Nach Hacker-Angriff Vorwurf der Wagenburg-Mentalität

"Obwohl die Klimawandel-Leugner seit vielen Jahren mit kompletten Erfindungen, Schwindel und Betrug arbeiten, sehen jetzt die Klimaforscher schlecht aus", schreibt der Kolumnist George Monbiot vom Londoner Guardian.

Windelweiche Pläne

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Das sehen auch manche Klimaforscher so. Hans von Storch vom Forschungszentrum GKSS in Geesthacht bei Hamburg sagt zum Beispiel : "Man erkennt in den E-Mails ein Kartell, das versucht, alternative Ansichten aus dem wissenschaftlichen Prozess herauszuhalten." Die Daten Interessierten nicht zur Prüfung zu geben hält er für unethisch: "Gerade unfreundlich gesinnte Leute sollten sie lesen dürfen, sonst hat das mit der Informationsfreiheit doch gar keinen Sinn."

Temperaturmessungen bestätigt

Judith Curry von der Georgia Tech University wirft Mann und Jones eine "Wagenburg-Mentalität" vor, die das Prinzip des offenen Austauschs in der Wissenschaft verletze. Mit Kritik und Kritikern aktiv umzugehen, die Einwände zu prüfen, zu entkräften oder Fehler einzuräumen verhindere doch, "dass aus Maulwurfshügeln Berge werden".

Klimaskeptiker feiern solche Zitate, aber es ist bestenfalls ein Teilerfolg. Selbst wenn sich bestätigen sollte, dass Mann und Jones den wissenschaftlichen Comment verletzt haben, bedeutet das nicht, dass ihre Arbeiten falsch sind.

Die Temperaturmessungen des CRU werden durch zwei Datensätze unabhängiger amerikanischer Institute bestätigt; Manns Ergebnisse über die Entwicklung der vergangenen 2000 Jahre sind von etlichen Arbeitsgruppen nachvollzogen worden. Zudem schwächen die E-Mails die inhaltliche Aussagekraft der Arbeiten nicht, sagen Klimaforscher.

Phil Jones wird vor allem vorgeworfen, dass er in einer E-Mail von 1999 von einem "Trick" sprach, den er angewendet habe. Da ging es um eine Graphik, und Jones möchte das Wort als "Kniff" ("a clever thing to do") verstanden wissen. Nichts sei manipuliert oder vertuscht worden. Das bestätigen viele prominente Beobachter.

"Daran war nichts methodisch Unsauberes", sagt zum Beispiel Jochem Marotzke, Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Hans Joachim Schellnhuber ergänzt: "In den E-Mails ist kein Indiz für eine große Verschwörung, die haben nichts manipuliert."

Wilde Behauptungen

Andrew Watson, der an derselben Universität wie Jones arbeitet, sagte der BBC: "Wenn das (bisher Bekannte) alle Beweise für eine Verschwörung sind, die in Tausenden vertraulicher E-Mails zu finden sind, ist das ziemlich erbärmlich." Und George Monbiot vom Guardian schreibt: "Die Leugner des Klimawandels haben wilde Behauptungen aufgestellt, die von dem Material keinesfalls gestützt werden."

Diesen Satz zitieren die sogenannten Klimaskeptiker übrigens nicht, haben sich aber mit Freude auf Monbiots Forderung gestürzt, Phil Jones solle zurücktreten. Sie verbreiten auch das Gerücht, die CRU habe unter dem Druck der Anfragen ihre Rohdaten vernichtet.

Das bestreitet die Universität. Zwar seien in den achtziger Jahren, weit vor Jones' Zeit als Direktor, einige Magnetbänder und Aufzeichnungen beim Umzug des Instituts vernichtet worden. Aber 95 Prozent des Materials sei vorhanden und stehe längst öffentlich zur Verfügung.

"Ich habe gar keine Zweifel an den Daten von CRU. Sie sollten nur überprüft werden können", fasst Hans von Storch die Affäre zusammen.