Buchbesprechung Der Käfer-Effekt

Er gilt noch immer als das Symbol der Wirtschaftswunderjahre - der VW Käfer. Und er findet Anhänger und Liebhaber in aller Welt. Ein Buch aus dem Delius Klasing Verlag widmet sich dem Kleinwagen.

Von Marco Völklein

Neulich erst griff Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf die Legende des kleinen Autos aus Wolfsburg zurück. Als es ihm Ende Januar darum ging, die deutschen Automobilhersteller zu mehr Engagement bei der Entwicklung kleinerer (und vor allem bezahlbarer) Elektrofahrzeuge zu animieren, forderte der CSU-Politiker einen "Elektro-Käfer-Effekt". So wie in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, als viele Deutsche mit dem noch unter den Nationalsozialisten entwickelten Kleinwagen in die automobile Massenmobilität aufbrachen, so ähnlich, befand Scheuer, müsste nun auch mit einem elektrisch angetriebenen Kleinwagen der Aufbruch in die Automobilität von morgen gelingen.

Egal, wie man nun zu den Vor- und Nachteilen von Elektroautos stehen mag - der Rückgriff des bekennenden Oldtimerfans Scheuer auf den Käfer von Volkswagen zeigt, dass dieses Auto nach wie vor Emotionen weckt. Die kugelige Form, die simple Technik unter dem Blech und nicht zuletzt die lange Historie des Autos, das von der Mitte der Vierzigerjahre an in Serie bis ins Jahr 2003 gebaut wurde und das als eines der Symbole der "Wirtschaftswunderjahre" gilt - all das fasziniert Automobilenthusiasten nach wie vor.

Nicht nur in Deutschland, sondern in aller Welt. Das zeigt auch das Buch "Käfer Love" aus dem Delius Klasing Verlag. Auf etwas mehr als 200 Seiten erzählen die Autoren von Menschen und deren Käfern. Da ist zum Beispiel die Rede von Zainab und Dominikus Hocher, die sich von Wien aus mit ihrem Volkswagen zu einer Reise um die Welt aufmachten, vier Jahre lang, einmal um den Globus. Ihren Käfer, Baujahr 1963, trimmten sie optisch ein wenig auf "Herbie", den berühmten Wagen aus einer Filmreihe, die mit dem Streifen "Ein toller Käfer" im Jahr 1968 begann. Die Wiener verpassten ihrem Käfer die für Herbie charakteristische Startnummer 53 und die rot-weiß-blauen Rallyestreifen - und wurden damit in vielen Ländern herzlich empfangen. Der Käfer aus den Disney-Filmen, so stellte sich heraus, ist weltweit ein Sympathieträger.

Lesenswert ist aber auch die Geschichte von Inge Feltrinelli, die in den Fünfzigerjahren noch Schönthal hieß und als Fotoreporterin die Welt sehen und Menschen kennenlernen wollte. Mit einem blauen Käfer-Cabrio machte sie sich auf und fotografierte für eine Hamburger Illustrierte unter anderem den französischen Schauspieler Gérard Philipe oder den kubanischen Staats- und Parteichef Fidel Castro.

Ohnehin sind die etwas mehr als 160 Fotografien in dem Buch ein echter Hingucker. Etwa zwei Dutzend Fotografen weist das Impressum aus; die zeigen den Kleinwagen unter anderem in den Häuserschluchten von New York, auf einer einsamen Landstraße zwischen einer Herde Alpacas in Bolivien oder - spektakulär aus der Luft fotografiert - auf einer Flussbrücke in Unterfranken. Ein Buch also, bei dem sich der "Käfer-Effekt" ganz von alleine einstellt.