Tierschlachtung Mit viel Liebe getötet

Illustration, consommation de viande; mit viel liebe getötet Brochette de figurines, porc, vache, mouton, dans une assiette. Alimentation, regime alimentaire, animal d'elevage.; bearbeitet

(Foto: Jean Claude MOSCHETTI/REA/laif)

Deutsche essen gerne Fleisch. Dafür müssen Tiere sterben, aber müssen sie auch leiden? Während der Ekel vor den unwürdigen Praktiken der Schlachthöfe wächst, suchen Forscher nach Auswegen.

Von Kathrin Burger

Selbst die beste Täuschung verliert irgendwann ihre Wirkung. Zum Beispiel, wenn das Kind Fragen stellt. Wo die Hühnerbrust denn herkomme, die man eben aus der Packung gezogen hat - so unblutig, geruchsneutral, frei von Haut und Federn. "Musste das Hühnchen dafür sterben?" Und: " Wie ist es denn gestorben?".

Die Herkunft von Fleisch wird in Zeiten der Massentierhaltung gern verdrängt. Dabei ist das ungute Gefühl, das viele Menschen überkommt, wenn sie ans Töten von Tieren denken, nicht einmal neu. Viele Kulturen haben Rituale entwickelt, um die Scham zu überwinden und den Akt des Tötens zu rechtfertigen.

Aus dem westlichen Alltag sind solche Rituale der Entlastung aber fast verschwunden. Stattdessen wächst die offene Kritik, nicht nur an der Haltung von Tieren, sondern auch an der Schlachtung, in deren Verlauf es fast zwangsläufig zu extremen Tierquälereien durch methodische Fehler kommt.

Jährlich verbluten 300 000 Rinder ohne Betäubung

So wird bei fünf bis neun Prozent der Rinder in Deutschland der sogenannte Entblutestich gesetzt, obwohl die Tiere wegen eines schlampigen Bolzenschusses nicht betäubt sind. In Anbetracht von 3,3 Millionen geschlachteten Rindern verbluten pro Jahr rund 300 000 Tiere in Deutschland bei vollem Schmerzempfinden.

In der Schweinemast sind Betäubungsfehler abhängig von der Methode noch häufiger: Beim Einsatz der Elektrozange, die durch eine hohe Spannung das Schmerzempfinden im Gehirn zerstört, betreffen sie bis zu 12,5 Prozent der Tiere. Bei der häufiger eingesetzten CO2-Betäubung sind es immer noch 3,3 Prozent. Zudem werden bis zu 2,5 Prozent der Schweine nicht richtig entblutet. Sie erwachen auf dem Weg in das heiße Brühwasser der Schlachtkette und werden oft noch lebendig entborstet.

Videos solch grausamer Quälereien, die heimlich von Tierschützern in den Anlagen gedreht werden, hat mittlerweile fast jeder schon einmal auf Youtube oder im Fernsehen gesehen. Es scheint daher nur noch zwei Möglichkeiten zu geben: den völligen Verzicht aufs Fleisch - oder ein konsequentes "Augen zu!" im Angesicht einer so unwürdigen Realität.

Im Schlachthof gilt es, Panik zu verhindern

Aber geht Schlachten wirklich nur so? Oder lässt sich der Tod erträglicher für die Tiere gestalten - und damit ethisch eher vertretbar? Schon auf dem Weg vom Bauernhof zum Schlachter ließe sich einiges verbessern. So weiß die amerikanische Expertin Temple Grandin, dass allein eine ruckfreie Fahrweise beim Transport viel bewirkt. "Sie verhindert, dass Tiere Blutergüsse bekommen, verletzt oder getötet werden", sagt Grandin, die an der Colorado State University forscht.

Studien des Max-Rubner-Instituts in Karlsruhe (MRI) bestätigen zudem, dass die Wagen gut belüftet sein und die Tiere nicht zu gedrängt stehen sollten. Auch Pausen haben einen beruhigenden Einfluss. Es sind lauter Kleinigkeiten, die man für selbstverständlich halten würde - doch im Jahr 2013 lagen fast ein Viertel der Schweine- und 38 Prozent der Rindertransporte weit unter diesem Standard.

Sind die Tiere im Schlachthof angelangt, geht es zuerst darum, Panik zu verhindern. "Vor allem muss das Personal geschult sein, um die Tiere ruhig in die richtigen Bahnen zu dirigieren", erklärt Grandin, die mit einer eigenen Firma inzwischen auch die großen Schlachthöfe der Vereinigten Staaten berät. "Dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass unwillige und ängstliche Tiere getreten oder geschlagen werden."