Raumsonde "Mangalyaan" Indien gelingt Flug zum Mars

Start der Marssonde im November 2013. Zehn Monate später ist das Raumfahrzeug am Mars angelangt.

(Foto: dpa)

Das Schwellenland Indien steht an der Schwelle zum Mars: Die Raumsonde "Mangalyaan" hat die Atmosphäre des Roten Planeten erreicht. Die Mission war ein echtes Schnäppchen.

  • Die indische Raumsonde Mangalyaan hat die Atmosphäre des Mars erreicht. Mit rund 57 Millionen Euro ist es die bislang günstigste Marsmission.
  • Für Indien ist die interplanetare Reise ein gigantischer Erfolg. Nur die USA, die Sowjetunion und die europäische Raumfahrtagentur Esa hatten zuvor den Roten Planeten erreicht.
  • In der Umlaufbahn soll die Raumsonde die Atmosphäre und die Oberfläche des Mars untersuchen. Eine Landung ist nicht geplant.

Indien dringt in den "Elite-Club" vor

Das Schwellenland Indien hat gleich im ersten Versuch erfolgreich eine Sonde zum Mars geschickt. Das unbemannte Raumfahrzeug Mangalyaan (Hindi für Mars-Gefährt) schwenkte am Mittwoch wie geplant in eine Umlaufbahn um den Planeten ein. Im Kommandozentrum der indischen Weltraumforschungsorganisation Isro in Bangalore brachen die Wissenschaftler in Jubel aus.

Auch Premierminister Narendra Modi klatschte lange und sagte, Indien gehöre nun zum Elite-Club. Bislang gelang nur den USA, der damaligen Sowjetunion und der europäischen Raumfahrtagentur Esa ein Flug zum Mars. Besonders stolz ist Indien darauf, die erste Nation Asiens zu sein, die den Roten Planeten erreicht. Versuche Chinas und Japans scheiterten. "Heute wurde Geschichte geschrieben. Wir haben es gewagt, in unbekannte Welten vorzudringen, und haben das schier Unmögliche erreicht", sagte Modi.

Suche nach Methan

Eine Landung auf dem Mars ist nicht geplant. Die Geräte an Bord der 1350 Kilogramm schweren Sonde sollen vielmehr beim Umkreisen die Atmosphäre und die Oberfläche untersuchen. Es geht unter anderem um die Frage, ob Methan vorhanden ist - das wäre ein Zeichen, dass sich einst Leben auf dem Mars entwickelte. Experten erwarten aber keine großen neuen Erkenntnisse. Das aufstrebende Schwellenland Indien wollte vielmehr zeigen, dass es überhaupt zu einer Mission im interplanetaren Raum fähig ist.

Von den bislang 51 Mars-Missionen waren nur 21 erfolgreich. Stolz verbreitete die Isro auf ihrem Twitter-Account die Glückwünsche der Nasa. Diese war erst am Montag mit ihrem Orbiter Maven am Mars angekommen. Auf der Marsoberfläche rollen außerdem die Forschungsroboter Curiosity und dessen Vorgänger Opportunity.

Weltraum-Mission zum Discountpreis

Die indische Mars-Mission ist die bislang günstigste. Das Projekt kostete umgerechnet 57 Millionen Euro, das ist weniger als die meisten Passagierflugzeuge. Mit Ausnahme einiger elektronischer Komponenten wurden alle Teile der Sonde in Indien entworfen und hergestellt. Vor sechs Jahren war das Land bereits beim ersten Versuch mit seiner Mondmission erfolgreich.

Der Flug zum Mars dauerte fast zehn Monate. Beim alles entscheidenden Manöver, bei dem Mangalyaan in den Orbit eintrat, wurde die Sonde von einer Geschwindigkeit von 22,2 Kilometern pro Sekunde auf 4,4 Kilometer pro Sekunde abgebremst. Die Motoren starteten um 7.17 Uhr indischer Zeit - viele der 1,25 Milliarden Inder saßen dabei gebannt vor dem Fernseher. Der Jubel brach aber erst verspätet aus, denn das Signal braucht vom Mars zur Erde mehr als zwölf Minuten.

Weitere Weltraummissionen sollen folgen. Für das Jahr 2016 ist geplant, ein indisches Roboter-Fahrzeug auf den Mond zu schicken; dann könnte 2018 ein Landeversuch auf dem Mars folgen. "Der heutige Erfolg sollte uns dazu bringen, noch mehr Herausforderungen zu suchen", sagte Premierminister Modi.