Statistik zum Passivrauchen Tödliche Atemzüge

10,9 Millionen Jahre verschwendete Lebenszeit: Raucher gefährden nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer engsten Angehörigen. 600.000 Menschen sterben jedes Jahr am Passivrauchen - 165.000 davon sind Kinder.

Von Werner Bartens

Jedes Jahr sterben weltweit 5,1 Millionen Menschen, weil sie rauchen; das entspricht ungefähr der Gesamtbevölkerung Finnlands. Doch die etwa 1,2 Milliarden Raucher rund um den Globus bringen nicht nur sich selbst Krankheit und Tod. Sie gefährden auch ihre Mitmenschen, besonders die engsten Angehörigen.

Skandinavische Ärzte um Annette Prüss-Ustün von der Weltgesundheitsorganisation haben erstmals die weltweiten Schäden durch das Passivrauchen ermittelt. Wie sie im Fachmagazin Lancet von diesem Freitag berichten, sterben jährlich mehr als 600.000 Menschen, weil sie sich dem Qualm der anderen nicht entziehen können. Das entspricht einem Prozent aller Todesfälle weltweit.

"Kinder leiden am stärksten"

Besonders stark leiden Frauen und Kinder. 165.000 Kinder sterben, weil sie dem Rauch ihrer Eltern ausgesetzt sind.

"Kinder können Passivrauch nicht aus dem Weg gehen, sie leiden mit Abstand am stärksten", sagt Prüss-Ustün. Zwei Drittel der kindlichen Todesfälle entfallen auf Afrika und das südliche Asien. "Die häufige Kombination von ansteckenden Krankheiten und Tabak in diesen Regionen ist tödlich - es ist ein Mythos, dass man in Entwicklungsländern erst die Infektionen besiegen muss, bevor man sich dem Kampf gegen Nikotin zuwenden kann", stellen die Autoren fest.

Kinder erkranken leicht an Lungenentzündungen und anderen Infektionen der Atemwege. Atmen sie Rauch ein, schwächt dies ihr Immunsystem und beeinträchtigt die Flimmerhärchen in den Bronchien, sodass sie sich schlecht gegen Keime wehren können. Zudem wirken Giftstoffe im Qualm toxisch auf die Lunge und andere Gewebe.

Bei Erwachsenen wirkt sich das Passivrauchen besonders gravierend auf das Herz aus. Etwa 380.000 Todesfälle sind auf Infarkte zurückzuführen, weil die mit dem Rauch eingeatmeten Schadstoffe den Kranzarterien zusetzen und Arterien verkalken und starrer werden. Aber auch Asthma, Atemwegsinfektionen und Lungenkrebs durch Passivrauchen fordern viele Opfer.

Weltweit sind 40 Prozent aller Kinder und ein Drittel aller Erwachsenen Passivraucher.

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