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Standschäden verhindern:Autos, die rasten, rosten

Winterwetter - Niedersachsen

Wenn das Auto nach längerer Standzeit nicht anspringt, liegt es oft an der Batterie.

(Foto: Jonas Walzberg/dpa)

Home-Office und nur die notwendigsten Fahrten: Werden Pkw nicht bewegt, können Schäden entstehen. Wie lassen die sich verhindern?

Von Felix Reek

Es ist der Albtraum eines jeden Autofahrers: Das Auto steht eine ganze Weile herum, und wenn man dann doch mal bewegen will - dann tut sich nichts. Gerade jetzt im (nochmal verlängerten) Lockdown spielen sich immer wieder solche Szenen ab: Beim Druck auf den Funkschlüssel leuchten weder die Blinker, noch öffnen sich die Türen. Die lassen sich wie vor Jahrzehnten nur noch mit dem Schlüssel aufsperren. Auch das Display des Autos bleibt tot.

Eine typische Panne, wenn das Fahrzeug länger abgestellt ist, so Michael Haberland, Präsident des Automobilclubs "Mobil in Deutschland". "Wenn das Auto zu lange steht, ist die Lichtmaschine nicht bewegt worden, die Batterie lädt sich nicht auf." Im Winter kommt das noch öfter vor als im Sommer, die kalten Temperaturen beschleunigen den Effekt. Das Ergebnis ist wie oben beschrieben: Entweder ist die Batterie komplett leer und liefert gar keinen Strom mehr, oder es ist noch etwas Restenergie vorhanden, sodass zumindest der Anlasser kurz dreht. Fahren lässt sich das Auto auf jeden Fall nicht mehr.

Wenn Europas größter Automobilclub, der ADAC, im Frühjahr regelmäßig seine Pannenstatistik vorlegt, dann zählen Probleme mit der Elektrik stets zu den meistgelisteten Pannengründen. Gerade jetzt in diesen Wochen, in denen sich der Winter von seiner besonders frostigen Seite zeigt, sind die Pannenhelfer sehr häufig gefragt, berichtet ein Sprecher. So zählte der Club Anfang der Woche alleine in Hamburg etwa 50 Prozent mehr Hilfseinsätze als normal, in Teilen Hessens und Thüringens waren es bis zu 77 Prozent mehr. Hauptgrund: schlappe, von der Kälte leergesaugte Batterien.

Helfen kann dann das Aufladen der Batterie mit einem externen Ladegerät oder die Starthilfe-Verbindung mit einem Ladekabel zu einem anderen Fahrzeug. Das bekommen auch Laien hin. Der ADAC erklärt: "Verbinden Sie zunächst das rote Kabel mit dem Pluspol der Batterie des Spenderautos." Das andere Ende kommt an den Pluspol des eigenen Autos. Danach wird das schwarze Kabel mit dem Minuspol mit der Batterie des anderen Fahrzeugs verbunden. Beim liegengebliebenen Auto schließt man die andere Klemme an den Masseanschluss an. Wo der jeweils ist, findet sich in der Betriebsanleitung. Wer sich das nicht zutraut, ruft einen Automobilclub oder die nächstgelegene Werkstatt.

Hilft das Überbrücken nicht, muss das Auto sowieso dort hin, im schlimmsten Fall ist eine neue Batterie fällig. In älteren Fahrzeugen lässt sich der Austausch noch selbst erledigen, "bei modernen Autos bekommen Sie die nicht nicht mehr ausgewechselt", sagt Haberland. Auf jeden Fall aber muss die Fahrzeugelektronik nach dem Abklemmen neu angelernt werden.

Standplatten und festgerostete Bremsen

Bei einer längeren Standzeit können noch weitere Schäden auftreten. Vor allem, wenn das Fahrzeug nicht in einer Garage, sondern offen auf der Straße steht. Weitere Schwachstellen sind laut Haberland zum Beispiel die Reifen, die Luft verlieren können. Ein Standplatten ist an einer leichten Verformung zu erkennen - löst sich das Problem nicht nach einigen Kilometern von alleine, muss der Reifen gewechselt werden.

Regen und Schnee schaden auch den Bremsen, hier setzt Rost an. Bei täglicher Benutzung schleift sich dieser ab. Wird das Auto aber über längere Zeit nicht benutzt, wird diese Schicht dicker, im schlimmsten Fall rosten die Bremsbeläge an den Bremsscheiben fest. Mit einem weiteren Störenfried machte Clubpräsident Haberland jüngst selbst Bekanntschaft: Ein Marder zerlegte den Motorraum des Autos seiner Frau. Die Raubtiere interessieren sich dort vor allem für Kabel und Schläuche und können einigen Schaden anrichten. Ein Hinweis können Pfotenspuren auf der Motorhaube sein.

Ein Auto muss bewegt werden

Sicherer ist: sich vor Fahrtantritt den Motorraum ganz genau anschauen. Haberland rät auch, regelmäßig die Fahrzeugflüssigkeiten zu kontrollieren und vor allem für genügend Frostschutz in der Scheibenwischanlage zu sorgen. Ist die im Winter eingefroren, "kann das ganz schnell gefährlich werden", sagt Haberland. Das Salz auf der Straße landet auf der Scheibe und verhindert eine ausreichende Sicht.

Die meisten Schäden im Lockdown lassen sich aber mit einem einfachen Tipp vermeiden: "Ein Auto sollte mindestens einmal die Woche bewegt werden", rät Haberland. "Denn wer sein Auto nicht bewegt, der braucht eigentlich auch keines." 20 bis 25 Kilometer sollten es am Stück mindestens sein. Dann gibt es auch keine Probleme mit Batterie oder Bremsen.

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