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Mercedes SLS AMG:Kein Retro-Design, sondern eine moderne Interpretation der Markengene

Wer heute "Flügeltürer" sagt, meint das klassische 300 SL-Coupé aus den fünfziger Jahren. Friedrich Geiger hatte es gestaltet, abgeleitet vom Rennsportwagen, mit einem Gitterrohrrahmen, über dem sich lang ausgeprägte Kotflügel spannten und eine ebensolche Haube, auf der sich in Längsrichtung zwei Wölbungen erhoben - lange bevor man das Wort Powerdome kannte. Charakteristisch war außerdem die schmale, stark eingezogene und weit hinten sitzende Kabine, in der modernen Designersprache Greenhouse genannt. Die seitlichen Flächen wurden bestimmt von den lang laufenden Sicken über den Radhäusern und, fast noch stärker, von riesigen Luftschächten in den vorderen Flanken. Vollendet schloss das Ganze mit einem kurz abfallenden, rund gezogenen Heck.

Junge Kraft: Gorden Wagener, Jahrgang 1968 und seit 2008 Mercedes-Designchef, ist Deutscher, trotz seines englisch klingenden Namens.

(Foto: Foto: oh)

"Es war von Beginn des Projekts an klar, dass der neue Flügeltüren bekommen sollte", erinnert sich Wagener. 2005 war das und noch etwas stand fest: "Wir wollten kein Retro-Design, sondern eine moderne Interpretation der Markengene." Folgerichtig finden sich beim SLS außer den nach oben öffnenden Türen auch der beherrschende, steil stehende Kühlergrill mit großem Stern und seitlichen Lufteinlässen wieder. Wie beim Vorbild sitzt die Kabine weit hinten, darunter fallen die ausgeprägte Schulter und volle seitliche Flächen (Wagener: "sehr sinnlich und schön") mit maßvoll betonten Radausschnitten ins Auge.

Wagener, Jahrgang 1968 und seit 1995 bei Mercedes, leitete zuletzt den Bereich Advanced Design. Mitte 2008 folgte er Peter Pfeiffer als Designchef von Mercedes. Keine leichte Aufgabe, zumal in einer Zeit grundlegender Prämissenwechsel und dem damit einhergehenden Zwang, auch noch für die kleinste Marktnische attraktive Produkte anzubieten. Außerdem gilt es, legendäre Vorgänger zumindest zu erreichen, womöglich noch zu übertreffen. Bis heute halten viele die in den Jahren 1975 bis 1999 von Bruno Sacco verantwortete Formgebung für die Blütezeit der Marke - mit klaren einfachen Formen, die Solidität und Luxus und gleichzeitig Innovation ausstrahlten. Das reichte von der unverändert attraktiven S-Klasse W 126 von 1979 bis zur E-Klasse mit dem Vier-Augen-Gesicht, die 1995 Designgeschichte schrieb.

Schon Sacco-Nachfolger Pfeiffer tat sich schwer, dieses in Form gegossene Selbstbewusstsein konsequent auf sämtliche Modellreihen und die vielen neuen Nischenprodukte zu übertragen. Fremd blieb beispielsweise bis heute die R-Klasse, kritisch kommentiert wurde aber auch die aktuelle S-Klasse mit ihren betonten Kotflügeln und irritierend blieb der Versuch, die Formensprache der Formel 1 auf die Front von Straßensportlern wie dem SLK zu übertragen.

Mercedes-Benz SLS AMG

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