bedeckt München 14°

Rolls-Royce Ghost:Geisterstunde

In wirtschaftlich schweren Zeiten heißt es für Jedermann sparen - das hat sich sogar bis zu Rolls-Royce herumgesprochen. Deshalb gibt es den neuen Ghost bereits ab einer Viertel Million Euro.

Stefan Grundhoff

Im Vergleich zum übermächtigen Bruder, dem 5,84 Meter langen Königsmobil Rolls-Royce Phantom, ist der Ghost ein wahres Sparmobil. Mit einem Einstiegspreis von 253.470 Euro spart der wohl betuchte Kunde nicht nur bei der Anschaffung ein stattliches Sümmchen, sondern auch durch das Wegrationalisieren des Chauffeurs. Denn wohl zum ersten Mal in der bewegten Rolls-Royce-Geschichte wurde ein Konzernprodukt für Selbstfahrer konzipiert. Gerade deshalb hoffen die bayrischen Briten mit dem guten Geist mehr als gewohnt bei der Nobelkonkurrenz räubern zu können.

Wer sich bisher gerne in einem Mercedes S 65 AMG oder einem Bentley Arnage vortrefflich gebettet sah, soll künftig durchaus zu Rolls-Royce schielen. Damit die Kunden in wirtschaftlich schweren Zeiten in Scharen kommen, hat sich der Ghost einen eindrucksvollen Automobil-Paten ins Entwicklungsbett geholt. Große Teile der Ghost-Technik stammen aus dem Hause BMW und sind im aktuellen 7er BMW verbaut.

Selbstredend werden die Rolls-Royce-Verantwortlichen nicht müde, den geringen Teil der technischen Gemeinsamkeiten zu unterstreichen. Schließlich will ein Kunde, der mehr als 250.000 Euro für den durchlauchten Edel-Briten ausgibt, nicht mit einem schnöden Geschäftsführer in eine Schublade gesteckt werden, der sich von seinem 5er Touring mühsam in die imageträchtige 7er-Liga aufgeschwungen hat.

Doch alle Dementis verpuffen und schließlich ist es keine Schande, sich mächtig bei einer der besten Limousinen der Welt bedient zu haben. Antrieb, Lenkung, Achtgang-Automatik, Fahrerassistenz- und Sicherheitssysteme kennt man bestens aus dem 760er BMW. Das aufgrund des britischen Klassenbewusstseins nochmals mächtig nachgelegt wurde, merkt man nicht nur an den unterschiedlichen Produktionszeiten.

Während ein komplett ausstaffierter Edel-Bayer im Werk Dingolfing nach rund zwei Tagen fix und fertig von Band läuft, geht die Manufaktur im südbritischen Goodwood in rund drei Wochen deutlich betulicher zu Werke, ehe der Ghost im Glanze seines Edellackes unter freiem Himmel erstrahlt.

Der Rolls-Royce Ghost ist mehr als eine imposante Erscheinung. Kein Gedanke daran, dass er am güldenen Thron des Prunkmodells Phantom kratzen würde - aber mit einem Maybach 57 S kann er es nicht nur wegen seines eindrucksvollen Designs allemal aufnehmen. "Es ist eine Limousine, die einen anderen Auftritt und einen jüngeren Esprit hat, als man es bisher von einem Rolls-Royce gewohnt war", erklärt Chefdesigner Ian Cameron.

Das augenfälligste Merkmal, in dem sich der Bug der 5,4 Meter langen Luxuslimousine von den bulligen Fronten seiner Adelsgenossen unterscheidet, sind die unterschiedlich geformten Scheinwerfer und der Kühlergrill. "Wir haben den Stil des Grills weniger an einen traditionellen Säulentempel, sondern etwas mehr an den Lufteinlass eines Flugzeugtriebwerks angelehnt", malt Cameron weiter aus, "Einfachheit ist das am schwersten umzusetzende Designmerkmal."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema