bedeckt München 16°

Autoreise über die Alpen:Abschied vom Sommer

Porsche 911 Targa 4S

Der Porsche 911 Targa kostet mindestens 109 338 Euro. Die 4S-Version ist fast 15 000 Euro teurer.

(Foto: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG)

Im Porsche 911 Targa 4S lassen sich späte Sommertage stilvoll genießen. Erst recht, wenn die Route über die schönsten Alpenpässe führt. Für Hektik ist hier kein Platz - auch weil sich das Auto lieber von seiner entspannten als von seiner sportlichen Seite zeigt.

Noch ein paar Kehren, dann ist die Passhöhe geschafft. Eine Mondlandschaft, 2474 Meter über dem Meer. Die Auffahrt von Sölden aus zum Timmelsjoch liegt da schon hinter uns, kilometerlang eine Abfolge eher sanfter Kehren und entspannender Geraden. Kaum eine Herausforderung für den Fahrer. Erst in größerer Höhe verdient sich die Straße das Prädikat Alpentauglich. Sie wirft dem Wagen enge Kehren hin, kombiniert Anstiege mit wilden Kurvenkombinationen. Eng geht es zu. Herunterschalten mit Zwischengas, der 3,8-Liter-Boxer des Targa 4S bellt unternehmungslustig. Lenken, bremsen und schalten werden eins. Unnachahmlicher Flow.

Porsche 911 Targa Elfer mit Fünf-Sterne-Dach-Gymnastik
Fahrbericht Porsche 911 Targa

Elfer mit Fünf-Sterne-Dach-Gymnastik

Porsche bringt den 911 wieder als Targa und mit ihm die komfortabelste Elfer-Variante. Nach der ersten Testfahrt steht fest: Mehr als das Auto fasziniert die Dachkonstruktion.   Von Georg Kacher

Die Wahl des Fahrzeugs für die Suche nach den letzten Sommertagen im Süden ist keine schlechte, denn der Porsche, eine eigenwillige Mischung aus Coupé und Cabrio, hat für die Launen des Wetters zu dieser Jahreszeit vorgesorgt. Die Fahrt beginnt im Regen, doch bald, von Füssen aus über den Fernpass, scheint die Sonne. Also: Dach auf.

Präzise Dach-Choreografie

Das hört sich einfacher an, als der Vorgang, dessen Zeuge wir in der Folge werden, an Dramatik hergibt. Auf Tastendruck feiern nun 19 Sekunden lang Stellmotoren, Hydraulikzylinder und Verdeckgelenke einen präzise choreografierten Auftritt. Sie heben die gläserne Heckkuppel an und klappen sie in einer sehenswert ausladenden Bewegung, bewacht vom Parkassistenten, nach oben weg, sodass am Ende nur noch der metallisch glänzende Bügel aus mattiertem Edelstahl samt Heckscheibe stehen bleibt. Das ist großes Kino, funktioniert aber leider nur im Stillstand und obendrein fehlt in unserem Fall sowieso das staunende Publikum.

Porsche 911 Targa 4

Die präzise Dach-Choreografie dauert 19 Sekunden, funktioniert aber nur im Stand.

(Foto: Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG)

Der wahre Elfer-Fan hat für derart opulente Showeinlagen womöglich sowieso nur ein verächtliches Achselzucken übrig und mag sich wehmütig an die Zeiten ab Mitte der Sechzigerjahre erinnern, als der Fahrer mit ein bisschen Schmackes in den Oberarmen das Dachmittelteil der frühen Targas einfach herausnahm und irgendwo in der engen Kiste verstaute. Das war einerseits verlockend einfach, hatte aber auch seine Tücken, die heute gerne vergessen werden. Stichwort: Wassereinbruch, Knarzgeräusche, schlechte Sicht nach hinten. Und solche Sachen.

Streng tempolimitiert Richtung Süden

Wir dagegen setzen nostalgiefrei unsere Fahrt unter blauem Himmel fort, wenn auch weit entfernt von der totalen Offenheit eines echten Elfer-Cabrios. Dem hat der Targa wiederum seine schöne, fast coupéhaft-klare Silhouette voraus. Kein Buckel, nirgends, dafür formale Ausgewogenheit, wohin man blickt, und eine Panorama-Heckscheibe aus leichtem Verbundglas mit fast unsichtbaren Heizdrähten, die auch noch unverbaute Sicht nach hinten liefert - und natürlich unterm Bügel das Gefühl subjektiver Sicherheit.

Porsche 911 Turbo

Vom Proll zum Wolf

So bummeln wir wohl behütet über die kurzen Autobahnetappen Richtung Süden, streng tempolimitiert, versteht sich. Der Targa nimmt's gelassen, hält die allermeisten seiner 400 PS für lohnendere Anlässe bereit und begnügt sich mit der Gewissheit, 296 km/h schnell zu sein, oder bei Bedarf in 4,6 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen zu können, mit PDK-Getriebe und Sport-Chrono-Paket sogar in 4,4 Sekunden. Wenn er nur dürfte.