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Kawasaki ZZR 1400:Die Performance der Bremsen enttäuscht

Die ingesamt souveräne Art der Maschine überträgt sich dennoch früher oder später auf den Fahrer. Das Fahrwerk ist gutmütig und arbeitet dank elektronischer Helfer problemlos. Man sollte im Fahrbetrieb allerdings nicht das hohe Gewicht unterschätzen. Die ZZR verlangt Körpereinsatz und Nachdruck, wenn sie der anvisierten Linie folgen soll. Die Bremsen sind ebenfalls ein Schwachpunkt. Denn für ein so schweres Motorrad bieten sie zu wenig Transparenz, außerdem war während der Testfahrten bei intensiver Beanspruchung ein wandernder Bremspunkt zu beklagen. Das steht einem so leistungsstarkem Motorrad mit einem so stattlichen Gewicht schlecht zu Gesicht.

Eine dreistufige Traktionskontrolle hält die Fuhre bei Bedarf auch bei wildesten Gasgriffverrenkungen am Boden. Wem die gebotene Leistung mehr Angst als Freude bereitet, der kann sein Gewissen per Knopfdruck beruhigen. Im sogenannten Low-Power-Modus verringert sich die Leistung um 25 Prozent und macht die ZZR bei Regen oder feuchter Fahrbahn beherrschbarer.

Doch er beraubt das Bike seiner Charakteristik, dem rauen Charme des Unkontrollierbaren. Von diesem Gefühl zehrt der Fahrer, sonnt sich darin. Er weiß, dass er bei Bedarf auch bei angezeigten 280 km/h noch einen Gang zurückschalten kann. Und das dann sehr wohl noch spürbarer Vortrieb möglich ist. Wenn er das will. Viele Käufer einer ZZR werden das nicht tun. Es ist gefährlich und im alltäglichen Straßenverkehr gar nicht notwendig. Aber es ist möglich. Jederzeit. Und das macht locker. Auch wenn die Lockerheit 15.595 Euro kostet und bei vollem Leistungsabruf die Innereien kräftig durchschüttelt.

© süddeutsche.de/bön
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