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Mini John Cooper Works GP im Test:Proll für Liebhaber

Mini John Cooper Works GP. Copyright Mini

Rote Dachkante, Rallyestreifen und Kotflügel-Verbreiterungen aus Carbon: der Mini John Cooper Works GP.

(Foto: Mini)

Mit 306 PS ist der GP der schnellste Serien-Mini aller Zeiten. Das Haudegen-Outfit aus Rallyestreifen und Spoilern muss man allerdings mögen.

Im Netz gibt es ihn noch, allerdings nicht mehr zum Listenpreis von 45 000 Euro. Beim Händler war das einheitlich metallicgraue Knallbonbon schon nach wenigen Tagen ausverkauft. Warum wir uns den Spaß trotzdem gegönnt haben? Weil die aktuellste GP-Version zeigt, dass die DNA der in England gefertigten Kurzware noch lange nicht ausgereizt ist. Im Gegenteil: Obwohl ab 2022 in China ein völlig neuer Elektro-Mini vom Band laufen und eines Tages das Ur-Modell ablösen wird, behalten die Mehrtürer ihre europäische Abstammungsurkunde, wenn ein Jahr später die ersten Modelle auf die BMW 1er-Plattform umgestellt werden. Doch zunächst ist die dritte Generation des GP das unumstrittene Glanzstück der Palette.

Der Motor stammt zwar aus dem BMW M235i xDrive, aber die 450Nm werden im Mini ausschließlich über die Vorderräder in Vortrieb umgesetzt. Das klappt ganz gut - bis man das Stabilitätsprogramm außer Dienst setzt, es zu regnen beginnt oder der innere Schweinehund zum Tanz bittet. Ohne Regelelektronik und Eigenverantwortung schlägt in den rundum aufgebrezelten Dreitürer nämlich prompt der Blitz ein - standesgemäß begleitet vom Doppelrohr-Auspuffdonner, der von den hauseigenen Schnellermachern der John Cooper Works-Abteilung dicht an der zulässigen Dezibel-Kammlinie entlangkomponiert wurde. Sicherlich nicht jedermanns Sache, man kennt das ja von Motorrädern.

Auch das serienmäßige Haudegen-Outfit muss man mögen. Dass kaum ein Mini das Werk ohne Rallyestreifen und Zweifarblack verlässt, ist seit jeher Teil des Gesamtkunstwerks. Aber die Kotflügelverbreiterungen aus recyceltem Matt-Karbon und das innen rot lackierte doppelflügelige Luftleitwerk an der hinteren Dachkante machen den GP zum Proll und den Fahrer zum Geck. Egal - die Mini-Gemeinde mag es genau so und nicht anders, und sie liebt gewiss auch das leicht krawallige Interieur mit der versteifenden knallroten Querstrebe hinter den tadellosen Sitzen und dem sportiven Cockpit, aus dem sofort die Tankanzeige ins Auge sticht, die schon nach 205 Kilometer auf Reserve steht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der Mini GP zielt auf Kunden, die für den Ritt auf der 1255 Kilo leichten Kanonenkugel auch zweistellige Verbrauchswerte in Kauf nehmen. Wer es darauf anlegt, kann in 5,2 Sekunden von 0 auf 100km/h brettern und sich die nach langem Anlauf digital angezeigte Höchstgeschwindigkeit von 280km/h auf die Festplatte der Erinnerung kopieren. Klar, Vernunft geht anders. Aber ein M2, A 45, RS 3 und jeder Porsche treiben es noch viel bunter.

Kleine Dramen in Autobahnkurven

Während der BMW M 235i vor allem bei hohem Tempo eine fahrerische Herausforderung darstellt, wirkt der 306 PS starke Mini GP in jeder Art von Grenzbereich mehr oder weniger übermotiviert. Da tritt beim zackigen Einlenken schon mal der Hinterwagen nach, da provoziert plötzliches Lupfen trotz DSC gelegentlich fiese Lastwechsel-Kicks, und da spielen sich in schnellen Autobahnkurven kleine Dramen entlang der Hoch- und Längsachse ab.

Diese radikale Schwarz-weiß-Abstimmung verdankt der GP-Kunde nicht nur den härteren Dämpfern, steiferen Federn und der unnachgiebigeren Anbindung des Fahrwerks an die Karosserie. Der vor allem bei Nässe schmale Grat zwischen Sein und Nichtsein wird auch von den am Testwagen aufgezogenen Hankook-Semislicks mitverantwortet, die nicht ab Werk, sondern nur als Nachrüstware verfügbar sind. In Kombination mit der serienmäßigen Differenzialsperre generieren die Korea-Gummis fast so viel Traktion wie ein Allradantrieb, verschieben den Kurvengrip in surreale Sphären und optimieren die Straßenlage durch einen gefühlten Cocktail aus Sekundenkleber, Baumharz und Lakritz. Leider fällt der Schlagbaum an der Grenze zur begrenzten Haftung ausgesprochen unvermittelt, was nicht nur an der kompromisslosen Reifenmischung liegt, sondern auch an der knochentrockenen Fahrwerksauslegung, die Geschmeidigkeit nur vom Hörensagen kennt.

Auch der dritte Mini GP ist bereits wieder Geschichte. Im Museum parkt er ganz rechts außen, direkt neben dem X-Raid von der letzten Dakar-Rallye. Am gegenüberliegenden Ende der Ruhmeshalle steht das andere Extrem, der noble Mini Goodwood mit Lack und Leder von Rolls-Royce. Zumindest Marken-Fans hoffen in beiden Fällen auf ein Encore.

Hinweis der Redaktion:

Ein Teil der vorgestellten Produkte wurde der Redaktion von den Herstellern zu Testzwecken zur Verfügung gestellt und/oder auf Reisen präsentiert, zu denen Journalisten eingeladen wurden.

© SZ vom 27.06.2020/reek
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