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Mini und die Zukunft:Mini muss ein Elektrofahrzeug anbieten

Peter Schwarzenbauer ist vorsichtig optimistisch. "Wenn die Studie so gut ankommt wie erhofft, werden wir über den nächsten Schritt nachdenken. Unabhängig vom Superleggera steht es für mich außer Zweifel, dass Mini als urbane Marke in nicht allzu ferner Zukunft ein Elektrofahrzeug anbieten muss. Ich bin in diesem Zusammenhang übrigens zuversichtlich, dass die Entwicklung kleinerer, leichterer und stärkerer Batterien schneller voranschreitet als allgemein erwartet."

In diesem Fall könnte Mini neben dem gesetzten Countryman II Plug-in-Hybrid und dem Superleggera mittelfristig ein elektrisch angetriebenes Stadtauto auf den Markt bringen - vielleicht sogar in Form des viel zitierten ultrakompakten Mini-Mini. BMW hat zwar den angedachten i1 und den kleinen Joy wieder verworfen, doch wenn sich die kostenseitig optimierte nächste Evolutionsstufe von Project i entsprechend breiter ausrollen lässt, stünden beiden Marken neue Optionen offen. Ein echter Mini E ohne die Packageing-Kompromisse der ersten Serie erscheint schon deshalb unabdingbar, weil spätestens 2020 in vielen Städten das elektrische Fahren zur Pflicht werden dürfte.

"Der Kunde verlangt diese Flexibilität, und er wird sie bekommen"

Es gibt zwar noch keine offizielle Bestätigung für das neue Mini Cabrio, doch diverse Erlkönigfotos lassen kaum Zweifel daran, dass schon 2015 der Nachfolger des offenen Viersitzers zu den Händlern rollen wird. Ganz sicher bleibt der vom Markenvorstand als Superheld geadelte Countryman im Programm. Es könnte allerdings sein, dass sich der nächste Mini Softroader stärker in Richtung SUV verändert - schließlich glänzt genau dieses Segment seit Jahren mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Obwohl die Länge von 4,10 auf 4,30 Meter zunehmen soll, bleibt der Countryman II der kleinste kompakte Premium-Crossover. Ein weiterer fix eingeplanter Mini-Neuzugang hat intern viele Namen: Minivan, MAT (Multi-Activity Tourer), Roomba, Minibus. Der kultig gestylte Bus ist ein vergleichsweise langer und flacher Kurzhauber mit variablem Innenraum, innovativem Türkonzept und optionalem Allradantrieb. So wie sich der nächste Countryman die Erbanlagen mit dem X1-Nachfolger teilt, so ist der längere Zweier Grand Tourer die genetische Entsprechung des Minibus. "Die neue Mini-Generation deckt eine Bandbreite von ungefähr 3700 bis knapp 4500 Millimeter Außenlänge ab", verrät Vorstand Schwarzenbauer. "Der Kunde verlangt diese Flexibilität, und er wird sie bekommen."

Der Mini III beweist, dass BMW seine Hausaufgaben gemacht und die Plattform in allen wesentlichen Elementen weiterentwickelt hat. Noch kennen wir allerdings nur den Fronttriebler, und noch wissen wir nicht, wie sich die beiden Marken fahrdynamisch voneinander abgrenzen. Differenziert wird natürlich auch über Motoren und Getriebe. Mini muss mit der alten Sechsgangautomatik vorlieb nehmen, BMW bekommt den Achtgang-Selbstschalter von ZF. Eine Doppelkupplungs-Option ist allerdings in Arbeit.

"Die Kunst besteht darin, die alte Technologie geordnet herunterzufahren"

Mini hat mehr Dreizylinder im Programm als BMW, bleibt aber bei den stärkeren Modellen dem Vierzylinder treu. Die neuen, besonders sparsamen Kurzhuber - der 1,2-Liter-Dreizylinder und der 1,6-Liter-Vierzylinder - dürften vor allem im Zeichen der vier Buchstaben Furore machen. Vernetzt werden die UKL-Derivate übrigens nicht nur in Bezug auf Antrieb und Fahrwerk, auch die evolutionsfähige Elektronikplattform kann modell- und markenübergreifend eingesetzt werden. Bei Batterien, E-Motoren und Leistungselektronik bieten sich Querverbindungen zum Project i an. "Die Kunst besteht darin, die alte Technologie geordnet herunterzufahren und die neue Technik sukzessive hochzufahren," sagt BMW-Chef Reithofer. "Dieser Prozess kann schnell gehen - oder sich über 20 Jahre hinziehen."

Natürlich ist der Superleggera ein lustiges Auto mit Haben-Wollen-Effekt: gelungenes Design, tolle Ausstrahlung, viel Fahrspaß, mit geschätzt 35 000 Euro noch bezahlbar. Doch mindestens so nachhaltig wie die emotionale Kernbotschaft ist das Innenleben mit seiner breit gefächerten Varianz. Unter der Karosserie verbirgt sich nämlich die Schnittstelle der Mini- und BMW-Welt mit Elementen von Project i. Klar, Audi verfolgt mit seinen MQB-Derivaten inklusive E-quattro und E-tron ähnliche Ziele, und auch Mercedes will die MFA2-Architektur des A-/B-Klasse-Nachfolgers grün einfärben. Doch die Vielfalt der UKL-Spielarten, der Vorsprung in Bezug auf Zeitplan und Inhalte, die durchgängige Premiumpositionierung und das rasch wachsende Stückzahlgerüst lassen die Strategie der Münchner in einem besonders positiven Licht erscheinen. Wenn BMW so weitermacht, könnte es - Mini sei Dank - sogar gelingen, bis 2030 den Produkten ein durchgängig CO₂-neutrales Zeugnis auszustellen.

© SZ vom 07.06.2014/reek

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