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Neustart für die Eurobike:Das Fahrrad kommt nach Frankfurt

Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen

Das Fahrrad im Fokus: Im Jahr 2019 kamen etwa 65 000 Besucher zur Fachmesse Eurobike nach Friedrichshafen.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Neue Modelle, Festival und Expertenrunden: Die Fachmesse Eurobike zieht vom Bodensee an den Main. Was das für die Besucher bedeutet.

Von Marco Völklein

Gerade erst hat die Automesse IAA den traditionsreichen Standort Frankfurt verlassen, in diesem Herbst wird eine neu konzipierte IAA ihre Premiere in München feiern. Die Messestadt Frankfurt indes setzt künftig auf ein anderes Fortbewegungsmittel: das Fahrrad. Von 2022 an wird die Weltleitmesse der Fahrradbranche, die Eurobike, in der Stadt am Main stattfinden. Und nicht mehr - wie seit Beginn der Neunzigerjahre üblich - in der Bodensee-Stadt Friedrichshafen.

Warum wird die Messe verlegt?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer der wichtigsten: In den Messehallen in Friedrichshafen ging es zuletzt ziemlich eng zu. Begonnen hatte die Eurobike im Jahr 1991 als reine Fach- und Spartenmesse für die damals noch junge Branche der Mountainbike-Hersteller - von vielen etablierten Herstellern wurden die Messemacher damals belächelt. Das änderte sich über die Jahre, die Schau entwickelte sich nach und nach zur führenden Leitmesse der gesamten Fahrradbranche, spätestens galt dies, seit im Jahr 2008 die Internationale Zweiradmesse IFMA in Köln aufgab. Konkurrenten auf internationaler Ebene sind noch die Interbike in Las Vegas und d Taipei Cycle Show in Taiwan.

Wie viele Besucher kommen jedes Jahr zur Eurobike?

Die Messe fand bislang jedes Jahr zu Septemberbeginn statt, 2020 allerdings musste sie wegen der Corona-Pandemie ausfallen, in diesem Jahr ist eine abgespeckte Version vom 1. bis 4. September geplant. Bei der letzten Eurobike im Frühherbst 2019 waren in Friedrichshafen mehr als 1400 Aussteller aus 60 Ländern zu Gast, etwas mehr als 65 000 Besucher waren am Ort. Das stellte die 60 000-Einwohner-Stadt immer wieder vor Herausforderungen: Die Hotelkapazitäten reichten für die vielen Besucher selten aus, viele Messegäste quartierten sich im weiteren Umland ein und strampelten morgens auf dem Rad zum Messegelände. Zudem ist die verkehrliche Anbindung Friedrichshafens alles andere als optimal: Auf der Schiene ist die Stadt fast nur mit Regionalzügen zu erreichen, der nächstgelegene Autobahnanschluss ist 25 Kilometer entfernt; außerdem fahren Fernbusse, etwa von München und Zürich aus, regelmäßig die Stadt am östlichen Bodensee-Ufer an.

Was ist künftig in Frankfurt geplant?

Die beiden Messegesellschaften in Frankfurt und Friedrichshafen haben eine Gemeinschaftsfirma gegründet. Die strebt nun einen "umfangreichen Konzeptwandel" an, wie Uwe Behm sagt, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Schließlich laufe "die Verkehrswende auf vollen Touren", sagt Behm; die Themen Klimaschutz und Verkehrswende stünden "ganz weit oben auf der Agenda", ergänzt Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann. Geplant sei, das Fahrrad "mitten rein in die Stadt" zu holen, der Fokus der Radbranche und der Fahrradnutzerinnen und -nutzer habe sich zuletzt verschoben, weg vom Sportbereich, hin zur Stadtmobilität. Daher sei es das Ziel der Messemacher, das Rad "in den Mittelpunkt der verkehrspolitischen Debatte zu rücken", so Feldmann weiter. Zudem wird der Termin deutlich nach vorne gerückt, nämlich von Anfang September auf Mitte Juli. Oder um es ganz genau zu sagen: auf die Zeit vom 13. bis 17. Juli 2022.

Werden auch Endverbraucher die Schau besuchen können?

Ganz klar: Ja. In Friedrichshafen war die Messe in der Vergangenheit meist die ersten Tage nur für Fachbesucher geöffnet; Händler strömten in die Hallen und gaben ihre Orders ab, Hersteller und Lieferanten knüpften Kontakte. Am Wochenende dann konnte jeder und jede die Neuheiten bestaunen. In Frankfurt soll es nun ähnlich laufen - nur in einem größeren Maßstab: Nach drei Fachtagen ist anschließend ein "Festival-Wochenende" geplant, wie die beiden Messegesellschaften mitteilten. Die gute Lage Frankfurts in der Mitte Deutschlands und die gute Anbindung beispielsweise an das ICE-Netz der Bahn eröffne "Wachstumsperspektiven in Flächen- und Teilnehmerzahlen", wie es heißt. Die Planer wollen also die Zahl der Besucherinnen und Besucher deutlich steigern.

Gibt es auch kritische Stimmen?

Ja. Der Termin im Juli sei "weder Fisch noch Fleisch", sagt Stefan Stiener, Chef des Radherstellers Velotraum. Um Orders der Geschäftspartner abzuarbeiten, sei der Termin zu spät, für die Endkunden komme die Messe zu früh. Denn zu der Zeit stehen viele Räder aus der laufenden Saison noch bei den Händlern; werden auf der Messe bereits die Neuheiten der kommenden Saison gezeigt, könnten viele Endverbraucher mit dem Kauf eines neuen Rads zögern. Fahrradaktivistinnen und -aktivisten kritisieren zudem, dass Frankfurt nach wie vor eine "traditionelle Autostadt" sei; um dem Rad mehr Raum zu geben, müsse noch einiges geschehen. Und nicht zuletzt dürfte interessant sein, inwieweit sich die Eurobike gegenüber anderen (Mobilitäts-)Messen wird behaupten können - die IAA zum Beispiel tritt am neuen Standort in München auch mit dem Versprechen an, keine reine Automesse mehr zu sein, sondern sich auch anderen Mobilitätsformen gegenüber zu öffnen. Insbesondere das starke Wachstum bei elektrisch unterstützten Fahrrädern, Pedelecs oder E-Bikes genannt, hat die Messemacher dazu veranlasst, auch die Fahrradindustrie einzuladen - beim World Cycling Forum soll sich diese einem internationalen Publikum sowie den Endverbraucherinnen und -verbrauchern präsentieren können.

© SZ
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