Asteroiden Operation "Didymos"

So stellen sich die Wissenschaftler es vor, wenn die Sonde "Dart" in den kleineren der zwei "Didymos"-Asteroiden einschlägt. Die Sonde "Aim" soll das Ereignis beobachten.

(Foto: Esa)

Die Explosion eines Meteors über dem Ural hat gezeigt: Es wäre gut, gewappnet zu sein, sollte sich einmal ein Himmelskörper auf Kollisionskurs mit unserem Planeten befinden. Astronomen wollen deshalb versuchen, einen Asteroiden aus seiner Bahn zu werfen.

Von Markus C. Schulte von Drach

Nach der Explosion eines Meteors über der russischen Stadt Tscheljabinsk und dem fast gleichzeitigen Vorbeiflug eines Asteroiden dicht an der Erde ist die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für diese Pläne von amerikanischen und europoäischen Wissenschaftlern sicher gewährleistet: Die Fachleute fordern Kollegen in aller Welt auf, sich an einem ganz besonderen Projekt zu beteiligen. Sie wollen erforschen, wie sich Asteroiden aus ihrer Bahn werfen lassen.

Bereits seit zwei Jahren arbeiten Wissenschaftler der Europäischen Weltraumorganisation Esa und dem Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University in Laurel, Maryland, an der Mission. Beteiligt sind an dem Projekt auch die US-Raumfahrtbehörde Nasa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt  (DLR).

Kurz nach der eindrucksvollen Explosion über dem Ural, bei der etwa 1500 Menschen verletzt wurden, hat die Esa nun den Namen des Asteroiden veröffentlicht, dessen Flugbahn die Wissenschaftler beeinflussen wollen: "Didymos". Eigentlich handelt es sich dabei um zwei Asteroiden von etwa 800 Metern und 150 Metern Größe, die sich mit einem Abstand von etwas mehr als 1000 Metern umkreisen. Daher rührt auch der Name Didymos (griechisch für Zwilling).

Der Esa zufolge handelt es sich bei der Mission um eine eher kleine, kostengünstige Aktion: zwei Raumsonden sollen dem Asteroidenpaar entgegen geschickt werden. Im Jahre 2022, wenn "Didymos" noch elf Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, soll die Raumsonde Double Asteroid Redirection Test (Dart) der Johns Hopkins University mit etwas mehr als sechs Kilometern pro Sekunde in den kleineren der beiden Asteroiden krachen.

Darstellung der "Didymos"-Asteroiden.

(Foto: Esa)

Die Sonde der Europäer, der Asteroid Impact Monitor (Aim) hat die Aufgabe, das Ereignis aus einer Distanz von etwa 100 Kilometern zu beobachten und festzustellen, ob der Zusammenstoß die Umlaufbahn des kleineren Asteroiden um den größeren verändert.

Gelingt das Experiment mit dem schönen Namen "Aida" (Asteroid Impact and Deflection Assessment), könnte die Methode Hinweise darauf liefern, wie sich katastrophale Meteoriteneinschläge in die Erde in Zukunft verhindern lassen.

Und das wäre nicht schlecht: Wäre zum Beispiel der Asteroid "2012 DA14" nicht an der Erde vorbeigeflogen, sondern eingeschlagen, hätte der 45 Meter große Gesteinsbrocken vermutlich eine Sprengkraft von 2,4 Millionen Tonnen TNT-Äquivalent entwickelt. Die Atombombe, die Hiroshima zerstörte, hatte eine Sprengkraft von "nur" etwa 13.000 bis 15.000 Tonnen TNT.

Himmelskörper dieser Größenordnung, das haben Astronomen berechnet, schlagen statistisch gesehen alle 1200 Jahre auf der Erdoberfläche ein. Solche Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass sich eine solche Kollision nicht schon in den kommenden Jahrzehnten ereignen könnte. Denn, wie Donald Yeomans von der Nasa kürzlich in der New York Times erklärte, bedrohe zwar zur Zeit kein bekannte Asteroid oder Komet die Erde. Aber bei mehr als zwei Dutzend Asteroiden ist die Chance, dass sie innerhalb der nächsten 100 Jahre mit unserem Planeten kollidieren, größer als eins zu einer Million.

"Das klingt vielleicht beruhigend", so Yeomans, "aber wir schätzen, dass weniger als zehn Prozent aller erdnahen Objekte bislang überhaupt entdeckt wurden". Irgendwo da draußen könnte sich also ein ziemlich großer Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde befrinden. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht groß - doch angesichts der möglichen Folgen wäre es gut, vorbereitet zu sein.

"Didymos" selbst stellt keine Bedrohung für die Erde dar und es ist noch gar nicht vollständig geklärt, wie das ganze Projekt Aida genau aussehen soll: Bis zum 15. März sollen Wissenschaftler dafür noch Vorschläge bei der Esa einreichen.

Der Zusammenstoß zwischen Dart und "Didymos" wird nicht der erste in der Geschichte der Raumforschung sein. So krachte 2005 der Impactor der Nasa-Mission "Deep Impact" in den Kometen "Tempel 1". Die Sonde mit einem Gewicht von etwa 370 Kilogramm hatte so gut wie keine Auswirkungen auf die Flugbahn des 7,6 Kilometer langen und fünf Kilometer dicken Kometen. Allerdings war dies auch nicht das Ziel der Mission. Vielmehr gewannen die Astronomen aus der Wolke von Teilchen, die der Impactor aufwirbelte, Informationen über die Zusammensetzung des riesigen Eisbrockens.