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ADAC-Chef Meyer bei Günther Jauch:Der sichtlich angestrengte Präsident

ADAC - Thema bei Jauch

ADAC-Präsident Peter Meyer im Studio bei Günther Jauch. Das Thema der Sendung: "Totalschaden ADAC - was ist das für ein Pannenverein?"

(Foto: dpa)

Seit gut zwei Wochen schon steht der ADAC unter Druck und spielte bisher jede Kritik herunter. Jetzt ist Präsident Peter Meyer ins Fernsehen gegangen. Erhellendes konnte der ADAC-Präsident aber auch im Studio bei Günther Jauch nicht liefern.

Es ist wohl die schwerste Krise der 111-jährigen Geschichte: Seit gut zwei Wochen schon steht der ADAC unter Druck. So wurde die Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen gefälscht. Nach den Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" hat ADAC-Manager Michael Ramstetter alle Ämter niederlegen müssen, auch als Chefredakteur der hauseigenen ADAC-Motorwelt.

Es gab Unregelmäßigkeiten bei der Nutzung der Rettungshubschrauber, mögliche Tricksereien bei den Pannenstatistiken und anderen Produkttests, Kritik an einer zu großen Nähe zur deutschen Autoindustrie wurde laut. Am Wochenende berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass der Autoklub seine Pannenhelfer drängt, eigens von der Firma Varta gefertigte Auto-Batterien zu verkaufen.

Der Imageschaden ist bereits gewaltig. Die Reaktion des Autoklubs auf die Kritik und die Vorwürfe ist seit Wochen immer die gleiche: verharmlosen und runterspielen. Am Sonntagabend nun war ADAC-Cheflenker Peter Meyer, 64, bei der Talkshow Günther Jauch zu Gast. "Totalschaden ADAC - was ist das für ein Pannenverein?" lautet der Titel der ARD-Sendung.

Meyer verspricht mit verkniffenem Gesicht komplette Aufklärung

"Wir liegen wirklich am Boden", sagte er gleich zu Anfang. Er sei tief betroffen von den Skandalen, bekannte Meyer, der mit gelber Krawatte, verkniffenem Gesicht, nach unten gezogenen Mundwinkel und sichtlich angestrengt neben Moderator Günther Jauch sass. Meyer versprach komplette Aufklärung, auch mit Hilfe externer Prüfer, und eine neue Transparenz. Die Wirtschaftsprüferfirma Deloitte nehme derzeit die Vorgänge unter die Lupe. Am Ende könnte durchaus auch die Struktur des ADAC verändert werden. Erhellendes konnte der ADAC-Präsident aber auch bei seinem Fernsehauftritt nicht liefern.

Meyer, ein gelernter Speditionskaufmann und studierter Betriebswirt, ist seit Mai 2001 ADAC-Präsident, er hat bislang alle Rücktrittsforderungen abgelehnt. "Ich traue mir diese schwierige Aufgabe zu", sagt er etwa in der neuen Ausgabe der ADAC-Motorwelt. Dabei ist er selbst inzwischen wegen eines umstrittenen Werbegeschäfts mit einem ranghohen ADAC-Funktionär unter Druck.

Klare Worte kommen unterdessen aus Berlin: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt fordert nach dem ADAC-Skandal eindringlich schnelle Reformen. "Der ADAC muss einen anderen Kurs einschlagen und sich von innen heraus erneuern", sagt der CSU-Politiker dem Spiegel. Künftig solle sich der ADAC auf seine eigentlichen Kernaufgaben konzentrieren und sich um die "tatsächlichen Interessen der Mitglieder" kümmern. Derzeit aber werde nur das Renommee der Pannenhelfer aufs Spiel gesetzt.

Die Ansage ist deutlich - Dobrindt hat ohnehin noch eine Rechnung offen mit der mächtigen Autofahrerlobby aus München. Der ADAC hatte im vergangenen Jahr auch offen gegen die Mautpläne der CSU rebelliert.

© SZ vom 03.02.2014/ebri

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