Um Selbstmorde zu verhindern, fahnden Ärzte und Psychologen nach Zeichen einer Depression. Dabei erwägen auch psychisch Gesunde erstaunlich häufig den Freitod.
Wer die Infobroschüren und Webseiten der Suizid-Präventionskampagnen in Deutschland liest, kann den Eindruck gewinnen, dass hinter dem Entschluss, das eigene Leben zu beenden, so gut wie immer eine Depression steht. Eine neue Studie korrigiert dieses Bild: Wie ein 25-köpfiges Forscherteam unter der Leitung des Gesundheitspsychologen Matthew Nock von der Harvard University in der Internet-Publikation Public Library of Science Medicine (PLoS Medicine) berichtet, spielen andere psychische Störungen sowie nicht krankhafte Gründe eine weitaus größere Rolle als bisher angenommen.
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Das folgern die Forscher aus der Auswertung von Gesprächen mit weit über 100.000 Menschen aus 21 Ländern, die an einem psychiatrischen Untersuchungsprogramm der Weltgesundheitsbehörde WHO teilnehmen - den World Mental Health Surveys.
Zu den wichtigsten Ergebnissen der neuen Studie gehört, dass affektive Störungen nur in Industrienationen der häufigste Grund für Suizidversuche sind. Hier erhöht etwa eine Depression das Risiko um 200 Prozent. Global gesehen seien es jedoch vor allem Angstkrankheiten und Störungen der Impulskontrolle, die dazu führen, dass Suizidvorhaben tatsächlich ausgeführt werden.
In den unterentwickelten Ländern spielten zudem Krankheiten, die durch Alkohol- und Drogenmissbrauch entstehen, sowie posttraumatische Störungen eine besonders große Rolle. Überraschend war auch die Erkenntnis, dass weltweit in der Hälfte der Fälle Menschen ernsthaft einen Suizid erwägen, die gar nicht unter einer psychischen Krankheit leiden. Risikofaktoren seien insbesondere schwere Lebenskrisen und Schicksalschläge, eine einschlägige Familiengeschichte oder der Suizid eines Freundes oder Verwandten.
Neue Ansätze in der Vorbeugung
Die neuen Studienergebnisse haben nach Ansicht der Forscher Bedeutung für die Präventionspolitik. In Zukunft dürften sich Ärzte und Psychologen nicht mehr darauf beschränken, Patienten nach den Warnsignalen der Depression zu untersuchen. "Es müssten vielmehr auch Wege gefunden werden, wie man die Menschen findet, die auch ohne psychische Störungen zu suizidalem Verhalten neigen."
Neue Ansätze sind in der Vorbeugung dringend nötig, betonen die PLoS-Autoren. Schließlich sei Suizid eine der häufigsten Todesursachen auf der Welt, "alle 40 Sekunden begeht irgendjemand irgendwo Suizid", so Psychologe Nock. Insgesamt eine Million Menschen sterben jedes Jahr durch die eigene Hand. In Deutschland sind es circa 12.000. Die Zahl der Suizidversuche wird sogar bis auf das 20-Fache dieser Summe geschätzt.
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(SZ vom 11.08.2009/beu)
Machtkampf in der Linken
gefragt, für wen ist der Selbstmord ein Leiden, für die Überlebenden oder den Selbstmörder?
Ist Selbstmord wirklich ein Unglück und wenn ja für wen?
Warum können wir nicht akzeptieren, dass es Menschen gibt, die dieses Leben nicht lebenswert finden? Und wenn man sich das Hauen und Stechen in den Foren ansieht, warum soll man diesen ständigen Kampf so toll finden?
Ich persönlich habe für mich einen Sinn im Leben gefunden und finde es lebenswert. Nur manche Menschen haben eben diesen nicht für sich finden können.
..., denn wo steht der Teil unter der Überschrift.
"Wie sage ich es meinen Kollegen"
fragt mal ganz unverbindlich
subroutine
Die Erkenntnis, dass man nicht psychisch krank sein muss, um sein Leben beenden zu wollen, ist ja nicht neu, auch wenn es in der Kampagne "Mit Psychologie und Psychopharmaka ist alles erklär- und therapierbar" totgeschwiegen wurde. Wenn jemand sein Leben für nicht mehr Lebenswert erachtet, weil er etwa bittere Armut nicht erträgt oder ein ständiges Gebrechen hat, so hat dieser sich mit Soll und Haben aus einander gesetzt und für sich entschieden - nichts anderes, juristisch abgesichert, passiert für die medizinischen Fälle bei Dignitas. Hier sind keine Psychologen gefragt, sondern jeder Einzelne. Hinschauen statt Hinnehmen, Handeln statt Delegieren, dann wären viele "Unglücksfälle" vermeidbar.
Es ist aber wissenschaftlich erwiesen, dass ein Mensch, der tatsächlich vor dem Suizid steht, nicht mehr urteilsfähig ist. Es ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass diese Menschen kurz vor dem letzten Schritt sogar noch fröhlich werden, aber .... sie sind in der Tat nur noch bei sich und sind sich der Konsequenzen ihres Selbstmordes überhaupt nicht bewusst. Insofern denken sie überhaupt nicht darüber nach, wie es ihren Kindern anschließend ergehen wird oder eben auch ihren Eltern. Sie denken nur noch und ausschließlich an sich.
Und das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, da gibt es genügend Fachliteratur, und ich habe genau dies immer von Fachleuten gehört anlässlich von Fort- und Weiterbildungen!
Der Mensch "muss" sich nichts aufoktruieren lassen, überhaupt nichts, man MUSS aber etwas ändern wollen, um aus alten Verhaltensmustern und Gedankenkonstrukten herauszukommen - insbesondere wenn es da die große Verwantwortung für Kinder gibt.
Dass Menschen aus großer Verzweiflung diese Welt verlassen möchten, kann ich nachvollziehen, das ist auch ganz gewiss nicht verachtenswert oder dergleichen, ich werde aber trotzdem immer wieder dafür plädieren, dass in erster Linie eingeschritten werden muss, damit sie sich nicht umbringen!
Ich kenne Fälle von Menschen, die kurz davor waren, ihrem Leben ein Ende zu setzen, die nun aber gut und gerne leben - sie haben sich eben professionelle Hilfe gesucht, und genau das erwarte ich von Menschen, wenn sie z.B. Kinder haben!
Ich glaube nicht, dass man einem Kind da irgendwas "erklären" kann - Mutter oder Vater sind gegangen, und nur das zählt und macht es schlimm. Wenn es später dann die ganze Wahrheit erfährt, wird es wohl besondere Schwierigkeiten haben, sich damit abfinden zu können, dass sie sich für den Tod und damit gegen es entschieden haben und sich u.U. ein Leben lang verlassen fühlen und kaum jemandem vertrauen.
Wenn ein alter Mensch aber so richtig die Nase voll hat vom Leben, es ihn hier und da zwickt und schmerzt , ihm nichts mehr Freude macht, er sich in einer Welt nicht mehr geborgen fühlte , in der der Jugendwahn immer groteskere Züge annimmt und das Alter verächtlich gemacht wird und ihm zudem die wichtigste Person wegstarb und er nur noch die Perspektive hat, für den Rest seines Lebens auf den Tod zu warten, der u.U. durch medizinische Behandlungen auch noch hinausgezögert wird, wenn er sein "Haus bestellt" und seine "Aufgaben erledigt" hat, warum sollte er dann nicht die Freiheit besitzen, diese Welt verlassen zu dürfen?
Paging