Weltklimagipfel in Doha Die "heiße Luft" muss weg

Das gesteht vielen osteuropäischen Staaten Unmengen "heißer Luft" zu, was bedeutet: Viele der einstigen Ostblock-Länder haben ihre Klimaziele längst übererfüllt - aber nur weil ihre maroden Industrien einst drastisch schrumpften. Die entsprechenden Emissions-Gutschriften stehen auf den Klimakonten der Länder als dickes Plus; sie sind sogar international handelbar.

Was aber passiert mit dieser "hot air", wenn 2013 die neue Episode des Kyoto-Protokolls beginnt? Streit zieht auf. Denn Russland, die Ukraine, aber auch das EU-Land Polen wollen daran nichts ändern: Sie wollen die Emissionsrechte längst untergegangener Fabriken weiter auf dem internationalen Kohlenstoffmarkt feilbieten.

"Wenn die 'hot air' drinbleibt, dann ist das Kyoto-Protokoll ad absurdum geführt", sagt Martin Kaiser, Klimaexperte bei Greenpeace. "Länder wie Russland und Polen können den gesamten Klimaschutz unterminieren." Getragen wird das Kyoto-Protokoll künftig ohnehin nur noch von der EU, Australien, der Schweiz und Norwegen. Nur sie wollen abermals feste Klima-Pflichten eingehen.

Gedacht ist die Kyoto-Verlängerung ohnehin nur für den Übergang. Denn in Durban vereinbarten die Staaten im vorigen Jahr, ein neues Abkommen bis spätestens 2015 auszuhandeln. Nur fehlt so etwas wie ein konkreter Arbeitsplan für die verbleibenden drei Jahre, er soll in Doha erstellt werden, ebenso wie ein neuer Verhandlungsrahmen.

Bisher verhandelten die Staaten in unterschiedlichen Foren teils parallel zu denselben Themen. Das gilt es zusammenzuführen. Auch ist unklar, wie sich die wachsende Lücke zwischen den Klimazielen einzelner Staaten und den Notwendigkeiten des Klimaschutzes überbrücken lassen. Denn die Verpflichtungen, die verschiedene Länder nach der Klimakonferenz in Kopenhagen abgaben, reichen nicht aus, um einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern.

Politische Ausgangslage: diffus

"Die Regierungen müssen dringend festlegen, wie sie zu anspruchsvolleren Zielen kommen können", verlangt Christiana Figueres, Chefin des UN-Klimasekretariats. Ähnlich bei den Finanzen: Zwar versprachen die Staaten den Entwicklungsländern schon in Kopenhagen Milliarden, damit diese mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen. Wie sie aber das Geld von 2013 an zusammenbringen wollen, blieb offen.

Die politische Ausgangslage ist diffus. Die EU, lange Jahre Antreiberin in der Klimapolitik, ist verstrickt in ihre Finanzkrise. Polen bremst konsequent alle Bemühungen Brüssels, wieder zum Vorreiter zu werden. Die deutsche Bundesregierung, ehedem Vorreiterin, streitet darüber, wie weit Klimaschutz gehen darf.

Von der Haltung der Europäer allerdings hängt auch ab, ob es noch einmal zu einem breiten Bündnis wie im vorigen Jahr in Südafrika kommen wird: Damals bildete die EU spontan eine Allianz mit Inselstaaten und Entwicklungsländern - und verhalf der Konferenz so zum Erfolg.

Völlig offen ist auch, wie sich die neue chinesische Führung beim Klimaschutz verhält. Zuletzt hatte China wichtige Fortschritte zumindest nicht mehr blockiert, das allein war ein Fortschritt. Die Erwartungen an die USA im Klimaschutz sind auch nach der Wiederwahl Barack Obamas gering. Schon warnen Klimadiplomaten vor "fliehenden Kräften" in der Staatengemeinschaft, die ihre Zusagen aus dem vorigen Jahr gern tilgen würden.

Und das alles ausgerechnet im Ölstaat Katar? Umweltschützer sind dennoch optimistisch: Mit seiner vergleichsweise aufgeschlossenen Regierung könne Katar sogar notorische Bremser wie Saudi-Arabien unter Druck setzen. "Für ein gutes Ergebnis", sagt Wael Hmaidan, Chef des Klimagruppen-Netzwerks CAN, "könnte Katar am Ende sogar die entscheidende Rolle spielen."