Man kann es tragisch finden, aber es ist wohl so, dass menschliche Lebensart prinzipiell den Tieren schadet. Wer glaubt, dass alle Wesen auf diesem Planeten in friedlicher Eintracht miteinander leben könnten, romantisiert die Natur. Das heißt nicht, das alles erlaubt sein muss. So sind Tierversuche für die Entwicklung von Kosmetika in Deutschland seit 1998 verboten. An Menschenaffen wird seit 1991 nicht mehr geforscht.
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In Bremen steht nun die Entscheidung darüber an, ob Andreas Kreiter Grenzen überschreitet. Auch hier ist eine rationale Diskussion nur schwer möglich, weil allein schon die Versuchsbeschreibung Grusel-Phantasien bedient: Die Makaken sitzen bis zu vier Stunden mit fixiertem Kopf im Primatenstuhl und blicken auf einen Monitor, während implantierte Elektroden die Reaktionen einzelner Nervenzellen auf visuelle Stimuli messen. Wenn sie auf die richtige Taste drücken, werden sie mit Saft belohnt. So wollen die Forscher unter anderem herausfinden, wie die Neuronen untereinander kommunizieren, wenn sie die Welt abbilden - ein zentrales Thema der Neurowissenschaft.
Eingriffe unter Vollnarkose
Andererseits: Die Zugänge zum Gehirn werden den Tieren unter Vollnarkose gelegt, die Elektroden spürt das Tier nicht, weil das Gehirn aus schmerzfreier Materie besteht. Sie sind so dünn, dass es nicht zu Ausfallerscheinungen kommt. Die Tiere arbeiten freiwillig bei dem Experiment mit, andernfalls - so versichern Forscher - wäre es nicht durchzuführen. Zwar bekommen die Tiere am Versuchstag nur wenig zu trinken, sodass sie durstig nach Belohnung lechzen. Eine Qual ist das aber nicht.
Das eigentliche ethische Problem ist daher weniger die Art dieses Experiments als die Frage, ob entwicklungsgeschichtlich hochstehende Tiere wie Primaten überhaupt für die Wissenschaft eingesetzt werden dürfen. Dagegen steht der Zweck: Auch wenn solche Grundlagenforschung natürlich nicht sofort medizinische Anwendungen produziert, steht doch fest, dass ein besseres Verständnis des Gehirns die Voraussetzung ist für neue Therapien verbreiteter neurologischer Erkrankungen wie Schizophrenie oder Demenz. Mutig, wer hier ein schnelles Urteil fällen kann.
Deshalb zum Schluss nur eine Anekdote: 1966 brach in einer Schimpansenkolonie im ostafrikanischen Gombe eine Polioepidemie aus. Die Primatenforscherin Jane Goodall - eine entschiedene Tierversuchsgegnerin - ließ daraufhin einen ursprünglich für Menschen entwickelten Impfstoff einfliegen und verfütterte ihn mit Bananen an die Affen. Die Aktion hatte Erfolg. Für die Erforschung der Kinderlähmung und die Entwicklung dieses Impfstoffes wurden, so berichtet sein Entdecker Albert Sabin, 9000 Affen und mehr als 100 Schimpansen eingesetzt.
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(SZ vom 29.05.2010/mcs)
Mubarak-Prozess in Ägypten
Versuche an Affen sind aus ethischen Gründen zu verbieten. Es gibt keine Rechtfertigung für diese Experimente. Versuche an Affen liefern keine Ergebnisse, die vorbehaltlos auf den Menschen übertragen werden können. Versuche an Affen führen in der Forschung nicht weiter und müssen deshalb auch aus methodischen Gründen abgeschafft werden. Denn die falschen Rückschlüsse, die aus Tierexperimenten gezogen werden, dienen nicht selten der Rechtfertigung, für den Menschen schädliche Produkte oder Technologien auf den Markt zu bringen. Wir brauchen nicht mehr Tierversuche, sondern neue, intelligente Lösungsansätze. Tierversuchsfreie Forschungsmethoden bieten solche Möglichkeiten. Deshalb müssen finanzielle und personelle Mittel, die bisher ganz selbstverständlich in Tierexperimente geflossen sind, für eine tierversuchsfreie Forschung freigegeben werden.
Liebe Kommentatoren, es schein mir ja so als ob ihr Gegener von Tierversuchen seid und nur wieder auf den Teil eingeht wo über Tierversuche an Affen geredet wird. Leider habt Ihr übersehen worum es wirklich geht, nämlich den Vergleich von Haltungen in verschiedenen Branchen. Ich habe gesehen wie mit Tieren im Schlachthof und in Labors umgegangen wird und muss euch sagen werdet Vegetarier. Die Viehhaltung beginnt schon sehr grausam ab dem ersten Tag der Geburt, Kälbchen werden sofort von ihrer Mutter getrennt und mit Milchersatzmitteln gefüttert da die gute Milch der Mutter für den Mensch bestimmt ist. Die Kälbchen werden gesammelt in ein kleines Gehege vor dem Bauernhof gesperrt, damit passanten sich die Tiere anschauen können. Gut denk man sich, das ist doch nicht so schlimm aber worauf ich hinaus will ist das es in Laboratorien Vorschriften gibt wieviel Platz Tiere mindestens haben müssen und in der Landwirtschaft kümmert sich niemand darum. Macht doch mal ein Praktikum im Schlachthof und ich verspreche euch, danach werdet ihr nicht mehr gegen Tierversuche sein sondern Gegner der kommerziellen Viehzucht. Wir freuen uns alle immer wenn bei ALDI & Co. das Fleisch billiger wird, aber das ist nur möglich wenn man bei der Haltung wieder Einsparungen gemacht hat. Ich bin KEIN Mitarbeiter der Pharmabranche und möchte mein Arbeitsplatz verteidigen, ich bin einfach nur realistisch. Wenn Tierschützer denken sie tun Gut daran, hierzulande gegen Tierversuche zu kämpfen, haben sie die Rechnung nicht zu Ende gedacht. Dann werden die Versuche eben irgendwo in Asien oder Amerika gemacht und da haben die Versuchstiere kein so ein "Luxusleben" wie in unseren Laboren. Klar muss man festlegen wo die Grenzen sind und was einen sinnvollen Nutzen hat, aber grundsätzlich gegen Tierversuch zu sein ist dumm.
