Frühwarnsystem für Indonesien Tsunami-Warnbojen, die nichts bringen

Eigentlich sollten die Tsunami-Warnbojen auf hoher See längst Indonesiens Bevölkerung vor verheerenden Flutwellen warnen können. Deutschland hat Millionen Euro in das Projekt investiert. Doch keine der aus Deutschland gelieferten Bojen ist in Betrieb. Die Geschichte einer guten Idee und einer gescheiterten Umsetzung.

Von Patrick Illinger

Verbeult, verschmutzt und definitiv nicht einsatzfähig. In diesem Zustand waren die Messbojen, die ein ARD-Fernsehteam im indonesischen Hafen von Padang entdeckt hat. Sie waren als Teil des von Deutschland konzipierten und aufgebauten Tsunami-Warnsystems für die Region geplant.

Deutschland hatte sich maßgeblich am Ausbau eines Tsunami-Warnsystems beteiligt und dazu auch einige Hochsee-Bojen nach Indonesien geliefert. Inzwischen zweifeln die Forscher jedoch am Sinn der gelben Tonnen. Hier ein Archiv-Bild von der Wartung der Boje auf dem Gelände einer Reederei in Hamburg.

(Foto: ddp)

Eigentlich sollten die gelben Tonnen auf hoher See verankert sein und in einem weitreichenden Netzwerk von Messgeräten dazu beitragen, die Bevölkerung des Inselstaates vor Flutwellen wie jener vom Dezember 2004 zu warnen. Erst im März war das Tsunami-Warnsystem unter Beteiligung des deutschen Staatssekretärs Thomas Rachel an die Behörden Indonesiens übergeben worden. Von den geschätzten 100 Millionen Euro Gesamtkosten trug Deutschland 45 Millionen. Es sollte ein großzügiges Zeichen der Hilfsbereitschaft sein.

Doch die Entdeckung in Padang machte klar: Mit dem in den Medien oft beschriebenen Tsunami-Warnsystem läuft nicht alles rund. Auf Nachfragen bei dem zuständigen deutschen Projektleiter, Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum Potsdam, stellt sich nun heraus: Von neun aus Deutschland gelieferten Tsunami-Bojen ist keine einzige in Betrieb. Auch andere Bojen aus den USA sind ausgefallen, zum Teil verschollen, von weiteren acht Bojen indonesischer Herstellung ist höchstens eine aktiv.

Bereits vor einem Jahr war bekannt geworden, dass eine der deutschen Bojen wohl infolge einer Schiffskollision verschollen ist. Fünf weitere der gelben Hightech-Tonnen liegen nun in Padang, vier beschädigte sowie eine noch unbenutzte. "Von den drei übrigen, die noch vor Sumatra liegen, wissen wir nichts", sagt Lauterjung, zu diesen sei der Funkkontakt abgebrochen. "Offenbar ist es in Indonesien versäumt worden, die Bojen zu warten, mal rauszufahren, um die Batterien zu prüfen oder die Solarzellen zu putzen", klagt der Projektchef.

Lauterjung vermutet, dass Fischer die Bojen auch zum Festmachen ihrer Boote benutzten. Bereits als die Messgeräte in den vergangenen Jahren nach und nach ausfielen, habe es von indonesischer Seite keine Bemühungen gegeben, daran etwas zu ändern, so der Experte. "Die gesamte Infrastruktur ist im März übergeben worden, damit liegt die Verantwortung nun bei den Indonesiern", sagt Lauterjung. Im Übergabeprotokoll sei der Zustand der Bojen vermerkt worden, ebenso wie der Hinweis auf nötige Wartungsmaßnahmen.

Sonderlich erschüttert über den Ausfall der Bojen zeigen sich indes weder Projektleiter Lauterjung noch seine Kollegen am Deutschen Geoforschungszentrum. Seitdem das Warnsystem im Jahr 2005 entwickelt wurde, habe man gelernt, dass für Indonesien, mit Vorwarnzeiten von nur wenigen Minuten, andere Messinstrumente für Tsunami-Meldungen besser geeignet seien als die Hochseebojen. Insbesondere mit hochpräzisen GPS-Empfängern, von denen in Indonesien gut 160 Stück verteilt sind, kann man nach einem Beben feststellen, wie sich der Ozeanboden verformt hat.

"Das ist die entscheidende Information für die Tsunami-Modellierung und für eine schnelle Warnmeldung", sagt Lauterjung, weshalb das Warnsystem auch ohne die Bojen funktioniere. Müsste er das Warnsystem für diese Region noch einmal konzipieren, würde er komplett auf Bojen verzichten. Von den 45 Millionen Euro des deutschen Beitrags zum indonesischen Warnsystem haben diese drei Millionen Euro gekostet - reines Lehrgeld, wie sich nun zeigt.