Umwelt Wie Schmutz den Südpol entdeckte

Mit der Industrialisierung rauchten die Schlote. Und was Minen, Stahlschmelzen und Motoren ausstießen, flog um die Welt. Sogar an Orte, an denen Menschen bis dahin nie waren.

Als der Norweger Roald Amundsen im Dezember 1911 eine Flagge in das Eis des Südpols rammte, war er zwar der erste Mensch, der diesen Ort erreichte. Aber er hinterließ dort nicht die ersten menschengemachten Artefakte. Tatsächlich stapften Amundsen und wenige Wochen danach sein Konkurrent Robert Falcon Scott keineswegs über unberührten Schnee, sondern über eine Menge Blei und anderen Dreck. Seit 130 Jahren bereits, so berichten es Forscher um Joe McConnell vom amerikanischen Nevada Desert Research Institute, hinterlässt das Industriezeitalter in Form verschmutzter Luft eindeutige Spuren im ewigen Eis.

Die jährliche Rate der Bleiverschmutzung aus Minen, Metallschmelzen, Fabrikschloten und Verbrennungsmotoren ließ sich anhand von 16 aus verschiedenen Stellen des antarktischen Eises gefrästen Bohrkernen detailliert nachverfolgen, schreiben die Experten in Scientific Reports. Den Daten zufolge sind auf dem Südkontinent in den vergangenen 130 Jahren 660 Tonnen Blei niedergeregnet.

Es sei völlig klar, dass die industrielle Bleiverschmutzung am Ende des 19. Jahrhunderts überall in der Antarktis einsetzte, sagt McConnell, "mehr als zwei Jahrzehnte, bevor die ersten Entdecker den Südpol erreichten." Zu jener Zeit stieg die Bleiablagerung in der Antarktis auf ein Niveau, das im 20. Jahrhundert nicht mehr übertroffen wurde. Der Beginn des Bergbaus und der Metallverarbeitung in australischen Orten wie Broken Hill trugen hierzu in besonderem Maße bei. Betrachtet man den weiteren jährlichen Verlauf der Verschmutzung, was mit einer präzisen Analyse der atomaren Bestandteile von Eisbohrkernen möglich ist, so zeigen sich historische Einschnitte, in denen die Verschmutzung phasenweise weniger heftig ausfiel. Hierzu gehören die Weltkriege sowie die Zeit der Depression am Beginn der 1930er Jahre. Die absolute Menge Schmutz und Schwermetall im ewigen Eis ist natürlich viel geringer als auf den meisten anderen Kontinenten. Und doch ist beeindruckend, dass die menschengemachten Abgase diesen Winkel der Erde messbar betroffen haben.

Tatsächlich zeigen die Daten einen Höhepunkt der Verschmutzung um das Jahr 1900 herum, der bis in die 1920er-Jahre anhielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Ablagerung von Dreck bis 1975 erneut an, um danach bis 1990 auf hohem Niveau zu verharren. Seither ist die jährliche Verschmutzung zurückgegangen, wobei die aktuelle Rate der Ablagerungen noch immer um einen Faktor vier über dem vorindustriellen Niveau liegt.