Zugvögel Kurs halten mit Eisen im Ohr

Kraniche rasten auf einem Feld in Hessen. Wie finden die Zugvögel ihren Weg? Möglicherweise helfen ihnen dabei Metallkügelchen im Innenohr.

(Foto: dpa)

Wie sich Zugvögel am Magnetfeld der Erde orientieren, ist noch immer nicht vollständig geklärt. Metallkügelchen im Körper könnten ihnen dabei helfen. Doch die stecken womöglich nicht, wie bislang angenommen, im Schnabel.

Vögel orientieren sich auf ihren Reisen unter anderem am Magnetfeld der Erde. Nur, wie sie das fertig bringen, und wo sich in ihrem Körper das Organ für diesen Magnetsinn befindet, ist in der Wissenschaft umstritten.

Nun präsentiert eine Gruppe um David Keays vom Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie in Wien Argumente, denen zufolge eisenreiche Kügelchen in den sogenannten Haarzellen des Innenohrs das gesuchte Organ für den Magnetsinn sein könnten (Current Biology, online).

Die Haarzellen im Innenohr spielen für das Hören eine Rolle, aber auch für das Gleichgewicht. Diesen Zelltyp besitzen auch andere Tiere und Menschen. Bei manchen Vögeln jedoch entdeckten die Forscher eine Besonderheit in den Zellen: eine kugelige, eisenhaltige Struktur, die die Forscher "Kutikulosom" nennen.

Laut Keays und seinen Kollegen ist sie noch nie zuvor beschrieben worden. Es spreche viel dafür, dass es sich dabei um den gesuchten Magnetrezeptor handele.

Allerdings schließt das Team auch nicht vollkommen aus, dass die Gebilde lediglich zur Speicherung des Eisens dienen. Die Suche nach dem Magnetrezeptor verursacht in der Wissenschaft sehr emotional geführte Diskussionen.

An Schärfe gewann die Debatte, als Keays vor einem Jahr die bis dahin vorherrschende Auffassung in Frage stellte, der Magnetrezeptor befinde sich im Schnabel. Er widersprach dem aufgrund seiner Ergebnisse, konnte aber noch keinen neuen Kandidaten für das Organ nennen. Dass sein jetziger Vorschlag die Diskussion beenden wird, ist unwahrscheinlich.