Zika Der Kampf gegen Viren ist ein Kampf gegen Stechmücken

Wer tropische Virus-Epidemien verhindern will, muss Stechmücken jagen. Doch erfolgreiche Programme wurden eingestellt - aus Geldmangel.

Gastkommentar von Camilla Rothe

Der größte bisher dokumentierte Ausbruch von Zika-Fieber beunruhigt derzeit die Öffentlichkeit. Ein paar Fakten: Zika-Fieber wird durch das Zika-Virus verursacht. Es gehört zu den Flaviviren, die auch Gelbfieber und Dengue auslösen. Wichtigster Überträger (Vektor) ist die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti ), die unter anderem Gelbfieber, Dengue und Chikungunya überträgt. Zudem scheint die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die auch in Europa heimisch ist, infrage zu kommen.

Das Virus wurde bereits vor 70 Jahren aus Affen isoliert. Bei Menschen trat es zunächst allenfalls sporadisch in Afrika und Asien auf. Größere Ausbrüche gab es 2007 und 2013 auf Pazifikinseln. 2015 wurden erstmals Fälle von Zika in Brasilien gemeldet. Seitdem breitet sich das Virus in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik aus.

Bislang gibt es keine Impfung und keine spezifische Therapie. Die Kombination aus Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen und Bindehautentzündung, die bei Zika auftritt, kommt bei vielen tropischen Virusinfektionen vor. Zika scheint dabei vergleichsweise mild zu verlaufen, und verursacht oft gar keine Symptome.

Zikas neue Gefahr

Parallel zur Ausbreitung des Zika-Virus wurden jedoch im Spätjahr 2015 in Teilen Brasiliens ungewöhnlich viele Neugeborene mit Schädel-Hirn-Fehlbildungen gemeldet, sogenannte Mikrozephalie. Genetisches Material von Zika-Viren konnte aus dem Fruchtwasser, sowie aus Blut und Gewebe von Kindern mit Mikrozephalie gewonnen werden. Auch im Gefolge eines Ausbruchs in Französisch Polynesien war dies beobachtet worden. Ob das eine die Ursache des anderen sein könnte, ist momentan Gegenstand intensiver Forschung.

Dabei hatte die Region gerade erst einen ganz ähnlichen Ausbruch hinter sich gebracht - das Chikungunya-Fieber, gleichfalls durch Aedes-Mücken übertragen, hatte sich von 2013 bis 2015 erstmals in Mittel- und Südamerika und in der Karibik ausgebreitet. Weit über eine Millionen Fälle wurden geschätzt. Das Interesse der Medien lag zu dieser Zeit jedoch woanders: Ebola in Westafrika war ungleich spektakulärer, Chikungunya blieb unbeachtet.

Die Mücken waren schon fast bekämpft

Eine erfolgreiche Vektorbekämpfung ist nicht einfach, aber längst überfällig. Viele Infektionskrankheiten würden gleichzeitig zurückgedrängt. Mitte des 20. Jahrhunderts war man bereits so weit gewesen. Erfolgreiche Programme hatten zur weitgehenden Ausrottung von Aedes aegypti in Südamerika geführt.

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Weil Geld fehlte, stellten jedoch viele Länder Anfang der 1970er-Jahre ihre Programme ein - und die Mücken kamen zurück. Dafür scheint man jetzt bezahlen zu müssen. Hätte sich die Weltgemeinschaft bereits zu Beginn des Chikungunya-Ausbruchs im Dezember 2013 effektiv der Bekämpfung der Überträgermücken gewidmet, hätte sich das Zika-Fieber nicht derart ausbreiten können.

Auch dem Dengue-Fieber würde eine effektive Mückenbekämpfung Einhalt gebieten. Dengue ist kaum mehr eine Schlagzeile wert, dabei erkranken jedes Jahr knapp 100 Millionen Menschen, 30-mal mehr als vor 50 Jahren. Die Ursachen für die Zunahme von durch Mücken übertragenen Virusinfektionen sind vielfältig. Bevölkerungswachstum und Verstädterung, Klimawandel, internationaler Handel und Tourismus spielen eine Rolle.

Aedes-Mücken brüten gerne in menschlicher Umgebung. Kleinste Wassermengen in Regentonnen, Blumenkübeln, Müll und Autoreifen reichen als Brutstätten aus. Tropische Großstädte sind ein Mückenparadies. Resistenzen gegen Insektizide nehmen zu.

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Vorsicht ist geboten, vor allem für Schwangere

Manche Länder greifen daher zu drastischen Maßnahmen: Wer in Singapur mit potenziellen Mückenbrutstätten auf seinem Grundstück ertappt wird, zahlt ein hohes Bußgeld. Forscher arbeiten an innovativen Methoden, wie der Züchtung genetisch modifizierter Mücken, deren Nachkommen nicht überlebensfähig sind oder entwickeln Moskitos, bei denen Bakterien die Vermehrung von Viren im Insekt verhindern.

Ist Angst vor Zika berechtigt? Da derzeit eine Schädigung Ungeborener nicht ausgeschlossen werden kann, sollten Schwangere oder Frauen mit unmittelbarem Kinderwunsch von Reisen in die Zika-Gebiete absehen. Ob Zika auch sexuell übertragbar ist, bleibt abzuwarten. Eine Übertragung durch Mücken in Deutschland dürfte die Ausnahme sein.

Camilla Rothe, 41, ist Oberärztin an der Bernhard-Nocht-Ambulanz für Tropenmedizin in Hamburg.

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