Satellitenbilder zeigen Umweltzerstörung Ökologischer Irrsinn als abstrakte Kunst

Vor vierzig Jahren warnte der Club of Rome in seinem Bericht "Grenzen des Wachstums" vor den Konsequenzen, die die immer radikalere Ausbeutung aller Ressourcen für unseren Planeten haben werde. Wir haben diese Warnung ignoriert. Stattdessen haben wir der Erde eine grauenvoll schöne Fratze aufgesetzt.

Von Petra Steinberger

"Macht euch die Erde untertan": Genesis, Kapitel 1 - wohl einer der meistzitierten - und vielleicht inzwischen meistgehassten Verse der Bibel. Carl Amery hat ihn 1972 in seiner Streitschrift "Das Ende der Vorsehung. Die gnadenlosen Folgen des Christentums" angeführt. In dieser geißelt er die christliche Aufforderung zur totalen Unterwerfung der Natur - und beruft sich auf den in jenem Jahr gerade erschienenen Bericht des Club of Rome. Genau vierzig Jahre ist das her, als im Frühjahr 1972 "Die Grenzen des Wachstums" der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Ein lauter Aufschrei, viel Getöse, es formierte sich die internationale Umweltbewegung.

Der menschliche Fußabdruck

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Der Mensch hat dennoch mehr oder weniger weitergemacht wie gehabt. Er hat die Erde seither noch mehr bebaut, noch tiefer umgegraben, heftiger gesprengt, radikaler ausgesaugt. Er hat sie entwaldet, entwässert und geflutet. Der Natur, heißt es im Vorwort des gewaltigen Bildbandes "Human Footprint. Satellitenbilder dokumentieren menschliches Handeln" (eovision, Salzburg 2011, 320 Seiten, 49,95 Euro), der Natur also werde heute dreimal soviel entnommen, wie sie durch natürliche Erneuerung bereitstellen kann.

Und das gilt nicht nur für fossile Ressourcen. Es gilt für die Meere, für das Land, für Wasser. Denn immer mehr Menschen wollen immer besser leben - und können es sich immer mehr leisten. Allerdings nur, weil sie die zukünftigen Kosten der Regeneration nicht in ihre Kalkulation mit aufnehmen, Kosten, die dann eben die nächsten Generationen übernehmen müssen.

Gerade vor ein paar Tagen hat James Hansen, Direktor des Nasa Goddard Institute for Space Studies, einer der angesehensten Klimaforscher der Welt, in der New York Times davor gewarnt, dass es bald vorbei sei für das Klima. "Game over for the Climate" heiße es, wenn nun auch die Ölsande im kanadischen Alberta ausgebeutet würden.

Die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre wäre dann höher als im Pliozän, vor mehr als 2,5 Millionen Jahren. "Der Meeresspiegel lag damals mindestens 15 Meter höher als heute. Eine solches Ausmaß an Treibhausgasen wird garantieren, dass sich die Auflösung der Eisdecke unkontrollierbar beschleunigt. Der Meeresspiegel wird ansteigen und die Küstenstädte vernichten. Weltweit werden die Temperaturen bis ins Unerträgliche steigen. Zwanzig bis fünfzig Prozent der Arten weltweit werden ausgerottet werden. Die Zivilisation wäre in Gefahr."

Dann wäre es auch vorbei mit den künstlichen Luxusinseln vorder Küste Qatars (siehe Bildstrecke). Falls dort überhaupt noch jemand leben wollte, in lebensvernichtender Hitze. Die ausgetrockneten Salzinseln im Inneren Australiens stehen schon jetzt geradezu symbolisch für die zunehmend länger werdenden Dürreperioden, die den Kontinent heimsuchen. Und ob Massenaquakulturen wie in China oder vor der südamerikanischen Küste wirklich eine saubere, gesunde Alternative zum Tiefseefischfang sind, darf in Frage gestellt werden.

Sie sind wunderschön, diese Bilder, welche die ungerührt über der Erde kreisenden Satelliten eingefangen haben. Wie abstrakte Gemälde zeichnen sie die Narben nach, die der Mensch der Erde eingeritzt hat. Die Erde selbst wird sie überleben. Ob es diejenigen können, die sie ihr zugefügt haben, wird man noch sehen.