Die coolsten DDR-Autos (2) Die Wolgas fraßen zu viel Sprit

In Natura erlebte der heute 33-jährige Jens Plücker die Vopos nur als Kind, doch er kann sich noch gut an eine Mischung aus Respekt und Angst erinnern. "Mein Vater wurde mit seinem Motorrad angehalten, ich saß im Beiwagen. Natürlich bekam mein Vater von den Vopos gleich einen Stempel, weil er zu schnell unterwegs war", erzählt Plücker.

Melkus RS 2000

Sachsen-Power

Die "Berechtigungsschein" genannte Stempelkarte war in der DDR quasi das Äquivalent zum Flensburger Punkteregister. Die gefürchteten Einträge gab es bei Verkehrsverstößen - nach fünf Stempeln war man Fußgänger.

Der Fuhrpark der DDR-Polizei bestand notgedrungen aus dem, was die eigene Automobilproduktion oder die "sozialistischen Bruderstaaten" so zu bieten hatten: EMW, Sachsenring, Moskwitsch, Wolga, Wartburg, Shiguli (Lada) oder Barkas. Die dicken Wolga-Limousinen wurden meist nur als Reservefahrzeuge eingesetzt, weil sie enorm viel Sprit fraßen.

Lackiert waren die grünen Minnas des Ostens in Olivgrün/Elfenbein und später in Olivgrün/Weiß. Die ersten Fahrzeuge hatten gar kein oder nur ein einfaches Blaulicht auf dem Dach, in den achtziger Jahren folgten die typischen Doppelblaulichtbrücken mit mittig platzierten Lautsprechern. Das Tatütata im Osten war ein kreischendes, heiseres und langgezogenes Iuiuiu. Noch heute hört sich die Signalanlage an, als habe man gerade Erich Honecker zwischen die Beine getreten.

Im öffentlichen Straßenverkehr dürfen Blaulicht und Sirene der Vopo-Oldies natürlich nicht benutzt werden. Die Blaulichter müssen abgedeckt sein, und das Original-Bedienteil mit russischer Beschriftung im Cockpit lässt sich abstöpseln. "Wir schauen uns schon sehr genau an, wer die Autos mietet", sagt Jens Plücker. Schließlich handelt es sich auch um seltene Youngtimer, die sich nicht fahren wie Autos von heute.

Der Lada zum Beispiel ist Baujahr 1976. Mit seinem 75 PS starken Vierzylinder kann er den Zweitakt-Wartburg natürlich leicht im Regen stehen lassen, doch er legt sich so gemütlich in die Kurve wie ein russischer Bär, der gerade seine ersten Gehversuche nach dem Winterschlaf unternimmt. Die Klimaanlage beschränkt sich aufs Handkurbeln für die Seitenfenster. Doch alles ist relativ: Im Vergleich zum Trabi war der geräumige und komfortabel gefederte Lada geradezu ein Mercedes.

Die Ersatzteilversorgung für Wartburg und Lada sei völlig unproblematisch, sagt Jens Plücker, vor allem Technik-Teile gebe es noch genügend und zu bezahlbaren Preisen. Plücker will seine Oldies jedoch nicht nur zur Vermietung behalten: "Im nächsten Jahr wollen wir unbedingt eine Youngtimer-Rallye mitmachen", sagt der Berliner.

Text: Sebastien Viehmann / Pressinform

Fotowettbewerb

Unser schöner Osten