration. Zwar verschwindet der Seekrank-Effekt nach einigen Tagen, die Ehefrau aber beispielsweise weigert sich nach zwei Versuchen vehement, das Rad zu nutzen. Die Kinder hingegen sind begeistert: So bequem wie im Triobike hatten sie es bisher in keinem der Cargobikes. Kein allmorgendliches Ellbogenrangeln und "Platz! Platz!"-Quengeln. Stattdessen gibt es genug Raum auf der Sitzbank, um ein Kuscheltier mitzunehmen. Den Eltern ermöglicht die riesige Kiste zudem noch, die Einkäufe unterzubringen. Wenn es mehr sein soll, lässt sich die Sitzbank hochklappen und das Ladevolumen erhöhen. Dann bietet die 71 Zentimeter breite und 101 Zentimeter lange Box aus PU-Schaum 280 Liter Stauraum. Das ist nur unwesentlich kleiner als der Kofferraum eines VW Golf, vom Boden bis zur Ablage gemessen.

Zum Schutz gegen Regen bietet Triobike die für Lastenräder obligatorische Verkleidung an, die die meiste Zeit sowieso an der Kiste befestigt bleibt. Die Front lässt sich nach hinten klappen, so dass Cabrio-Feeling aufkommt. Zudem beim Testrad an Bord: Riemen statt Kette, Scheibenbremsen von Tektro und der Brose S Mid Drive Elektromotor, der 250 Watt leistet. In dieser Konfiguration kostet das Boxter 6650 Euro (Basispreis: 5390 Euro).

Gesamteindruck: zwiespältig

Trotzdem bleibt der Gesamteindruck des Triobike Boxter zwiespältig. Verarbeitung und Design sind großartig und wer sich erstmals an die Fahrweise gewöhnt hat, lernt schnell die Vorteile zu schätzen, die diese Art von Lastenrad bietet. An der Ampel kann der Fahrer einfach sitzen bleiben. Die Kinder fläzen vor dem Fahrer, so dass die Kommunikation leichter fällt. Der Stauraum ist unschlagbar. Doch wenn es um die Fahreigenschaften geht, kann das Triobike nicht mit einem Lastenrad im Longjohn-Stil mithalten.

Hinweis der Redaktion

Ein Teil der im "Mobilen Leben" vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

© SZ vom 26.09.2020

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