Wetterphänomen Sahara staubt über Deutschland

Staub über Europa

(Foto: Universität Athen)

Der Himmel milchig-trüb, die Wolken rot: Ungewöhnlich viel Saharastaub geht gerade über Deutschland nieder. Das Phänomen könnte noch einige Tage anhalten.

Von Andreas Frey

Die ersten Wetterstationen haben den Besuch aus Afrika bereits vermeldet. Staub aus der Sahara ist am Mittwoch im Süden eingetroffen und hat dort quasi gleich Farbe bekannt. Gelb, ocker oder rot leuchtet der Himmel derzeit an zahlreichen Orten über Deutschland. Am intensivsten ist das Lichtschauspiel bei Sonnenaufgang und -untergang zu beobachten. Eine stramme Südströmung wird das Mitbringsel aus der Wüste bis Freitag über das ganze Land verteilen, sagt Anna Wieczorek vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Dass der Sand über eine so große Fläche niedergeht, ist eher selten: Normalerweise tritt das Phänomen lediglich in Bayern und Baden-Württemberg auf - und zwar fünf bis 15-mal pro Jahr. Diesmal breitet sich der Saharastaub hingegen bis zur Ostsee aus.

Weit gereister Wüstenstaub

Und nicht nur das: Mit dem Staub strömt Frühsommerluft bis weit nach Norden. Im Südwesten erwarten die Meteorologen 25 Grad und mehr. Die winzig kleinen Mineralstaubpartikel regen allerdings die Wolkenbildung an und tauchen die Sonne deshalb vielerorts in ein milchiges Licht. "Das Sonnenlicht interagiert mit dem Staub, deswegen wird der Himmel milchiger und die Sonne erscheint in der Dämmerung gelblich statt rot", sagt Patric Seifert vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig. "Rund zehn Prozent des Sonnenlichts wird so gestreut."

Vor allem am Rand von Mittelgebirgen können die Wolken weit in die Höhe wachsen. Steigen sie hoch genug, fällt sogenannter Glutregen, der den Staub aus der Atmosphäre auswäscht. Häufig blitzt und donnert es dazu. Über Glutregen freuen sich vor allem Autowaschanlagenbetreiber, wie zuletzt Mitte Februar rund um München.

In England wurde aufgrund der derzeitigen Wetterlage Smogalarm ausgelöst, die Sicht ist teilweise deutlich eingeschränkt.

Smog über London

(Foto: Getty Images)

Der Saharastaub hat jedoch nur bedingt damit zu tun, schuld sei eher ein Hochdruckgebiet, das den Feinstaub des Autoverkehrs am Boden halte, vermutet Seifert. Auch in Deutschland steigen aktuell wegen des warmen Wetters die Feinstaubwerte:

Feinstaubbelastung Feinstaubbelastung

(Foto: Universität Köln)

Hoher Nährstoffgehalt

Die höchste Saharastaubkonzentration wird voraussichtlich am Freitag erreicht, schätzen die Troposphärenforscher. "Bis Freitagabend wird uns der Wüstenstaub erhalten bleiben", sagt Seifert. Dann ziehe die Staubwolke Richtung Osteuropa weiter.

Je nach Ursprungsort setzt sich der Staub aus verschiedenen Mineralien und Nährstoffen zusammen. Im Schnitt wehen 1,8 Millionen Tonnen davon Jahr für Jahr als Luftfracht nach Deutschland. Die Sahara ist der größte Produzent von Wüstenstaub auf der Erde, 60 bis 200 Millionen Tonnen werden jährlich um den Planeten getragen. Wegen des hohen Nährstoffgehalts dient er als Dünger. So belebt damit die Sahara indirekt das Leben im Atlantik, indem eingetragenes Eisen und Stickstoff das Plankton gedeihen lassen.

Und selbst im fernen Amazonas-Gebiet in Südamerika ist Saharastaub ein wichtiger Nährstofflieferant. Allerdings verbreiten sich mit dem Höhenwind auch Krankheitserreger. Meningitis-Epidemien in der Sahelzone sollen mit Saharastaub-Ausbrüchen zusammenhängen.

Auf dieser interaktiven Karte der Universität Athen können Sie den Verlauf der Staubwolke sehen: http://forecast.uoa.gr/dustindx.php