Kfz-Versicherung Autoversicherung direkt vom Hersteller - lohnt sich das?

Eine Kfz-Versicherung direkt vom Hersteller kann sich für einen Autokäufer lohnen. Aber längst nicht für jeden.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Finanzierungsrate, Wartung und Versicherung aus einer Hand: Für viele Autokäufer erscheint das attraktiv. Doch nicht immer ist das günstiger als bei Allianz, HUK und Co. Worauf Verbraucher achten sollten.

Von Anne-Christin Gröger und Anna Gentrup, Köln

Manchmal scheinen Autohersteller und -importeure großzügig zu sein. Beispiel VW: Beim Kauf eines Polo, Golf oder Kleinwagens Up, den der Kunde über Volkswagen finanziert oder bar bezahlt, kann er ein sehr günstiges Versicherungspaket abschließen. Drei Jahre lang muss er nur 29,90 Euro pro Monat zahlen, und zwar für Haftpflicht- und Vollkaskoschutz. Für die allermeisten Autofahrer ist das günstiger als eine Versicherung über Vertreter oder Internet.

Ähnlich läuft es bei den Konkurrenten Ford oder Renault. Wer sich für einen Ford Fiesta oder einen Renault Twingo entscheidet, bekommt ein gutes Angebot: Über mehrere Jahre zahlt der Fahrer nur rund 20 Euro monatlich und muss sich um Versicherungsangelegenheiten nicht weiter kümmern. Das klingt verlockend.

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Viele Autokonzerne werben mit Komplettpaketen, in denen neben der Versicherung häufig die Finanzierung, die Wartung und bestimmte Reparaturen in einer einzigen Monatsrate enthalten sind. Hinter den Versicherungsangeboten stecken meist klassische Kfz-Versicherungsunternehmen. BMW und Ford kooperieren mit der Allianz, bei Renault sind das die Nürnberger-Tochter Garanta und der Direktversicherer Direct Line, bei Daimler agiert die HDI Versicherung. VW hat zusammen mit der Allianz einen eigenen Risikoträger gegründet, die Volkswagen Versicherung, die auch für die Konzernmarken Audi, Seat und Škoda Policen anbietet.

"Ein Autokauf ist so emotional, dass der Käufer die Bedingungen der Police aus den Augen verliert."

Für die Hersteller lohnen sich solche Policen. Sie wollen bestimmte Modelle in den Markt drücken - und nehmen dafür in Kauf, dass sie die Versicherung subventionieren müssen. Gleichzeitig erhalten sie für die von Händlern vermittelten Policen Provisionen. Und sie sorgen durch die Kooperation dafür, dass die Vertragshändler besser ausgelastet sind. Denn bei einem Kaskoschaden müssen die Fahrzeuge in einer Vertragswerkstatt des Händlers repariert werden. Und die Autoverkäufer können nur existieren, wenn sie einen lohnenden Werkstattbetrieb haben.

Es droht der Verlust der Kundenschnittstelle

Für die Versicherungsbranche ist der Trend nicht nur positiv. Die Mehrzahl der Gesellschaften arbeitet mit keinem Autohersteller zusammen und sieht deren Vertriebsweg zu Recht als Konkurrenz, zusätzlich zu Internet-Vergleichsportalen und Direktanbietern. Selbst die Anbieter, die Hersteller als Partner haben, müssen sich Sorgen machen. Sie werden, wie alle Zulieferer, bei Preisen und Bedingungen unter Druck gesetzt und müssen befürchten, dass die Kunden auch bei Versicherungsfragen Händler und Hersteller als Ansprechpartner sehen, nicht den Versicherer. Dann hätte er, wie es in der Branche heißt, die Kundenschnittstelle verloren.

Für die Kunden kann sich ein Abschluss beim Händler lohnen, wenn sie ein Sonderangebot nutzen. Ansonsten sind die Tarife meist teurer, als wenn sie beim Vermittler oder online abgeschlossen werden. Das hat das Verbraucherportal Finanztip in einem Vergleich ermittelt. Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt davor, sich bei den rabattierten Angeboten vor allem vom Preis leiten zu lassen. "Das Thema Autokauf ist sehr emotional aufgeladen, der Verbraucher muss auf so viele Dinge achten, dass er dabei die genauen Bedingungen der Versicherungspolice aus den Augen verliert", sagt er.