Gyrokopter Schon 1923 wurde der Gyrokopter erfunden

Im Jahre 2007 kam man auf die Idee, die zwei bereits vorhandenen Polizeihubschrauber mit Tragschraubern zu unterstützen. Nackte Zahlen dienten als Argumentationshilfe: Ein Eurocopter EC 135 kostet mit allem Schnickschnack achteinhalb Millionen Euro. Der Tragschrauber startet, wenn nicht gerade mit Gold verziert, bei gut 50.000 Euro. Und Ministeriumssprecher Brand schnurrt die Einsatzmöglichkeiten herunter: Bei Lkw-Kontrollen stieg die Fangquote dank Tragschrauber von 45 auf 90 Prozent, Abstandssünder werden auf der berüchtigten Ostwest-Rennstrecke leichter ertappt, auch illegale Mülldeponien sind schneller zu finden. Und als einschlägig bekannte Neonazis ein illegales Konzert abzuhalten verkündeten, war die Aufklärung aus der Luft jeglichem Bodeneinsatz weit überlegen. Derzeit läuft Phase zwei des Testprojektes - man will vier Tragschrauberpiloten ausbilden und auf diesem Wege die 160 Euro Stundenmiete weiter senken.

Erfunden wurde dieses eigentlich so simple Fluggerät von dem Spanier Juan de la Cierva, der 1923 damit seinen Jungfernflug absolvierte. Schon fünf Jahre später flog das US Post Office mit Tragschraubern Briefe und Päckchen über die Prärie, U-Boote zogen im Zweiten Weltkrieg unmotorisierte Schlepp-Tragschrauber als Ausguck hinter sich her. Und James Bond jagte das Böse der Welt in "Man lebt nur zweimal" mit einem Autogyro. Der Hildesheimer Flugschulinhaber Thomas Kiggen reanimierte das Tragschrauberprinzip Anfang der neunziger Jahre in Deutschland. Und heute macht die benachbarte AutoGyro GmbH gut zwölf Millionen Euro Umsatz im Jahr.

All das wirkt logisch, betrachtet man ein paar Details dieses Flugzeugs: Es gilt, unter anderem dank seiner Autorotationsfähigkeit, als derzeit sicherstes Fluggerät überhaupt. Man tankt Super (95 Oktan), die Reichweite liegt je nach Wind bei bis zu 500 Kilometer in etwa sechs Stunden, die Maximalgeschwindigkeit bei 180 km/h.

Es genügt zum Start eine Strecke von maximal 70 Meter, zum Landen braucht man weniger als die Hälfte. Der Rotor benötigt, weil vom Wind getrieben, keine Taumelscheibe - also keinen Auftriebsausgleich für die Vorwärts- und Rückwärtsbewegung des Rotors. Bei einem Maximalstartgewicht von 450 Kilo kann man inklusive Piloten noch 200 Kilo zuladen. Und wenn es kalt wird, kleidet sich der Autogyrist in eine heizbare Motorradkombi.

Wer Lust hat, ohne Fluglehrerin Mona in die Luft zu gehen, muss 17 Jahre alt sein, 60 Theorie- und 30 Praxisstunden absolvieren und mit etwa 6200 Euro rechnen. Und was man mit diesem Flugzeug alles anfangen kann, haben vor kurzem Melanie und Andreas Stütz aus München bewiesen: Die beiden flogen mit ihrem Gyrokopter Fliewatüüt um die Welt (www.weltflug.tv).