Roboterautos in Städten Wie fahren wir morgen?

Fahren wir morgen also mit solchen Ruf-Gondeln durch die City, die per Mobilfunk-App aktiviert werden? Wohl nur in einigen (Innen-)Städten, denn der Transportbedarf gerade in amerikanischen Metropolen sieht meist anders aus: Bis zum Jahr 2025 werden die USA 75 Megacitys haben, davon 29 mit mehr als zehn Millionen Einwohnern - die Gesamtzahl bedeutet fast eine Verfünffachung gegenüber 1970. Gerade in den USA sind die sogenannten Megacitys längst keine klassischen Städte mehr, sondern ausufernde Konglomerate aus Vororten, Schlafstädten und zwölfspurigen Pendlerautobahnen. Mehr als 80 Prozent der Amerikaner leben in solchen Mega-Suburbs, die mit durchschnittlich rund 1000 Einwohnern pro Quadratkilometer vergleichsweise dünn besiedelt sind - London kommt auf die sechsfache Bevölkerungsdichte.

Selbst Kaliforniens 15-Millionen-Metropole Los Angeles besitzt nur an den wenigsten Punkten so etwas wie eine Skyline. Der größte Teil des rund 6000 Quadratmeter weiten Stadtgebildes sieht erstaunlich kleinstädtisch aus. Dass der öffentliche Nahverkehr in einem derart zersiedelten Gebiet kaum eine Chance hat, versteht sich von selbst. 96 Prozent des motorisierten Landverkehrs legen die Amerikaner im Auto zurück. Bei Pendelzeiten von mehr als zwei Stunden pro Tag wird das Auto also vom Transportmittel zum privaten Lebensraum auf der Straße.

In einer Mercedes-Umfrage sagt ein Teilnehmer: "Wir verbringen allein schon 45 Minuten pro Tag für das Pendeln zur Kindertagesstätte und wieder zurück. Wir sehen das als Teil unserer Familienzeit und reden darüber, wie der Tag lief, hören Musik, essen etwas, spielen oder plaudern mit Großmutter am Telefon - unser Auto ist also auch ein kleines Zuhause." Warum sich der Autohersteller - wie so viele andere auch - für solche Familiengeschichten interessiert? Weil mit der zunehmenden Verstädterung auch die Wegstrecken zunehmen werden.

Autonomes Fahren Schneller als das Recht
Selbstfahrende Autos

Schneller als das Recht

Autos werden intelligenter und zunehmend miteinander vernetzt. Doch wie mit den dabei erhobenen Daten umgegangen werden soll, überfordert die Gesetze. Rechtsexperten fürchten schon eine Totalüberwachung.   Von Thomas Fromm

Megastaus dürften zur globalen Selbstverständlichkeit werden

Studien des International Transport Forum der OECD erwarten, dass die globale Fahrleistung bis 2050 zwischen 117 und 233 Prozent steigen wird. Was wir heute schon an Megastaus in Chinas Städten erleben, dürfte zur globalen Selbstverständlichkeit werden. "In Megacitys halten Staus die Menschen bis zu einem Monat pro Jahr in ihren Autos gefangen. Hinzu kommt noch die Parkplatzsuche, die zwei weitere Wochen in jedem Jahr kostet", sagte Audi-Chef Rupert Stadler bei der Verleihung des Audi Urban Future Awards 2014 und stellte die Frage: "Wie können wir individuelle Mobilität in einer Weise neu erfinden, dass Autos positiv zur Stadtentwicklung beitragen?"

Die (lukrative) Antwort liegt für Marken wie Audi, BMW und Mercedes in individualisierten Roboterautos: "Autonomes Fahren und autonomes Parken verbessern nicht nur unsere Lebensqualität, sondern auch die Sicherheit in unseren Städten", jubelt Rupert Stadler, "schon in naher Zukunft muss der Fahrer nicht mehr die ganze Zeit die Hände am Lenkrad haben." Weil teilautomatisiertes Fahren eine komplexe Fusion verschiedenster Echtzeitdaten voraussetzt, werden zunächst nur hochpreisige Fahrzeuge mit dem Autopiloten angeboten. Die deutschen Hersteller spulen mit ihren Testfahrzeugen schon eifrig Kilometer an der Westküste der USA ab.

Obwohl sich die Forschungsautos auf der Straße nicht immer ganz sicher verorten können, wird Mercedes auf der Messe CES in Las Vegas in wenigen Wochen ein futuristisches Konzeptfahrzeug mit drehbaren Frontsitzen vorstellen - damit die Familienidylle beim Pendeln im Auto noch inniger wird. Am hohen Verkehrsaufkommen wird das aber auch nichts ändern.