Naturkundemuseum Berlin Die Welt von Tristan Otto

Im Naturkundemuseum in Berlin werden die Urzeitgiganten lebendig.

(Foto: Monika Maier-Albang)

Schaukästen und lange Texte sind im Naturkundemuseum Berlin passé. Hier werden die Saurier lebendig.

Von Monika Maier-Albang

Tristan Otto begrüßt den Berlin-Besucher schon in der U-Bahn, zumindest ein Teil von ihm tut das. Eine Reihe riesiger Zähne, grau auf schwarzem Grund, bedeckt die Wand der Haltestelle "Naturkundemuseum". Dazu die beruhigende Botschaft: "It's ok, it's dead." Ja, so bewirbt man eine Attraktion!

Seit Dezember 2015 haben die Berliner in Tristan Otto ein wirklich prachtvolles Exemplar eines Tyrannosaurus rex. Etwa 50 Stück gibt es weltweit. Tristan Otto, zwölf Meter lang, 66 Millionen Jahre alt, gefunden 2011 in Montana, ist eine Leihgabe. Drei Jahre darf er in Berlin bleiben, mit Aussicht auf Verlängerung, wenn seine amerikanischen Besitzer es so wollen. Den Doppelnamen verdankt das Fossil seinen Besitzern, dem amerikanischen Unternehmer Niels Nielsen und seinem Freund Jens Peter Jensen, die ihre Söhne auf diese Weise verewigt haben.

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Die Eigentümer hatten ein Museum gesucht, in dem das Tier angemessen zur Schau gestellt werden würde. Im Naturkundemuseum hat Tristan Otto einen eigenen Raum. Der T. rex muss sich dort zwar etwas ducken, aber in Angriffshaltung sieht er ohnehin spektakulärer aus. Der Kopf am Rumpf ist ein Replikat, das wertvolle Original steht daneben, hinter Glas. Die Zähne, mit denen das Museum in der U-Bahn um Besucher wirbt, wuchsen bei den Tieren übrigens ein Leben lang nach, ähnlich wie bei Haien. Wobei Tristan Otto, dessen Skelett von Schrammen und Bisswunden gezeichnet war, gerade mal so das Erwachsenenalter erreicht hat.

Das Berliner Museum hat sich einige Gedanken darüber gemacht, wie es seine Dinosaurier ansprechend präsentiert. Neben dem T. rex stehen in der Haupthalle einige weitere Saurier-Skelette, darunter ein Brachiosaurus, der als der höchste aufgestellte Dinosaurier gilt. Natürlich könnte man die Tiere einfach nur so hinstellen, sie wirken ja durch ihre schiere Größe. In einer Zeit, in der jeder sein eigenes Filmstudio in der Tasche trägt, würde das aber irgendwie kreidezeitmäßig wirken.

Deshalb stehen im Berliner Naturkundemuseum sogenannte Jurascope. Blickt der Besucher durch diese digitalen Ferngläser auf ein bestimmtes Skelett, beginnt die Animation - das Tier bekommt innere Organe, Muskeln und Haut. Dann wird der Saurier in seine Lebenswelt versetzt, ins Oberjura. Er beginnt sich zwischen Spiegelbäumen, Araukarien und Schuppenfarnen zu bewegen und zu fressen. Die Simulationen entstanden 2007 in Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern des Museums.

Sie seien bewusst nicht allzu realistisch, eher comic-haft gehalten, sagt Ausstellungsleiter Uwe Moldrzyk. Man wolle so zeigen, dass man zwar viel, aber eben nicht alles weiß über die Tiere - die Färbung der Haut etwa lässt sich bis heute nicht klären. Das Konzept der Präsentation sei bewusst ein wissenschaftliches, "brüllende Wackeldinos wollten wir nicht", sagt Moldrzyk. "Wir haben uns für eine leichte Inszenierung entschieden, die echte, aber nicht zu viel Informationen vermittelt."

Zwei Bildschirme sind am Boden installiert, für Gruppen oder für die ganz Kleinen, die trotz Treppe nicht ans Jurascope ranreichen. Auch davor herrscht immer reichlich Gedrängel.

Weitere Informationen: www.museumfuernaturkunde.berlin

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