Die Welt ist nicht nett - um zu dieser Erkenntnis zu gelangen ist der vorliegende Artikel sicherlich entbehrlich, denn sie ist so alt wie die Menschheit. Die implizierte moralische Konsequenz erscheint mir jedoch verhängnisvoll: Es ist dem Menschen prinzipiell nicht möglich ein Leben ohne Schuld zu führen, folglich sei es auch zwecklos danach zu streben. Diese Form des Fatalismus ist natürlich Wind in den rhetorischen Segeln jener, welche ihr unmoralisches Handeln zu entschuldigen suchen. Selbstverständlich rechtfertigt die Notwendigkeit, zum Zwecke der Selbsterhaltung, andere Lebewesen zu schädigen oder zu töten nicht im geringsten rücksichtsloses und maßloses Verhalten! Für diese Einsicht bedarf es die vom Autor angeführte Romantik nicht. Entsprechend hinfällig sind die folgenden Ausführungen unserer Unfähigkeit zum moralischen Umgang mit unserer Umwelt. Zudem letztere zu leichtfertig gewählt wurden: Da Tiernahrung aus Fleischabfällen hergestellt werden, tragen diese gegenwärtig nicht ursächlich zur Tötung von Tieren bei. Es ist selbstverständlich besser den Tod von 500.000 Tieren durch Mähmaschinen in Kauf zu nehmen, als 60 Millionen "Nutztiere" des reinen Vergnügens wegen zu schlachten. Und natürlich würden die von der Jagd befreiten Rehe nicht den Wald zerstören, wenn wir den größtenteils ausgerotteten Raubtieren wieder eine Chance gäben.
Es bleibt positiv anzumerken dass unser Umgang mit Tieren überhaupt als unmoralisch erkannt wurde: in unserer durch christliche Ideologie geprägten Gesellschaft, welche großteils nicht einmal realisiert, dass der Mensch ein Säugetier ist, leider keine Selbstverständlichkeit.
Ich stimme EPetras voll zu und gehe noch weiter. Wenn es so ist, dass die Versuche mit Menschen nicht durchgeführt werden dürfen, dann doch mit Tieren erst recht nicht. Was gibt uns das das Recht, dass wir für uns beanspruchen, über den Tieren zu stehen? Wir sind eine gleichberechtigte Laune der Natur, die sich diesen Planeten für einen bestimmten Zeitabschnitt mit den Tieren teilt.
Von "meiner" Süddeutschen bin ich normalerweise gute Rechercht und ausgewogene Berichterstattung gewohnt, doch dieser Artikel weist beide Elemente leider nicht auf.
1. Allein die Fixierung im Primatenstuhl ist so belastend, dass Studenten, dies schon nach kurrzer Zeit abbrachen, weil sie es nicht länger aushielten. Es ist zynisch, von Freilwilligkeit zu reden und den Tieren gleichzeitig Wasser zu entziehen - weder Menschen noch andere Primaten halten Wasserentzug über längere Zeit aus. Es besteht Konsens darüber, dass auch dies belastend wirkt. Und natürlich geht eine OP trotz Narkose hernach zumeist mit Schmerzen einher, schließlich wird die Schädeldecke aufgebohrt. Wenn Forscher dies bagatellisieren, mag dies ein Selbstschutzverhalten sein. studien belegen, dass Forscher das Leiden ihrer Versuchstiere sehr oft als zu neidrig einschätzen. Auch Forscher sind eben nicht gegen den "Wunsch als Vater des Gedankens" gefeit. Unseriös wird es, wenn Journalisten dies ungeprüft übernehmen. "[...]werden mit Saft belohnt" ist ein zynischer Euphemismus, die Gegenseite wrude offensichtlich nur oberflächlich oder gar nicht angehört.
- Die Forschungen sind immerhin seit 20 Jahren gelaufen und haben für den Menschen kaum etwas gebracht. Zu erwarten, dies würde ausgerechnet jetzt passieren, ist naiv. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fürchtet schlicht einen Präzedenzfall, daher unterstützt sie Kreiter. Sehr viele Froscher forschen eben auf diese Weise, weil sich die Methode etabliert hat. Sie haben so Doktortitel erworben, sind diese Art von Forschung gewohnt und wollen sie gern weiterführen. Die Ausstattung ist zumeist vorhanden und Publikationen fallen auf diese Weise leicht. Doch: Die Methode musste nie die strengen Validierungsverfahren durchlaufen, die für Alternativmethoden vorgeschireben sind. Eine Übertragung der Froschungsergebnisse auf den Menschen ist immer schwierig und auch bei Primaten nicht so einfach gegeben. Wäre es nicht so, wären Affen Menschen und man dürfte ohnehin nicht mit ihnen experimentieren. Dei Froschugnsergebnisse sind daher oft nicht verwertbar oder irreführend. Nebenwirkungen von Medikamenten werden in den meisten Fäleln erst am Menschen erkannt, so schlecht sind die Übertragungschancen. Der Tierversuch führt in diesen Fällen also eine Alibifunktion aus. Eine Umsteuerung in Richtung alternativer Verfahren wäre eine echte Chance auch für die Forschung, weil so mehr Forschung zum günstigeren Preis mög