Konsequenzen aus Manipulationsskandal:ADAC und Ex-Geschäftsführer streiten um Millionen

ADAC - Geschäftsfüher Karl Obermair

Der ADAC und sein ehemaliger Geschäftsführer Karl Obermair streiten um viel Geld.

(Foto: picture alliance / dpa)

Keine einvernehmliche Trennung: Der krisengeschüttelte ADAC und sein Ex-Geschäftsführer Karl Obermair streiten sich über eine Millionenabfindung. Damit liegt der Automobilclub nun schon mit zwei der Hauptfiguren des Manipulationsskandals im Clinch. Ein Rückschlag für den erhofften Neuanfang.

Von Bastian Obermayer und Uwe Ritzer

Es hakt mit dem Neuanfang beim ADAC, in dem krisengeschüttelten Automobilclub kehrt auch zweieinhalb Monate nach Bekanntwerden der Manipulationsaffäre beim Autopreis "Gelber Engel" keine Ruhe ein. Fünf Wochen nachdem der ADAC die einvernehmliche Trennung von seinem obersten Geschäftsführer Karl Obermair verkündet hat, und zwei Monate nachdem Medienchef Michael Ramstetter geschasst wurde, stellt sich heraus: So einfach wird der Verein die Schatten seiner Vergangenheit nicht los.

Dabei läuft die Neuausrichtung des Clubs längst, wie der ADAC immer wieder per Presseerklärung betont. Gerade wurde bekanntgegeben, dass die Reformgruppen ihre Arbeit aufgenommen hätten ("Reform für Vertrauen" heißt der Prozess intern). Zuvor war gemeldet worden, dass man weitere prominente Namen für den neu gegründeten Beirat gewonnen habe, der künftig das Präsidium beraten soll. Darunter ist die Deutschlandchefin von Transparency International, Edda Müller. Jetzt aber überlagern die Spannungen mit den ehemaligen Topmanagern des ADAC öffentlich alle Reformanstrengungen.

Ende Februar hatte der kommissarisch amtierende ADAC-Präsident August Markl öffentlich die Trennung von Geschäftsführer Karl Obermair, 50, bekannt gegeben. Das geschah nach der Vorstellung des dritten Berichts externer Prüfer, welche die Manipulationen beim ADAC-Autopreis "Gelber Engel" untersucht hatten. Obermair habe sich beim Gelben Engel nichts zu Schulden kommen lassen, trotzdem habe man "Gespräche über die einvernehmliche Beendigung seiner Tätigkeit begonnen", lautete damals die offizielle Stellungnahme. Also in aller Freundschaft.

Diese Gespräche über eine gütliche Trennung sind jedoch gescheitert. Nach SZ-Informationen kündigte der ADAC seinem Geschäftsführer am Montag einseitig und fristgerecht. Es ist damit zu rechnen, dass Obermair dagegen juristisch vorgehen wird, immerhin war er zwölf Jahre lang in Diensten des Vereins. Zuvor hatte der Österreicher beim dortigen Automobilclub ÖAMTC gearbeitet.

Im Falle Obermair geht es offenbar um eine Menge Geld. Er habe Forderungen gestellt, so hört man, die mehrere Jahresgehälter umfassen. In seinem Fall bedeutet das: Es geht um einen Betrag in Millionenhöhe. Obermair ist freigestellt, jedoch auf dem Papier nach wie vor Angestellter des ADAC, bei vollen Bezügen und angeblich auch diversen Annehmlichkeiten wie einem Dienstwagen.

Angst vor unangenehmen Wahrheiten

Erfahrungsgemäß sind Verhandlungen über Auflösungsverträge immer auch Pokerrunden, an deren Ende dann oft eine Einigung steht. Damit rechnen Insider auch im Fall Obermair. Zumal niemand beim ADAC ein Interesse daran haben dürfte, dass öffentlich schmutzige Wäsche gewaschen wird. Obermair wisse einfach zu viele für den ADAC unangenehme Wahrheiten, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Offiziell gibt es vom ADAC dazu keine Stellungnahme, die über das banale Statement "Wir kommentieren Personalangelegenheiten grundsätzlich nicht" hinausgeht. Karl Obermair wollte ebenfalls nichts zu seinem Arbeitsverhältnis sagen.

Auch die Personalie Michael Ramstetter ist mit der angeblich vom ADAC ausgesprochenen fristlosen Kündigung noch nicht erledigt. Wie der ADAC bestätigt, klagt der ehemalige Medienchef - der als Hauptschuldiger der Manipulationsaffäre gilt - vor dem Arbeitsgericht München gegen seine Kündigung. Eine Gütetermin ist für Ende Mai angesetzt.

Zwar unterscheidet sich der Fall Ramstetter erheblich vom Fall Obermair, aber eine Parallele gibt es doch: Man könne davon ausgehen, sagen ADAC-Mitarbeiter, dass Ramstetter etliches erzählen könnte, was der Verein lieber nicht in den Zeitungen lesen möchte. Bis heute ist beispielsweise unklar, wann die ADAC-Spitze von seinen Schummeleien erfuhr.

Damit liegt der ADAC also im Clinch mit zwei der drei Hauptprotagonisten der ADAC-Affäre. Und der Dritte? Der zurückgetretene Präsident Peter Meyer? Er war nie wirklich weg. Zwar hatte Meyer auf Druck seiner Präsidiumskollegen - die ihm mit der Suspendierung drohten - im Februar mit Wut und einem Rundumschlag seinen Rücktritt erklärt. Er blieb jedoch Vorsitzender des ADAC Nordrhein. Dies wolle er auch bleiben, bekräftigte der Spediteur aus Mühlheim an der Ruhr nach der Jahresversammlung des Regionalclubs Mitte März - die wie immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

Es scheint, als habe der ADAC noch länger mit seinen Geistern zu kämpfen.

© SZ.de/hart
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