Tierschutz Persönlichkeitsrechte für Schimpansen

Eine Persönlichkeit haben Schimpansen bestimmt. Nun wollen Tierschützer in den USA Persönlichkeitsrechte für sie einklagen.

Tiere gelten als Sachen. Eine US-Initiative geht nun vor Gericht, um das zunächst für Schimpansen zu ändern. Die Menschenaffen sollen als Rechtspersonen anerkannt werden. Vorbild für die Klage ist der Fall eines Sklaven aus dem 18. Jahrhundert in Großbritannien.

Von David Grimm

Es ist eine Klage, erhoben im Namen von vier Schimpansen: Die Tierrechtler-Initiative Nonhuman Rights Project (NhRP) will an drei Gerichtshöfen im US-Bundesstaat New York die Richter dazu bringen, dass sie Menschenaffen als Rechtspersonen anerkennen und diese aus der Gefangenschaft befreien.

Wenn die NhRP erfolgreich ist, könnte sich eine Jahrtausende alte Rechtspraxis verändern: Tiere würden nicht länger als Sachen und Eigentum der Menschen betrachtet, sondern als Persönlichkeiten mit eigenen Rechten. Das hätte Folgen, insbesondere für die Forschung.

Alles fing an mit einer Überlegung, die der Staatsanwalt Steven Wise aus Boston vor rund 30 Jahren anstellte. Als Mitglied des Animal Legal Defense Fund (ALDF) gehörte er zu einer damals kleinen Gruppe von Anwälten, die an den US-Gerichtshöfen für das Wohl der Haustiere, des Viehs und anderer Geschöpfe kämpfte.

Doch Wise ging weiter. Seine Beschäftigung mit der Kognitionsforschung an Tieren brachte ihn zu der Ansicht, dass etwa Schimpansen und Delfine über so viel Selbstbewusstsein verfügen, dass es der Sklaverei gleichkomme, sie in Gefangenschaft zu halten. "Wir setzen sie einer fürchterlichen Folter aus, und das hat aufzuhören", sagt er. Zugleich sah er eine juristische Lösung für das Problem: Die Gerichte müssten nur anerkennen, "dass das gefangene Lebewesen eine Rechtsperson ist".

Das war eine gewagte These im Jahr 1985 - "das Recht, die Wissenschaft und die öffentliche Meinung waren noch nicht so weit", sagt Wise. Doch er publizierte unermüdlich zu dem Thema, gewann den Eindruck, dass die Stimmung sich langsam drehte etwa gegenüber Tierversuchen oder der Massentierhaltung. "Die Tierrechte hatten den Mainstream erreicht", sagt er. "Ich hatte den Eindruck, dass die Richter bereit waren, meine Argumente anzuhören." 2007 gründete er das NhRP, eine Vereinigung von rund 60 Anwälten, Wissenschaftlern und politischen Experten, die gezielt eine Strategie zur Durchsetzung von Tierrechten entwickelten.

Prozess zur Sklaverei als Vorbild

Ihr Ausgangspunkt ist ein berühmter Fall aus dem Jahre 1772: Der in England vor seinem Besitzer geflohene schwarze Sklave James Somerset war wieder gefasst worden und sollte auf einem Schiff nach Jamaika deportiert werden. Sklavereigegner verfassten eine Petition an Lord Mansfield, den Vorsitzenden der Kammer des Obersten Gerichtshofs in London. Sie baten um eine Haftprüfung gemäß der Habeas-Corpus-Akte.

Mansfield folgte dem Begehren, womit er stillschweigend anerkannte, dass Somerset eine Person ist. Dieser kam schließlich frei. Sein Fall trug wesentlich zur Abschaffung der Sklaverei in England bei. Der Entscheid "wandelte eine Rechtssache in eine Rechtsperson", sagt Wise.

So etwas Ähnliches plant das NhRP jetzt mit den Schimpansen.

Die Gruppe bezieht sich auf zwei wichtige Aspekte des Somerset-Falles: Erstens, sie versucht das Gewohnheitsrecht zu ändern, statt sich auf Gesetze oder die Verfassung zu beziehen. "Gewohnheitsrecht ändert sich, wenn sich die Gesellschaft ändert", sagt Wise. "Richter können sich dort auf ihre eigenen Moralvorstellungen beziehen." Und zweitens beansprucht sie das Recht, dass eine Gruppe in Vertretung von machtlosen Gefangenen - den Schimpansen - eine Haftprüfung beantragen darf.

Fünf Jahre lang feilte die NhRP an ihrer Strategie. So suchte sie nach Gerichten, die vermutlich für Tierrechte aufgeschlossen sind. Nicht zuletzt mussten sie geeignete Klienten ausmachen: "Wir durchsuchten den ganzen Bundesstaat nach gefangenen Schimpansen", sagt Wise.