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Faktencheck:Ein Tempolimit verbessert die CO₂-Belastung durch Autos nur minimal

Unstrittig ist, dass ab einer Geschwindigkeit von 100 km/h auf Autobahnen der Verbrauch und der CO₂-Ausstoß stark ansteigen. Bei einer konstanten Fahrt von 200 km/h ist der Energieverbrauch doppelt so hoch wie bei 130 km/h. Die letzte Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA) dazu stammt allerdings von 1999. Anhand von Daten aus dem Jahr 1996 wurden die Auswirkungen eines Tempolimits von 120 km/h berechnet. Das Ergebnis: Hielten sich 80 Prozent der Autofahrer daran, würde die CO₂-Emissionen um neun Prozent und die NOₓ-Emissionen um 16 Prozent sinken. Rechnet man dieses Ergebnis auf den gesamten Straßenverkehr hoch, sinken die CO₂-Emissionen allerdings nur um zwei Prozent (Stand 1999). Aktuellere Daten gibt es von der Denkfabrik Agora Verkehrswende. Diese kommt zu dem Schluss, dass ein Tempolimit von 130 auf Autobahnen ab dem Jahr 2020 die Kohlendioxid-Emissionen des gesamten Autoverkehrs in Deutschland um 1,1 bis 1,6 Prozent senken würde - das entspricht mehr als einer Million Tonnen CO₂. Da das Umweltbundesamt diese nicht geprüft hat, kann es die Abschätzung von Agora Verkehrswende nicht offiziell bestätigen.

Deutsche Autobahnen sind die sichersten Straßen in unserem Land

Generell ist die Anzahl von tödlichen Unfällen über die Jahrzehnte gravierend gesunken - bei steigendem Verkehrsaufkommen. 1970 starben laut Statistischem Bundesamt 21 332 Menschen auf deutschen Straßen, 2017 nur noch 3180 Personen. Die Gründe hierfür reichen von verbesserten Fahrzeugen, niedrigeren Promillegrenzen bis hin zur Durchsetzung von Helm-, Gurt- und Kindersitzpflicht sowie Tempo 100 auf Landstraßen. Letztere sind immer noch der Spitzenreiter, wenn es um verunglückte Verkehrsteilnehmer geht. 1795 Menschen starben 2017 auf Landstraßen. Autobahnen hingegen sind die sichersten deutschen Straßen, wenn es um die gefahrenen Kilometer geht. Obwohl 2017 dort ein Drittel aller Kraftfahrtkilometer zurückgelegt werden, starben nur 12,9 Prozent der Verkehrstoten auf Autobahnen, auf Landstraßen waren es 52,5 Prozent.

Für Verkehrsforscher Bernhard Schlag keine Überraschung: "Sie haben einen Teil der Probleme, die unfallträchtig sind, dort gar nicht. Keine Radfahrer, keine Fußgänger, keinen Kreuzungsverkehr, kaum direkten Gegenverkehr. Insofern wundert es nicht, dass die Autobahnen relativ sichere Straßen sind." Allerdings enden die Unfälle dort besonders oft tödlich. 409 Menschen starben 2017 auf Autobahnen, 44,3 Prozent (181) von ihnen wegen zu hoher Geschwindigkeit. In der Faktensammlung "Wirkungen eines Tempolimits von 130 km/h auf Autobahnen" für den Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) finden sich außerdem Daten, wie viele davon auf Abschnitte mit und ohne Tempolimit entfallen: Die Anzahl der tödlich Verunglückten ist auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen 2011 und 2016 deutlich höher (2016: 283 versus 110).

Auch die Getöteten bei Geschwindigkeitsdelikten auf freien Strecken lag in fast allen Jahren höher - hier ist der Abstand allerdings wesentlich geringer. 2016 waren es laut BASt 15,6 Verkehrstote pro 1000 Kilometer Autobahn auf unbegrenzten Abschnitten versus 14,4 tödlich Verunglückte auf Strecken mit Tempolimit. Vorher-Nachher-Versuche in Deutschland, Schweden, Belgien, USA und Kanada zeigen aber, dass auf allen Versuchsstrecken, wo das Tempo gesenkt wurde, auch die Zahl der Unfälle sank. Erhöhte sich das Tempo im Vergleich zu vorher, stieg die Anzahl der Unfälle mit Personenschaden.

In Ländern mit einem Tempolimit auf Autobahnen sterben mehr Verkehrsteilnehmer

Ja und nein, müsste hier die korrekte Antwort lauten. Deutschland liegt als einziges Land ohne generelles Tempolimit im europäischen Vergleich im Mittelfeld - auf Platz acht. 1,9 Menschen sterben laut dem European Transport Safety Council pro eine Milliarde Fahrzeugkilometer auf unseren Autobahnen. Am wenigsten sind es in Dänemark (0,8 Tote pro eine Milliarde Kilometer).

Eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung schadet der deutschen Autoindustrie

Die deutschen Hersteller sind berühmt für ihre großen Motoren, für luxuriöse Limousinen, schnelle Sportwagen und wuchtige SUVs. Nur, wer soll die kaufen, wenn sie nirgendwo ausgefahren werden können? So die Befürchtung. Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft (IfA) gibt Entwarnung: "Ich sehe keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen einem möglichen Tempolimit und dem befürchteten Einbruch von Absatzzahlen der Automobilindustrie. In den USA beispielsweise gilt auf vielen Interstates ein Tempolimit zwischen 70-75 mph, also 112-120 km/h. Dennoch sind die Fahrzeuge deutscher Premium-Hersteller sehr präsent. Auch dort werden Porsche gekauft, die über 300 km/h fahren könnten, die aber im Realbetrieb niemand ausfahren kann."

Ein Verkehrsleitsystem wäre die bessere Alternative

Tatsächlich sind Verkehrsleitsysteme eine gute Idee, argumentiert das Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Sie werden aber vor allem dort eingesetzt, wo viel Verkehr herrscht. Sie ließen sich natürlich auch mit verschiedenen Maximalgeschwindigkeiten verwenden, ihre Wirkung wäre bei diesem Einsatz nicht besser oder schlechter. Für die Vermeidung eines Tempolimits sind sie laut DLR unerheblich, weil sie ihre Wirkung nur bei kleineren Geschwindigkeiten zur Vermeidung von Staus entfalten.

Summa Summarum Gut gemacht, Volvo! Video

Tempolimit im Auto

Gut gemacht, Volvo!

Normalerweise warten immer alle, bis der Staat Dinge regelt. Volvo macht es einfach und führt bei seinen Autos ein Tempolimit ein. Das ist zeitgemäß und könnte ein gutes Vorbild sein für BMW, Daimler und Co.