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Schiffsbau:Ein zweites Leben

Altes Handwerk, das Holz von mehr als 1000 Eichen und moderne Technik prägen den Nachbau des 1745 gesunkenen Dreimasters "Göteborg". Mit Video.

Mit seiner imposanten Statur von 1,90 Meter und dem Vollbart entspricht Bengt-Göran Nilsson dem klassischen Bild des Seebären. Bis vor kurzem war der 65-jährige Schwede noch bei der Reederei Scandlines als Schiffsingenieur für den Antrieb der bis zu 42.000 Tonnen großen Fracht- und Fährschiffen in der Ostsee zuständig; bis zu zehn Mann arbeiten in den Maschinenräumen der so genannten RoPax-Fähren, die Fracht und Passagiere befördern. Jetzt gilt Nilssons Augenmerk den hochmodernen Bordaggregaten und den zwei jeweils 550 PS starken Volvo-Aggregaten, die an Bord der nach historischem Vorbild sorgsam rekonstruierten Göteborg arbeiten.

"Eigentlich haben wir hier zwei Schiffe in einem", erklärt Nilsson. Denn die historische Hülle täuscht darüber hinweg, dass im Innern modernste Gerätschaften wie elektronische Navigationssysteme, Radar oder Satellitenfunk zum Einsatz kommen.

(Foto: Foto: Koch)

Mehr als 1000 Eichen waren nötig

Auf der Steuerbordseite stapft Nilsson die Gangway zu dem Kauffahrer empor - so als gelte es, ein zweites Mal die Ostindien-Kompanie zu gründen. Tatsächlich rüstete die Gesellschaft, die nach niederländischem Vorbild den Handel mit dem Fernen Osten vorantrieb, zwischen 1731 und 1806 nicht weniger als 132 Expeditionen nach China aus.

Im Jahr 1738 lief das Original der Göteborg, samt Bugspriet 58 Meter lang, vom Stapel; zwischen Januar 1742 und September 1745 unternahm der Segler drei Fahrten ins chinesische Guangzhou. Am 11. Januar 1745 schließlich begann die Göteborg, beladen mit 700 Tonnen chinesischen Waren beladen, ihre Heimreise.

Als sie sich nach dem acht Monate dauernerden Törn ihrem Heimathafen Göteborg näherte, lief sie auf ein Riff - vor den Augen der vielen Menschen, die sich zum Empfang an der Pier versammelt hatten, sank der Dreimaster in Sichtweite der Kaimauer. Kurz darauf wurden Teile der Fracht, darunter 3000 Porzellanstücke und einige Tonnen Tee, geborgen und meistbietend versteigert. Leider überlebte auch einiges an Ungeziefer, das sich kurzerhand über die Hafenstadt hermachte.

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