Eigentlich sollten die Tsunami-Warnbojen auf hoher See längst Indonesiens Bevölkerung vor verheerenden Flutwellen warnen können. Deutschland hat Millionen Euro in das Projekt investiert. Doch keine der aus Deutschland gelieferten Bojen ist in Betrieb. Die Geschichte einer guten Idee und einer gescheiterten Umsetzung.
Verbeult, verschmutzt und definitiv nicht einsatzfähig. In diesem Zustand waren die Messbojen, die ein ARD-Fernsehteam im indonesischen Hafen von Padang entdeckt hat. Sie waren als Teil des von Deutschland konzipierten und aufgebauten Tsunami-Warnsystems für die Region geplant.
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Deutschland hatte sich maßgeblich am Ausbau eines Tsunami-Warnsystems beteiligt und dazu auch einige Hochsee-Bojen nach Indonesien geliefert. Inzwischen zweifeln die Forscher jedoch am Sinn der gelben Tonnen. Hier ein Archiv-Bild von der Wartung der Boje auf dem Gelände einer Reederei in Hamburg. (© ddp)
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Eigentlich sollten die gelben Tonnen auf hoher See verankert sein und in einem weitreichenden Netzwerk von Messgeräten dazu beitragen, die Bevölkerung des Inselstaates vor Flutwellen wie jener vom Dezember 2004 zu warnen. Erst im März war das Tsunami-Warnsystem unter Beteiligung des deutschen Staatssekretärs Thomas Rachel an die Behörden Indonesiens übergeben worden. Von den geschätzten 100 Millionen Euro Gesamtkosten trug Deutschland 45 Millionen. Es sollte ein großzügiges Zeichen der Hilfsbereitschaft sein.
Doch die Entdeckung in Padang machte klar: Mit dem in den Medien oft beschriebenen Tsunami-Warnsystem läuft nicht alles rund. Auf Nachfragen bei dem zuständigen deutschen Projektleiter, Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum Potsdam, stellt sich nun heraus: Von neun aus Deutschland gelieferten Tsunami-Bojen ist keine einzige in Betrieb. Auch andere Bojen aus den USA sind ausgefallen, zum Teil verschollen, von weiteren acht Bojen indonesischer Herstellung ist höchstens eine aktiv.
Bereits vor einem Jahr war bekannt geworden, dass eine der deutschen Bojen wohl infolge einer Schiffskollision verschollen ist. Fünf weitere der gelben Hightech-Tonnen liegen nun in Padang, vier beschädigte sowie eine noch unbenutzte. "Von den drei übrigen, die noch vor Sumatra liegen, wissen wir nichts", sagt Lauterjung, zu diesen sei der Funkkontakt abgebrochen. "Offenbar ist es in Indonesien versäumt worden, die Bojen zu warten, mal rauszufahren, um die Batterien zu prüfen oder die Solarzellen zu putzen", klagt der Projektchef.
Lauterjung vermutet, dass Fischer die Bojen auch zum Festmachen ihrer Boote benutzten. Bereits als die Messgeräte in den vergangenen Jahren nach und nach ausfielen, habe es von indonesischer Seite keine Bemühungen gegeben, daran etwas zu ändern, so der Experte. "Die gesamte Infrastruktur ist im März übergeben worden, damit liegt die Verantwortung nun bei den Indonesiern", sagt Lauterjung. Im Übergabeprotokoll sei der Zustand der Bojen vermerkt worden, ebenso wie der Hinweis auf nötige Wartungsmaßnahmen.
Sonderlich erschüttert über den Ausfall der Bojen zeigen sich indes weder Projektleiter Lauterjung noch seine Kollegen am Deutschen Geoforschungszentrum. Seitdem das Warnsystem im Jahr 2005 entwickelt wurde, habe man gelernt, dass für Indonesien, mit Vorwarnzeiten von nur wenigen Minuten, andere Messinstrumente für Tsunami-Meldungen besser geeignet seien als die Hochseebojen. Insbesondere mit hochpräzisen GPS-Empfängern, von denen in Indonesien gut 160 Stück verteilt sind, kann man nach einem Beben feststellen, wie sich der Ozeanboden verformt hat.
