Warum die Parasiten plötzlich gehäuft Finken töten, wissen die Vogelexperten nicht. "Vielleicht hat sich der Erreger verändert oder die Umwelt", mutmaßt Peters. In Europa gab es nach Information von Ingo Ludwichowski in den vergangenen Jahren öfter Massensterben von Grünfinken. 2001 verendeten in Frankreich viele der Vögel. Sicher nachgewiesen wurden die Trichonomaden auch 2005 in Großbritannien; im vergangenen Jahr waren Irland, Norwegen und nochmals Frankreich betroffen.

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In Deutschland fiel die Seuche zuerst Vogelfreunden auf, die die Tiere auch im Sommer fütterten. "Plötzlich lagen in Itzehoe 40 tote Finken in den Gärten, dann 80 in Hamm, in manchen Dörfern verteilten sich die verendeten Vögel über den gesamten Ort. Und inzwischen sind auch einzelne Buch- und Distelfinken, Dompfaffen und Kernbeißer betroffen", sagt Ludwichowski, dessen Verband zunächst verseuchtes Vogelfutter in Verdacht hatte.

Martin Peters tippt jedoch auf eine andere Quelle: "Wir gehen momentan weniger von kontaminierten Futterhäuschen aus. Wahrscheinlich stecken sich die Tiere über das meist ebenfalls angebotene Trinkwasser an." Mindestens 24 Stunden kann der Erreger darin überleben und weitere Vögel infizieren - zumal kranke Finken mehr trinken als gesunde.

"Das warme und feuchte Wetter der vergangenen Wochen hat das Problem möglicherweise verschärft", vermutet Berthold, der prinzipiell die Fütterung der Vögel im Sommer begrüßt. "Insgesamt überwiegt der Nutzen. Durch die veränderte Landwirtschaft fehlen den Finken oder Sperlingen jedes Jahr etwa eine Million Tonnen Samen, weil Wildkräuter verschwunden sind. Dieser Nahrungsmangel hat bei vielen Arten einen dramatischen Bestandsrückgang mit ausgelöst."

Sollten kranke oder tote Vögel gefunden werden, empfiehlt der Wissenschaftler, das Futterhaus für ein paar Tage zu schließen und in dieser Zeit auch kein Wasser anzubieten. Doch auch wenn manche Vogelbeobachter melden, dass sie überhaupt keine Grünfinken mehr sehen, entwarnt Peter Berthold: "Die Grünfinken gehören zu unseren häufigsten Vögeln und ihr Bestand wächst. Der Tod einiger Tiere schadet also weder der Art noch dem Ökosystem."

Künftig könnte sich dies aber ändern, glaubt der Forscher. Klimawandel und Globalisierung begünstigen exotische Krankheiten. Vor einigen Jahren etwa beklagten die Bewohner von Wien, dass keine Amseln mehr sängen. Tatsächlich starb ein Großteil der Vögel durch das sogenannte Usutu-Virus, das aus Südafrika stammt. Ingo Ludwichowski hat wohl recht, wenn er sagt: "Das Grünfinkensterben ist ein Warnsignal."

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  1. Massensterben der Grünfinken
  2. Sie lesen jetzt Rätsel um die Parasiten
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(SZ vom 14.7.2009/beu)