Mini Electric Viel Show um wenig Reichweite

Die stylischen Felgen wurden bei der Präsentation gern fotografiert.

(Foto: Mini)

Sechs Jahre nach dem i3 präsentiert BMW den Mini Electric. Die Reichweite ist eher mau, der Preis happig. Aber der Lifestyle-Faktor ist hoch.

Von Peter Fahrenholz

Die Autoindustrie hat bei der Präsentation ihrer Produkte schon immer gerne geklotzt. Auf Automessen werden die Pressekonferenzen so dröhnend inszeniert, als werde jetzt ein neues Weltwunder verkündet, beflissene Mitarbeiter sorgen mit Sprühfläschchen und Staubwedeln dafür, das kein Fingerabdruck das Blech verunziert, und zwischen den Autos stehen statuengleich leicht bekleidete junge Frauen als zusätzlicher Blickfang, immer noch. Auch Fahrpräsentationen, bei denen neue Modelle den Medien vorgestellt werden, finden gern in angenehmen Ambiente unter südlicher Sonne statt.

Richtete sich bis vor kurzem der ganze Aufwand, der getrieben wurde, im weitesten Sinne an Petrolheads aller Art, versucht die Autoindustrie zunehmend, ihre Produkte als Lifestyleobjekte zu inszenieren. Da geht es dann weniger um Leistungsdaten und irgendwelche technische Finessen. Sondern darum, den Haben-wollen-Reflex wachzukitzeln und ihn im System der sozialen Netzwerke weiterzuverbreiten, in dem immer mehr potenzielle Kunden ihr Leben verbringen. So deutlich wie bei der Präsentation des neuen Mini electric in dieser Woche in Rotterdam war das noch nie zu beobachten. Heerscharen von Bloggern und Influencern, deren hauptsächliches und oft auch einziges Arbeitsinstrument das eigene Handy ist, umschwirrten die zwei E-Minis, meistfotografiertes Detail waren die stylischen, asymmetrischen Felgen des neuen Spaßmobils.

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Bei Mini zahlt der Kunde auch für das hippe Image der Marke. Im Vergleich mit dem Audi A1 und dem Seat Ibiza Beats sieht der einstige Trendsetter aber alt aus.

Sechs Jahre nach dem i 3 hat BMW, zu dessen Reich auch die Marke Mini gehört, wieder ein Batterieauto auf den Markt gebracht. Das ist eine lange Zeit, offenbar so lang, dass auch die Mini-Werbetexter die eigene Geschichte vergessen haben. Denn im Pressetext heißt es, der neue E-Mini sei der "erste Kleinwagen im Premium-Segment mit rein elektrischen Antrieb". Ganz so, als würde es den i 3 gar nicht geben.

Die maue Reichweite kann ein Problem werden

Der Mini, der im Laufe seiner Evolution inzwischen gar nicht mehr so mini ist, war immer schon eher ein trendiges und ziemlich teures Spaßauto. BMW hat den Zeitgeist damit lange ziemlich gut getroffen und mit den coolen Farbkombinationen einen Trend gesetzt, dem auch andere Hersteller gefolgt sind. Insofern ist es vermutlich folgerichtig, auch beim neuen E-Mini den Lifestylefaktor zu betonen. Ein agiles Auto für die urbane Mobilität von heute und morgen, so lässt sich die Botschaft zusammenfassen.

Diese Botschaft verdeckt, dass der E-Mini, allen optischen Gimmicks zum Trotz (und die Felgen sind nur eines davon) keine Neuschöpfung für ein neues Elektrozeitalter ist, sondern ein Auto, dessen bestehende Architektur so gut es eben geht an die Anforderungen der E-Mobilität angepasst wurde. Dazu gehört vor allem genug Platz für die Batterie. Und das bedingt Grenzen, die sich rasch als Nachteil erweisen können. Um die Batterie unterzubringen, ist der E-Mini, den es nur als dreitürige Cooper-Variante geben wird, 18 Millimeter höher als sein Verbrennerbruder. Noch mehr hätte das gern beschworene Gokart-Feeling des Mini konterkariert. Das hat aber zur Folge, dass die 32,6-kWh-Batterie nur für eine Reichweite zwischen 235 und 270 Kilometer gut ist. Da haben Konkurrenten vergleichbarer Größe mehr zu bieten. Und weil auch der urbane Hipster gern mal einen Tagesausflug macht, ist die maue Kapazität ein Problem. Vor allem, wenn im Sommer die Klimaanlage und im Winter die Heizung Reichweite kosten und keine Schnellladesäule in Sicht ist, an der sich der Akku in 35 Minuten wieder auf 80 Prozent laden lässt.

Die zweite Hürde, die den E-Mini zu einem Nischendasein verurteilen könnte, ist der Preis. Er beginnt bei 32 500 Euro und wenn man die höchste der vier Ausstattungslinien wählt, landet man jenseits der 40 000-Euro-Marke. Das ist happig für einen Kleinwagen. Die Mini-Verantwortlichen sind trotzdem optimistisch, dass sich genügend Kunden finden, denen der Lifestyle-Faktor so viel Geld wert ist. Im November beginnt die Produktion des E-Mini in Oxford. Ein erster Fahrbericht folgt in Kürze.

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