"Das ist die entscheidende Information für die Tsunami-Modellierung und für eine schnelle Warnmeldung", sagt Lauterjung, weshalb das Warnsystem auch ohne die Bojen funktioniere. Müsste er das Warnsystem für diese Region noch einmal konzipieren, würde er komplett auf Bojen verzichten. Von den 45 Millionen Euro des deutschen Beitrags zum indonesischen Warnsystem haben diese drei Millionen Euro gekostet - reines Lehrgeld, wie sich nun zeigt.
- Bali Schweres Erdbeben löst Panik aus 13.10.2011
(SZ vom 18.10.2011/olkl)
Zum journalistschen Anstand gehört es, wenn man nachträgliche Änderungen im Artikel kennzeichnet und nicht heimlich vornimmt.
Wenn man das ganze eh wesentlich einfacher und sogar verlässlicher gestalten kann, in dem man sogar schon bei Entstehung der Welle, wenn die Erde bebt, eine Vorwarnung bekommt... wofür wurden dann 50 Mille für Bojen aus Deutschland ausgegeben???
Da war wohl der Bojen-Hersteller mit dem Richtigen golfen und hat sich die Taschen gefüllt, natürlich rein im Dienste der Welt-Rettung.
"Deutschland hat Idonesien ein funktionierendes System geschenkt und Indonesien hat es kaputt gehen lassen. "
Mit Verlaub, die Dinger haben nie funktioniert, in dem Sinn das die Teile Ihrer Fühwarnfunktion gerecht werden.
Daher ist es leider nichts anderes nutzloser Schrott.
Bitte differenzieren Sie folgendermaßen: ...ein grelles Licht auf die großen Forschungsinstitute der Geowissenschaften, welche den Großteil der Forschungsmittel für sich verbuchen können. So wird die Welt überzogen mit teuren hochtechnologischen Punktmessungen jeglicher Art und daraus Pseudorealität modelliert und mit bunten Bildern visualisiert - am besten in 3D. An den Universitäten darben eher bodenständige Geowissenschaften ob ausbleibender Gelder oder sie werden komplett wegrationalisiert. Projekte die nicht mit Prestige und Medienrummel einhergehen, beispielsweise Grundlagenforschung beispielsweise in Deutschland werden verächtlich als Heimatkunde abgetan. Dabei entsteht ein kompletteres Verständnis komplexer Geosysteme erst mit der angemessenen Erkenntnistiefe. Da gäbe es auch hierzulande noch viel zu tun, aber man beginnt hier immerhin nicht bei Null.
Oje: »Und die Dinger sind wohl offensichtlich Schrott, wenn man nach 10 Jahren 100% Ausfallquote hat. «
Nach 10 Jahren ist auch ein simples Fahrrad kaputt, wenn man es nicht wartet. Die Bojen sind wesentlich komplexer.
Welch lieblicher Klassiker der manipulativen Argumentation:
»Deutschland sollte lieber seine Ingeneiurenergie z. B. darauf verwenden, dass die Berliner S-Bahn im bevorstehenden Winter zuverlässig fährt. Bei tiefer werdenden Temperaturen schwant einen schon wieder Böses, weil Türen, Weichen etc. einfrieren und wieder alles still stehen wird.«
Was das eine mit dem anderen zu tun hat, wüsse ich gerne. Wir haben genug Kapazitäten beides zu tun. In Berlin scheint es aber eher am Geld zu hapern, in Indonesien war es ein - aus meiner Sicht vorhersehbarer - Kommunikationsfehler.
Aber wie gesagt, eine herrliche Blüte der Manipulationstechnik: Wir sollten lieber B tun statt A (obwohl kein Zusammenhang besteht).
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