Zoologie-Zoom (1)Alle 400 Jahre Sex

Umgerechnet auf menschliche Verhältnisse pflanzen sich Blattläuse enorm selten sexuell fort. Trotzdem weisen sie eine erstaunlich große genetische Vielfalt auf. Das macht sie so erfolgreich.

Wenig Sex - explosive Vermehrung

Die Blattlaus kann laut neuesten Erkenntnissen ihre genetische Vielfalt sichern und sich an Abwehrgifte anpassen, obwohl sie sich jährlich nur einmal sexuell fortpflanzt. "Umgerechnet auf den Menschen würde das einmal Sex pro 400 Jahre bedeuten. Für unsere Evolution wäre das ein Desaster", schreibt Atlant Bieri vom Institut für Umweltwissenschaften der Universität Zürich in seiner am Montag veröffentlichten Untersuchung.

In der übrigen Zeit bringt das Weibchen täglich bis zu zehn Klone auf die Welt. Die Blattlaus richtet weltweit Milliardenschäden an Nutzpflanzen an. "Die Kombination aus ein bisschen Sex und explosiver Vermehrungsrate macht Blattläuse zur den erfolgreichsten Schädlingen der Welt", bilanziert Bieri. So produzieren die Weibchen nur im Herbst eine Generation von Männchen, die sich ganz normal mit den Weibchen paaren.

Nur auf diese Weise können sich Gene zu neuen zufälligen Kombinationen verbinden und Resistenzen gegen Gifte bilden. In der übrigen Zeit bringen die Weibchen täglich bis zu zehn lebende identische Klone zur Welt. Obwohl sich damit aber laut Bieri nur ungefähr jede 20. Generation sexuell fortpflanzt, zeigen die kleinen Blattsauger eine unerwartet große genetische Vielfalt und machen auch vor Nutzpflanzen mit erhöhter Blattlausresistenz nicht Halt. Dies erschwert die Bekämpfung des Schädlings zusätzlich.

Bieri zog für seine Studien den Rohrschwingel heran und setzte darauf Getreideblattläuse aus. Die Hälfte der Proben war mit einem Pilz befallen, mit dem sich das weit verbreitete Gras gegen Fressfeinde wie Blattläuse wehrt. Erwartungsgemäß ging es den meisten Blattläusen auf dem pilzbefallenen Gras schlecht: Sie entwickelten sich langsamer, produzierten weniger oder gar keine Nachkommen und verendeten früher.

Einigen von ihnen ging es allerdings wesentlich besser, obwohl sie mit dem Pflanzensaft einen Cocktail aus Pilzgiften aufsaugten. Sie überwanden also nicht nur das Gift, sondern passten sich auch noch rasch daran an, was üblicherweise nur mit einer über viele Generationen dauernden sexuellen Fortpflanzung gelingt.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Evolutionary Biology publiziert.

Foto: ddp/Erbsen- und Bohnenblattläus Text: AP/gal/bön

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24. August 2009, 18:242009-08-24 18:24:00 ©